RWE gibt Gersteinwerk Gnadenfrist bis 2019

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Der Ofen geht am Gersteinwerk erst 2019 aus.

[UPDATE 18.30 Uhr] Stockum - Gnadenfrist fürs Gersteinwerk: Die zum 1. April 2017 als unumstößlich angekündigte Stilllegung des Kohleblocks wird um zwei Jahre verschoben.

Nun soll der letzte noch betriebene Anlagenteil des Kraftwerks im ersten Quartal des Jahres 2019 endgültig abgeschaltet werden. Das hat der Vorstand des RWE-Konzerns am Mittwoch entschieden.

Der Versorger habe vorgezogene Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt, die ein günstigeres Bild ergäben, teilte RWE-Sprecher Guido Steffen über die Hintergründe der Entscheidung mit. Nach den neuen, eigentlich 2017 vorgesehenen Berechnungen ließe sich der Weiterbetrieb rechtfertigen, bis Anfang 2019 turnusgemäß die nächste Revision des Kohleblocks anstehe. Diese Investitionen in Millionenhöhe sei bei der sinkenden Rentabilität des Steinkohlekraftwerks dann aber nicht mehr wirtschaftlich, so der Sprecher.

RWE hatte die Stilllegung nach dem ersten Quartal 2017 damit begründet, dass der 1984 als modernster in Europa in betrieb genommene Block K wegen der sinkenden Erträge an der Strombörse endgültig in die roten Zahlen rutsche. Dabei war ein Verlust von ca. zwei Millionen Euro für das weitere Jahr 2017 prognostiziert worden. Die Gasblöcke sind schon eingemottet worden, weil mit ihnen kein Geld mehr zu verdienen ist. Zudem hat der RWE unter dem Einfluss der Verwerfungen durch die Energiewende beschlossen, sich von der Steinkohle als Energieträger generell zu verabschieden.

Daran hatten auch die Proteste der Belegschaft und der Gewerkschaft Verdi nichts ändern können. Im Dezember 2014 wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kraftwerksleitung, des Personalressorts und des Betriebsrates eingesetzt, die in diesem Jahr Modelle für einen sozialverträglichen Personalabbau entwickeln sollte. Konkret wurde das aber nicht.

RWE-Sprecher Steffen nannte die Vorstandentscheidung nun „eine gute Nachricht für die Belegschaft“. Die wisse jetzt, woran sie ist. Derzeit seien 186 Beschäftigte im Gersteinwerk tätig, ob diese Zahl bis zum Aus in dreieinhalb Jahren Bestand hat, konnte er nicht sagen. Es werde an einem Sozialplan gearbeitet. Werksleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft waren gestern nicht mehr zu erreichen. Offen blieb auch, wodurch sich die Ertragslage des Kraftwerkes verbessert.

Öffentlich benannt ist aus der Diskussion um den Erhalt des Kraftwerks nur ein Aspekt: Der Betriebsrat hat gefordert, am Gersteinwerk einen Phasenschieber-Transformator zu installieren, weil das einen zusätzlichen Vertriebsweg eröffne und so die Bilanz verbessere. Im Juli wurde bekannt, dass der Konzern diese Investition trotz Stilllegungsbeschluss noch tätigt. Das Gerät soll im Oktober installiert werden, um von den 620 Megawatt Erzeugungsleistung, die bisher nur in das 380-Kilovolt-Netz flossen, bis zu 300 MW ins 110-KV-Netz einzuspeisen. Das ändere nichts an der generellen Bewertung des Standortes hieß es noch im Juli.

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