Richter legt ihm Therapie an's Herz

Weil er stockbetrunken einen falschen Notruf abgesetzt hat: Werner muss Strafe zahlen

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Werne - Wegen eines falschen Notrufs ist ein 64-jähriger Werner am Mittwoch vom Amtsgericht Lünen zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt worden. Da der Mann zur Tatzeit völlig betrunken war, legte ihm der Richter eine Therapie ans Herz.

Es war eine Schnapsidee im wortwörtlichen Sinne, die einen Mann aus Werne im Herbst dazu verleitete, einen Notruf zu tätigen, obwohl weder er noch sein Umfeld Hilfe benötigten. Missbrauch von Notrufen wurde dem 64-Jährigen nun in einem Prozess vor dem Amtsgericht Lünen zur Last gelegt. Dort zeigte er sich einsichtig. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt der Werner die Justiz regelmäßig. Er wurde unter anderem bereits wegen Diebstahls, Körperverletzung oder Straßenverkehrsdelikten verurteilt. Am Abend des 16. September sorgte er dafür, dass ein weiterer Eintrag im Strafregister dazukommen wird.

Putzmunter trotz 2,3 Promille

Vom Telefonanschluss seines Nachbarn aus wählte er die 112 und behauptete unzutreffend, dass sich in seiner Wohnung eine hilflose Person befinde. Rettungskräfte rückten aus und stießen lediglich auf den 64-Jährigen, der zwar 2,3 Promille intus hatte, aber ansonsten putzmunter war. Betreten erschien der Mann zur Verhandlung und legte sofort die Karten auf den Tisch: „Ja, gebe ich zu. Ich habe Mist gebaut.“ 

Er habe mit zwei „Kollegen“ Wodka und Bier getrunken. Das Telefon des Nachbarn habe er benutzt, weil er in seinem Zustand nicht mehr in der Lage gewesen sei, sein eigenes Handy zu bedienen. Richter Ulrich Oehrle brachte es auf den Punkt: „Das ist wirklicher Mist.“ In der Zeit, als die Rettungskräfte grundlos ausgerückt seien, hätte es einen echten Notfall geben können, bei dem ein Mensch hätte sterben können. Mit Blick auf das Register des Angeklagten und darauf, dass bei vielen Taten Alkohol eine Rolle spielte, fragte er, ob der Werner nicht einmal eine Therapie machen wolle.

Strafmilderndes Geständnis

Doch der winkte ab und beteuerte, gar nicht so viel zu trinken. „Irgendwann landen Sie doch im Gefängnis wegen so eines Blödsinns“, lautete die Warnung des Richters. Sein Gegenüber entschuldigte sich nochmals für den Anruf und erklärte, dass er nicht erneut vor Gericht stehen wolle. Geständnis und Einsicht sprachen letztlich für ihn. Strafverschärfend mussten sich die zahlreichen Vorbelastungen auswirken. Für den Werner endete der Fall diesmal mit 300 Euro Geldstrafe und einem Appell von Richter Ulrich Oehrle: „Machen Sie keinen Mist mehr. Vielleicht sollten Sie doch über eine Therapie oder Ähnliches nachdenken. Mit Alkohol passieren die tollsten Sachen.“

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