Gymnasium ist jetzt Digitale Modellschule

Handyverbot und digitale Klassenbücher im AFG

+
Symbolbild

Werne – Mit dem neuen Schuljahr sind am Anne-Frank-Gymnasium Handys tabu. Schüler dürfen ihre Smartphones nur noch draußen und in den großen Pausen nutzen. Vor dem ersten Unterrichtstag haben Schulleiter Marcel Damberg und sein Stellvertreter Thorsten Kluger zudem über weitere Neuigkeiten informiert.

Seit zwei Monaten ist das AFG offiziell eine Digitale Modellschule. „Und zwar die erste in NRW“, unterstreicht Damberg. Seit fünfeinhalb Jahren werden am AFG iPads für die schulische Arbeit genutzt. „Ab diesem fünften Schuljahr sind wir bei über 500 Geräten. Dadurch, dass wir so viel digital arbeiten, haben wir schon viele Schulen empfangen, die sich unser Konzept angesehen haben“, sagt Kluger. 

Die Rolle als „Vorzeigeschule“ in diesem Bereich ist nun von der Bezirksregierung offiziell bestätigt. Mit Kluger sind zwei weitere Lehrer als Medienberater im Einsatz. Der Bedarf sei groß, teilt das Duo mit, denn allein im vergangenen halben Jahr sind über 20 Schulen zu Besuch am AFG gewesen. 

Digitale Klassen- und Kursbücher

„Das geht mittlerweile bis nach Düsseldorf“, sagt der Schulleiter. Mit der Zertifizierung als Digitale Modellschule lohnt sich der Einsatz nun auch für die Gastgeber – so sind aus Arnsberg dafür vorerst sechs Moderatorenstunden pro Woche bewilligt, die bei der zu erwartenden Resonanz um vier weitere Stunden erweitert werden. 

Zum Start des neuen Schuljahrs findet sich der digitale Fortschritt verstärkt auch im Bereich der Verwaltung wieder. Das Gymnasium arbeitet im Bereich der Stundenplanung ab sofort mit der Untis-Software. Darüber läuft dann der Vertretungsplan, die Unterrichtsverteilung oder die Planung von Klausurterminen. „Wir werden dazu digitale Klassen- und Kursbücher einführen. Die klassischen Klassenbücher werden also verschwinden“, erklärt Damberg weiter. 

Das Computerprogramm ist zudem für die Schüler hilfreich, denn mithilfe einer App können die Schüler darüber ihren individuellen Stundenplan abrufen. Zusammen mit dem Fraunhofer Institut ist die Schule aktuell noch dabei, die Anmeldungen für den Eltersprechtag zu digitalisieren. 

Handyverbot innerhalb des Schulgebäudes

Eine große Änderung steht für die Schüler mit dem ersten Schultag nach den Ferien an. Wie schon im benachbarten Gymnasium St. Christophorus gilt dann auch am AFG ein Handyverbot innerhalb des Schulgebäudes sowie der Mensa und der Sporthalle. 

„Lernpsychologisch und neurologisch sowie generell, was Kommunikation betrifft, ist es erwiesen, dass es besser ist, wenn man die Dinger nicht benutzt“, stellt Damberg fest und nennt ein Beispiel: „Wenn Fünftklässler aus einer Stunde kommen, und das Handy sofort wieder zücken, um zu spielen oder in Sozialen Netzwerken unterwegs zu sein, ist das, was sie gelernt haben, schnell wieder weg.“ 

Schon bei seiner Vorstellung in der Schulkonferenz hatte sich der frühere stellvertretende Direktor des Hammer Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, der vor einem Jahr Nachfolger von Heinz-Joachim Auferoth am AFG geworden ist, zum Thema positioniert. Schon in Hamm war er an einer entsprechenden Modifizierung der Schulordnung beteiligt gewesen. 

Schüler, Eltern und Lehrervertreter entscheiden gemeinsam

Ein Jahr lang hat er sich die Situation in Werne angesehen. „Ich finde es wichtig, dass wir die Handys aus dem Gebäude loswerden. Wir haben iPads und benutzen die auch, sodass Smartphones gar nicht notwendig sind. Dazu ist es nicht nötig, dem Freund eine Nachricht zu schreiben, dass man gerade Englisch-Unterricht hat“, so Damberg. Wie in Hamm holte er für die Entscheidung Schüler, Eltern und Lehrervertreter an einen Tisch. „Wir haben einen Konsens gefunden, dass in allen Gebäudeteilen der Einsatz von mobilen Geräten verboten ist.“ 

Eine Ausnahme gibt es lediglich für die Schüler der Q1 und Q2, die kein iPad haben. Hier kann das Handy im Unterricht – mit Erlaubnis des Lehrers – für Recherchezwecke genutzt werden. Auf dem gesamten Außengelände sind Handys nicht verboten. „Wir möchten nicht, dass die Lehrkräfte in den Pausen in die Gebüsche kriechen müssen, um zu gucken, ob jemand mit dem Handy spielt“, sagt der Schulleiter. Kinder und Jugendliche, die ihr Mobiltelefon dennoch innerhalb der Schule benutzen, bekommen dieses abgenommen. 

Wer noch nicht 18 Jahre alt ist, muss dann zur Abholung in der Verwaltung Eltern oder Erziehungsberechtigte schicken.

Lesen Sie auch:

Abibälle zu teuer? Werner Abiturienten feiern "bodenständig"

Kein Abi-Gag an Gymnasien: Abiturienten finden's nicht lustig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare