Aus der Geschichte des Radfahrens in Werne

1924 waren beim Straßen-Rennen in Werne Fahrräder und Motorräder zugelassen.

WERNE -  Die Begeisterung für das Radfahren als Freizeitbeschäftigung und zur sportlichen Ertüchtigung hat in Werne eine lange Tradition. Das ist den aktuellen Nachrichten aus dem Stadtarchiv „Das Fahrrad in Werne 1898 - 2014“, die nun herausgegeben worden sind.

So wurde am 6. April 1913 ein Radrennen von „Dortmund-Münster-Dortmund“ durchgeführt, das über Langern auch an Werne vorbeiführte, wie Archivarin Susanne Maetzke herausfand. Allerdings handelte es sich nicht tatsächlich um ein Rennen, sondern um ein so genanntes „Wertpreisfahren“. Patrouillen sollten die Teilnehmer im Auge behalten und ein „Wettfahren“ verhindern. „Ob das funktioniert hat, bezweifle ich“, sagt Stadtarchivarin Susanne Maetzke. Keinen Zweifel hegt dagegen daran, dass im katholischen Münsterland eine Großveranstaltung am Sonntag nicht gern gesehen war. So stieß die Archivarin denn auch auf Beschwerden seitens der Kirche, weil der 10 Uhr-Gottesdienst durch lärmende Schaulustige des Wettfahrens gestört worden sei.

Zur Zeit des 1. Weltkriegs zwischen 1914 und 1918 hatten es Fahrradfahrer nicht leicht. Der Fahrradverkehr wurde stark eingeschränkt. Fahrradreifen waren als Rohstoff-Lieferant gefragt. Beschlagnahmte Bereifungen wurden zum Beispiel einer Gummiwarenfabrik in Harburg oder einer Kautschuk-Abrechnungsstelle zuzuführen.

Wer sein Fahrrad weiterhin benutzen wolle, musste dies bei der Polizeiverwaltung beantragen. Anfang August 1916 wurden im Kreis Lüdinghausen 293 Radfahrkarte durch das VII. Armeekorps genehmigt. 84 Anträge waren abgelehnt worden, 30 Antragsteller mussten ihr Gesuch näher begründen. Der Besuch der Kirche reichte als Begründung übrigens nicht aus.

In den Archivalien und Dokumenten entdeckte Susanne Maetzke auch einen etwas merkwürdigen Sportwettbewerb ausgerichtet vom Werner Turnverein. An zwei „Werbe-Stafette Rund um Werne“ am 1. August und 11. September 1926 nahmen Läufer, Schwimmer, Reiter und eben auch Radfahrer teil. Start und Ziel war der Marktplatz „Unklar ist, ob jeder Teilnehmer alle Disziplinen absolviert hat und wer die Pferde zur Verfügung stellte“, so Maetzke. Bei einer der beiden Stafetten waren außerdem Motorradfahrer mit von der Partie. Geschwommen wurde übrigens durch einen Teil der Lippe.

Wer mehr über die Geschichte des Fahrrades in Werne von 1898 bis heute erfahren möchte, erhält die aktuelle Ausgabe der Nachrichten aus dem Stadtarchiv im Rahmen des Bundesradsporttreffens im zentralen Veranstaltungsbüro im St. Christophorus-Pfarrheim für 3,90 Euro. - sh

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