Sanierung in Lenklar nötig

Gleisproblem in Werne: Weitere Zugausfälle drohen

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So läuft es nicht gut in dem Nadelöhr: Auf der eingleisigen Strecke können sich Züge nur in Bahnhöfen überholen oder begegnen, wie es hier mit der RB 50 nach Dortmund und Münster im Werner Bahnhof geschieht. Der Fernverkehr ist wegen der Schäden am Bahndamm mittlerweile von der Strecke genommen. Das wollen die beiden Großstädte nicht länger hinnehmen, weil sie von etlichen Verbindungen abgehängt sind.

Werne - Wie geht es weiter mit der aufwändigen Reparatur der Schäden am Bahndamm in Lenklar? Möglicherweise droht eine monatelange Vollsperrung der Strecke zwischen Dortmund und Münster.

Von den Problemen auf der eingleisige Bahnstrecke Dortmund-Münster haben nicht nur Wernes Pendler genug, sondern nun auch die beiden Großstädte, die das Nadelöhr verbindet. Sie haben infolge der Gleisschäden überregionale Anschlüsse im DB-Netz verloren, die ausstehende Reparatur lässt monatelange Ausfälle im Nahverkehr befürchten. Ein „Bahngipfel“ soll klar machen, welchen Preis die Region für den Missstand zahlt.

Dafür wollen sich die beiden Großen nach Informationen des Westfälischen Anzeigers mit den Kleinen auf halber Strecke treffen. In Werne sollen die Bürgermeister der Anrainerstädte mit demonstrativem Schulterschluss einfordern, dass zügig saniert und dabei auch gleich der zweigleisige Ausbau in den Blick genommen wird.

Aus dem Stadthaus gibt es dazu noch keine Bestätigung, aber auch kein Dementi. Man befinde sich in der Abstimmung, eine offizielle Presseeinladung sei in Vorbereitung, erfuhr der WA nur auf inoffiziellen Kanälen.

Die Deutsche Bahn hat indes auf Anfrage mitgeteilt, sie werde voraussichtlich Anfang April erklären können, wie sie die aufwändige Reparatur der Schäden am Bahndamm in Lenklar und zwischen Ascheberg und Davensberg angehen will. Dort sind im vergangenen Jahr Gleislageschäden aufgetreten, die den Schienenverkehr großräumig aus dem Takt gebracht haben.

Das Problem traf nicht nur die Pendler in der RB 50 der Eurobahn, die wegen des Tempolimits an den Schadensstellen monatelang erhebliche Zugausfälle und Verspätungen über sich ergehen lassen mussten. Erst im Dezember waren die Setzungen im Gleis durch Betoneinspritzungen für eine Millionen Euro soweit korrigiert, dass der Nahverkehr mit angepasstem Fahrplan wieder im Takt war. Dafür musste der Fernverkehr von der wichtigen Nord-Süd-Achse genommen werden. Das hat Dortmund und Münster in einem Maße Anschlüsse im DB-Netz gekostet, das die Stadtoberhäupter offenbar nicht länger hinnehmen wollen.

Vom Ausfall gut der Hälfte der Verbindungen via Dortmund-Münster Richtung Bremen/Hamburg sprechen Bahnkenner. Das schmerze die Großen mindestens so sehr, wie die Kleinen das Malheur im Nahverkehr. Zumal die Reparatur der Schäden am Gleis – auf 3,2 Kilometer Länge in Werne und 3,7 Kilometer hinter Ascheberg – diesen Einschätzungen zufolge einem Neubau gleichkomme. Das schürt die Sorge, dass während der monatelangen Bauzeit dort gar kein Zug mehr verkehren kann.

In Werne weiß man das nur zu gut. Als Anfang der 1990er der Bahndamm in Lenklar ins Rutschen gekommen war, mussten die Pendler für lange Zeit auf den Ersatzbus umsteigen. Das Problem: Für den Bau sind in den 1920er-Jahren tonhaltige Böden herangeschafft und aufgeschüttet worden, die bei Wasserentzug zusammenschrumpfen. So hat es dem Vernehmen nach im Dürre-Sommer 2018 in Werne dieselbe Stelle wieder erwischt

Das legt nahe, das Bauwerk von Grund auf zu erneuern. Aus Sicht der Anrainerkommunen am Besten gleich so, dass der Bau des zweiten Gleises erfolgen kann. Dafür müssten aber zuerst in Berlin die Signale auf Grün gestellt werden. Das Bundesverkehrsministerium hat den zweigleisigen Ausbau zwar im Herbst wieder in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 hochgestuft, sich bisher aber beharrlich darüber ausgeschwiegen, wann mit dem Geld für die nächsten Schritte zu rechnen ist.

Dass für 302 Millionen Euro 30 Kilometer zweites Gleis von Werne bis Münster gebaut werden sollen, wie es aus anderen Quellen hieß, ist von Bund und Bahn nicht mal bestätigt. So ist noch offen, was mit der 2008 vom Land mit fünf Millionen Euro vorfinanzierten Vorplanung schon erreicht ist. Reichlich Gesprächsstoff also für einen Bahngipfel in Werne.

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