Noch zwei weitere Aufführungen

Gruselmärchen für Erwachsene: "Der kleine Horrorladen" feiert schaurig-schöne Premiere in der Werner Bühne

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Gänsehautmomente, verrückte Zahnärzte und menschenfressende Pflanzen: Das erwartete das Publikum bei der Premiere des „kleinen Horrorladens“ in der Freilichtbühne.

Werne – Eine grauenhaft schöne Kulisse, herrlich fürchterliche Darsteller und furchteinflößend gute Musik machten die Premiere von "Der Kleine Horrorladen" in der Freilichtbühne am Freitagabend zum perfekten "Grusical" für Erwachsene.

Nur noch die Beine von Seymour ragen aus dem Schlund der fleischfressenden Pflanze. Mit einem genüsslichen Schmatzer verschlingt sie den Blumenhändler komplett. Die Zuschauer jubeln. Das schwarzhumorige Musical „Der kleine Horrorladen“ hat den Nerv der 450 Menschen in der Freilichtbühne getroffen.

Anders als bei den Kinderstücken waren zu dieser Premiere am Freitagabend mehrere Sitzreihen frei geblieben. Die Verantwortlichen der Freilichtbühne nahmen das gelassen. „Es ist ja erst das zweite Jahr, in dem wir wieder ein Stück für Erwachsene spielen, das muss sich erst herumsprechen“, sagte Geschäftsführerin Karin Zurstraßen. Zumal sich der Septemberabend zwar trocken, aber recht kühl gab.

Premiere Der kleine Horrorladen auf der Freilichtbühne Werne 

Auf jeden Fall landete die Freilichtbühne mit dem „kleinen Horrorladen“ nach „Schlager lügen nicht“ einen weiteren Treffer in der Sparte für ein erwachsenes Publikum. Kaum waren die letzten Takte des Finales verklungen, brandete kräftiger Applaus auf. Die Menschen erhoben sich von den Bänken; begeisterte Pfiffe und „Bravos“ waren zu hören. Der Ruf nach einer Zugabe ließ nicht lange auf sich warten.

Das Musical ist ein beliebter Klassiker und das Ensemble hatte ihn in liebevoller Detailarbeit umgesetzt. Bevor das Stück überhaupt begann, konnten die Zuschauer in die Atmosphäre eintauchen. Das sonst so propere Bühnenrund präsentierte sich ungewohnt schlampig. Auf dem Rasen stapelten sich wie achtlos hingeworfene Kartons und weiteres Gerümpel; am Eingang wälzte sich ein Penner auf einer Decke. 

Denn die Handlung der Gruselparodie beginnt im heruntergekommenen Viertel einer amerikanischen Stadt. Die Mitglieder der Bühne hatten es an nichts fehlen lassen, um das stilecht umzusetzen – von Graffiti an einem Bühnenhaus bis hin zu Feuerfässern, um die sich die Obdachlosen in der hereinbrechenden Dunkelheit scharrten.

Der größte Aufwand steckte jedoch in der fleischfressenden außerirdischen Pflanze „Audrey II“. Gefüttert mit menschlichem „Blut“, wuchs das trickreiche Gebilde während des Stücks auf das Ausmaß einer überdimensionalen Venusfliegenfalle. In jedem Stadium wurde die Pflanze von einem geschickt verborgenen Darsteller bedient: Björn Ibrahim, Saskia Ibrahim, Franca Neumann und Vivian Zurstraßen rissen das Maul des Monsters auf und bewegten seine krakenähnlichen Blätter.

 Ihre Stimme erhielt „Audrey II“ von Thormen Ehrhardt. Der modulierte mit allen Registern, dröhnte heiser wie ein alternder Rocksänger, plärrte wie ein Baby nach Menschenblut oder verführte Seymours Freundin mit kehligen Untertönen.

Robin Nolting erzählte die Geschichte des schüchternen Angestellten Seymour stimmig, mit fahrigen Gesten, nervösem Hin- und Hergelaufe und dem notwendigen Maß an Einfühlungsvermögen gegenüber seiner Freundin, der echten Audrey. Einem Mädchen, das von allen herumgeschubst wird und das dieser Schikane mit lasziver Schnoddrigkeit zu begegnen versucht.

Wie es wirklich in ihr aussieht, das enthüllte Darstellerin Curly-Sue Hetmann in der berührend-lyrischen Ballade „Irgendwo im Grünen“. In der Rolle des sadistischen Zahnarztes Dr. Orin Scrivello legte Benedikt Stoltefuß einen gekonnt schmierigen Auftritt hin. Szenenapplaus erntete eine seiner Patientinnen, die nach einer Behandlung mit einem Crescendo an schrillen Schreien von der Bühne stürmte.

Eine Besonderheit der Aufführung waren der Live-Gesang und die zweiköpfige Live-Band. Roman D. Metzner und Sabine Ibrahim unterlegten die Handlung mit flotten, eingängigen Beats, groovigen Sounds, verträumten Melodien und gruseligen Vibrations. Den Todeskampf des Zahnarztes – er erstickt hysterisch lachend unter seiner Lachgasmaske – trieben sie genüsslich voran. „Super, das müsst ihr unbedingt noch mal aufführen, dieses Jahr gibt es ja nur vier Termine“, sagte eine Zuschauerin in der Pause begeistert zu Karin Zurstraßen.

Weitere Aufführungen

„Der kleine Horrorladen“ wird noch zweimal gespielt: am Freitag, 13. September, und Samstag, 14. September, jeweils um 19.30 Uhr.

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