Großbaustelle mit System

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Baustelle im Schulzentrum Werne. ▪

WERNE ▪ In der Schule muss alles seine Ordnung haben. Das gilt am Schulzentrum schon, bevor die Glocke zur ersten Stunde der dort vereinten Haupt-, Real- und Sekundarschule läutet. Lange bevor sich die Schüler im Herbst auf den Fluren zurechtfinden müssen, um in ihre Klassen zu gelangen, braucht es auf der Baustelle schon eine ordnende Hand, damit die Handwerker in der größten Baumaßnahme der Stadt Werne die Orientierung behalten.

Während die Kälte draußen die Fertigstellung des Dachs und den Beginn der Fassadenisolierung aufhält, geht es drinnen im Rohbau fleißig weiter. Wer durch die Bautür ins Innere tritt, kann die Winterjacke ablegen. Eine große Bautrockungsanlage sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit aus den Wänden kommt und die Installateure ihre Gewerke erstellen können.

„Der Lüftungsbau ist auf den letzten Metern, Sanitär- und Heizungsinstallation sind in Arbeit“, gibt Wendelin Jücker von der städtischen Bauabteilung einen Zwischenstand. Damit die Arbeiter Wasser, Strom, Lüftung und mehr passgenau installieren, sind die Raumnummern auf die nackten Wände geschrieben. In jedem Zimmer, Flur oder Treppenhaus geben Aushänge Orientierung mit den wichtigsten Angaben wie der Grundfläche.

„Der neue Klassenraumtrakt ist Gebäudeteil A, Aula, Mensa und Verwaltung gliedern sich in drei Bereiche im Trakt B, der Altbau mit den Fachräumen ist Gebäudeteil C“, erläutert Jücker. „Wir stehen in Raum C 108, das wird mal der Physikraum II.“ Dass Übersicht gefragt ist, lassen die unzähligen Kabelenden und -rollen erahnen, die aus kilometerlangem Geflecht von der Decke hängen. Auch die Lüftungskanäle reichen bis in die hintersten Winkel. „Wir bauen hier ein Passivhaus, da muss die Luft überall vollständig umgewälzt werden“, so Jücker. Damit das funktioniert, sind 4 000 Quadratmeter Kastenprofil verlegt worden, dadurch werden im Neubau stündlich 14 000 Kubikmeter Frischluft rauschen, in dem Aula- und Fachtrakt noch einmal je 12 000 Kubikmeter.

Die neuen Fenster aus massivem Holzkonstrukt innen und Alu-Abdeckung außen lassen so zwar viel Licht in die Räume, zum Lüften sind sie aber nicht mehr gedacht. Das Prinzip samt Wärmerückgewinnung aus der Abluft erfordert eine aufwändige Dämmung. Das Gebälk zuoberst ist aus mehr als 220 Kubikmetern Vollholz und Brettschnitt konstruiert. Die Dampfsperre zuunterst darf auf keinen Fall beschädigt werden. „Wir bringen etliche Kilometer Lattung darunter an“, so Jücker, „damit bei der Deckenverkleidung nicht eine Schraube die Folie durchstößt. Da darf es nicht den kleinsten Fehler geben, sonst haben wir später Schwitzwasserschäden.“

Wenn die ersten Schüler kommen, soll so schon für ein angenehmes Schulkilma gesorgt sein. Wann genau das Leben auf die langen Flure einkehrt, ist nach dem Verzug im Rohbau nicht absehbar. Zum Schuljahresbeginn wird das bekanntlich nicht mehr gelingen.

Weiter mag sich Bauingenieur Jücker nicht festlegen „Wir haben Winter, da können sich die Dinge laufend ändern. Gerade heute Nacht ist uns der Wasseranschluss eingefroren. Der Putzer hat kein Wasser.“ Ende Februar gibt’s für die Männer vom Bau einen neuen Stundenplan – es muss ja schließlich seine Ordnung haben. ▪ bkr

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