Willkommene Abwechslung

Hauch von Simjü: Kirmesorgel spielt vor Seniorenheimen in Corona-Krise

Dölfi Hirsch mit Patrick Arens, Dölfi Hirsch jr. und Markus Heitmann vor seiner Kirmesorgel
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Dölfi Hirsch mit Patrick Arens, Dölfi Hirsch jr. und Markus Heitmann vor seiner Kirmesorgel

Werne - Willkommene Abwechslung und ein Hauch von Simjü: In den Werner Seniorenheimen St. Katharina und Antonius erklang nun die Kirmesorgel der Dortmunder Schaustellerfamilie Dölfi Hirsch.

In Seniorenheimen herrscht bekanntlich wegen des Coronavirus nach wie vor striktes Besuchsverbot. Nicht sanktioniert ist dagegen die lebensbereichernde Unterhaltung der Bewohner, Patienten und Mitarbeiter, zum Beispiel mit Musik. 

Das nutzte Simjü-Schausteller Dölfi Hirsch mit seiner 115 Jahre alten Schwarzwälder Kirmesorgel, die mit dem Tonumfang einer Kirchenorgel und der Lautstärke einer Blaskapelle an beiden Seniorenheimen jeweils eine Dreiviertelstunde am Donnerstagnachmittag,16. April, konzertierte.

Märsche und Operetten​

Auf Vermittlung von Kirsten und Rainer Schulz erklang dort die historische Orgel. Zur Freude der Senioren und ihrer Betreuer kamen schmissige Märsche, Operettenmelodien und Schlager sowie Berliner Gassenhauer wie „Das ist die Berliner Luft“ und „Es war in Schöneberg . . .“ zu Gehör – was ganz nach dem Geschmack der auf ihren Balkonen sitzenden Senioren war.

„Spieltisch“ und Notenkasten hinter den Kulissen

Immer wieder spendeten sie nach den einzelnen Musikstücken kräftigen Beifall. „Ich habe ganz bewusst die Notenkisten mit den traditionellen Stücken ausgesucht“ betonte Dölfi Hirsch, der seit Ende der 1960er-Jahre mit verschiedenen Fahrgeschäften und in den vergangenen 20 Jahren mit Kinderschleifen wie „Truck-Stop“ zu Simjü auf dem Kurt-Schumacher-Platz gastiert. „Ein Stück zurückgeben“

Kirmesorgel und Sonnenschein lockten die Senioren auf die Balkone

​„Hier nach Werne sind wir besonders gern gekommen, zumal wir auf diese Weise den zurzeit einsamsten Menschen etwas von dem zurückgeben können, was wir Schausteller an der Maikirmes und Simjü haben“, unterstrich Hirsch, der aus einem uralten Schaustellergeblüt stammt. Die Maikirmes wurde in dieser Woche bereits abgesagt aufgrund des Coronavirus.

Hirsch’s 33er Ruth & Sohn – Kirmesorgel

Umso schöner, dass es nun doch einen Hauch von Kirmes in Werne gab. Mit von der Partie als die Orgel erklang waren sein Sohn Dölfi jr. und Schwiegersohn Markus Heitmann, seines Zeichens Vorsitzender des Schaustellerverbandes Münsterland, sowie der Vorsitzende des Schaustellervereins Rote Erde Dortmund, Patrick Arens.

Historische Orgel wie auf der Titanic

​Bei der Kirmesorgel handelt es sich um eine so genannte 33er Ruth und Sohn, die 1905 in Waldkirch (Schwarzwald) gebaut wurde. Am Rande: Eine komplett identische Ruth-Orgel spielte einst auf der Titanic. Dieses Instrument liegt freilich seit dem Untergang im Schiffsbauch auf dem Meeresboden. - von Rainer Schulz

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