Hedwig Klein kämpft seit zehn Jahren für Verbot von Laserdruckern

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Die Wernerin Hedwig Klein (58) reagiert mit Atemnot, Augenreizungen und Gelenkschmerzen, wenn sie sich in der Nähe von Laserdruckern oder -kopierern aufhält. Der Toner sorgt für erhöhte Feinstaubbelastung.

Werne - Sie habe eine Kämpfernatur, sagt Hedwig Klein. Und die braucht sie auch – seit 2007, als sich ihr Leben schlagartig veränderte.

Die heute 58-Jährige ging am Morgen wie üblich ins Büro. Dort angekommen, bekam sie aber plötzlich keine Luft mehr. Erst später erhält die Wernerin Gewissheit, was da gerade geschehen war. 

Laserdrucker und -kopierer mit Toner-Kartuschen stehen in fast jedem Büro. Dabei gebe es eine Alternative, heißt es bei der Stiftung „Nano Control“: Tintenstrahl-Geräte.

Es war der Toner, der ihr den Atem raubte, der feine Staub aus Druckern und Kopierern, mit denen sie über Jahre umgeben war. In der internationalen Stiftung „Nano Control“ für gesunde Raumluft kämpft Hedwig Klein dafür, dass die „krank machenden“ Lasergeräte verboten werden – und hilft anderen Betroffenen bei der Bewältigung der gesundheitlichen Folgen durch Feinst-Partikel. Im April feiert die Stiftung in Berlin ihr Zehnjähriges. Die Wernerin ist mit dabei.

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Das ist ihr Beruf. Vielmehr: Er war es. Seit ihrer Entlassung übt sie ihn nicht mehr aus. Und auch keinen anderen. „Es stehen ja überall diese Geräte“, sagt sie. „Selbst in den Arztpraxen.“ Dabei seien Tintenstrahldrucker gesünder und teils leistungsfähiger.

Das mit der Atemnot war nur die Spitze des Eisbergs. Schon drei Jahre zuvor fing es an mit den Beschwerden, begann die Leidenszeit, die vielleicht nie ganz enden wird. Damals war der Fotokopierer im Büro defekt. Das Gerät pustete Toner in den Raum, der Staub legte sich auf die Möbel, Hedwig Klein wischte ihn regelmäßig weg.

Irgendwann lag die Wernerin mit hohem Fieber im Bett. Es hieß, sie habe ein Ödem im Hals. Sie bekam Cortison. Danach begannen die Muskelschmerzen – zunächst in den Beinen, später in den Armen, den Händen, den Fingern. Im Februar 2005 ein zehntägiger Klinikaufenthalt. Ursache der Schmerzen? Unbekannt.

„Ich fahre nur noch Kurzstrecken“

Die Augen entzündeten sich, brannten unaufhörlich. Ein dauerndes Kratzen im Hals. Die Nase lief. Konzentrationsschwierigkeiten. Und dann diese Müdigkeit, eine permanente Erschöpfung. „Wenn ich mich nicht beschäftige oder mich nicht angeregt unterhalte, kann ich im Nu einschlafen. Mit dem Auto fahre ich nur noch Kurzstrecken“, sagt Hedwig Klein.

Damals im Büro. „Der Drucker stand gleich rechts, der Fotokopierer hinter mir“, erinnert sich Hedwig Klein. Wenn die Kartuschen leer waren, wurden sie geschüttelt. Auch die letzten Toner-Reste sollten genutzt werden.

„Pflichtbewusst, wie ich war, bin ich immer wieder hin zur Arbeit“, sagt Hedwig Klein. Doch 2007, da ging gar nichts mehr. Es folgten vier Wochen Krankschreibung, dann die Kündigung.

krank-durch-toner.de – auf dieser Internetseite, heute von „Nano Control“ betrieben, erfuhr Hedwig Klein, dass es Menschen gibt, denen Ähnliches widerfährt. Menschen mit gleichen Symptomen und der gleichen Frage, was deren Ursache ist. Und Menschen, die vor dem großen Problem stehen, dass ihre Krankheit gar keine Anerkennung findet.

Hedwig Klein wurde 2015 eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zugestanden. „Offiziell aber nicht wegen meiner Reaktion auf Feinstaub, sondern wegen Fibromyalgie, den Dauerschmerzen“, so die Wernerin. Die richtige Diagnose, sagt sie, habe sie nur bei einer Studien-Teilnahme an der Universität Freiburg bekommen und von einem HNO-Arzt aus Nürnberg. Er war Gutachter im Rentenprozess.

„Mir ist Lebensqualität genommen worden“

So spielt das Leben allzu oft: Gerade dann, wenn’s einem schlecht geht, ist man besonders gefordert, gilt es zu kämpfen. Hedwig Klein tat dies. Vorm Arbeitsgericht, auch wenn’s nur eine bescheidene Abfindung gab, mit der Berufsgenossenschaft, die nichts wissen will von einer Berufskrankheit, mit ihrer Krankenkasse, die zunächst das Krankengeld verweigerte. Das Versorgungsamt verklagte sie auf Anerkennung einer Schwerbehinderung – vergebens.

„Ich konnte erstmals wieder wandern“

„Mir ist viel an Lebensqualität genommen worden“, sagt Hedwig Klein. Vor allem durch die Krankheit, aber auch durch den Spießrutenlauf danach. Zwar habe sie objektiv Beschwerden, könne zum Beispiel keine Behördengänge mehr machen, ohne dass es ihr danach nicht schlechter gehe. „Vieles wurde aber auf die Psychoschiene geschoben.“

Doch Hedwig Klein hat sich ins Leben zurückgekämpft. Lange Jahre war sie Kontaktperson für die Stiftung. Half Betroffenen, die teils ihre Korrespondenz in Klarsichthüllen stecken, zum Schutz vor Hautentzündungen und Hustenreiz. In Werne organisiert sie weiterhin die Sternsinger-Einsätze im Gemeindebereich Maria Frieden und ist in der KAB aktiv. Gesundheitlich geht’s leicht aufwärts, bei aller Einschränkung. „Ich konnte erstmals wieder die Winterwanderung mitmachen“, freut sie sich.

Hedwig Klein weiß: Krankheit isoliert. Allein dadurch, dass man nicht mehr überall dabei sein kann. Bei Fahrten etwa. „Auch in Hotels stehen ja Laserdrucker. Deswegen buchen wird immer nur wenige Übernachtungen.“

Der Isolation folgt oft ein sozialer Abstieg. „Das belastet die Betroffenen dann zusätzlich“, sagt Hedwig Klein. Sie selbst wird von der Familie aufgefangen, vom Partner, der arbeitet. „Meine kleine Rente geht fast ganz für die Gesundheit drauf.“

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