10 Unfälle in drei Jahren

Für mehr Sicherheit: Stadt Werne kündigt Veränderungen bei Gefahrenstellen an

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Die 2016 eingerichtete Fahrradfurt ist eine der beiden neuen Gefahrenstellen in Werne.

Werne - Nachdem die Unfallkommission des Kreises Unna zwei neue Gefahrenstellen in Werne ausgemacht hat, liegt der Ball nun im Feld der Stadt.

In der Verwaltung gibt es auch schon konkrete Ansätze, wie die Gefahr am Stadthaus und an der Kreuzung Münsterstraße/Bahnhofstraße/Konrad-Adenauer-Platz möglichst schnell gebannt werden kann.

Ganz so leicht zu erklären ist es nicht, warum an den beiden besagten Stellen „vermehrt“ Unfälle passieren. Genug Verkehrsschilder sind jedenfalls vorhanden. Und die Markierungen auf der Fahrbahn sind auch klar zu erkennen. Woran liegt es also? Und welche Präventionsmittel helfen?

Die Häufung der Unfälle am Fußgängerüberweg vor dem Stadthaus könnte nach Ansicht der Verwaltung mit einer Änderung der Verkehrsführung im Jahr 2016 zusammenhängen. Damals wurde neben dem „Zebrastreifen“ für Fußgänger auch eine sogenannte Fahrradfurt eingerichtet. „Bei solchen Übergängen sind Fahrradfahrer eigentlich verpflichtet, abzusteigen. Da halten sich aber die Wenigsten dran“, sagt Adrian Kersting vom Dezernat für Straßen und Verkehr.

Jeder will sein Recht durchsetzen

Autofahrer seien zudem an dieser Stelle teilweise überfordert oder unaufmerksam, weil an dem belebten Platz so viel passiere. „Da kann man schon einmal etwas übersehen“, sagt Kersting. Auch die Mentalität so mancher Verkehrsteilnehmer macht er für die Häufung der Unfälle verantwortlich: „Jeder hat mittlerweile den Anspruch, sein Recht durchzusetzen. Der Schwächere verliert dann.“

Die erste – und wohl einfachste – Devise zur Verhinderung weiterer Unfälle lautet: Den Verkehr ausbremsen. Über eine Reduzierung der Geschwindigkeit von aktuell 30 Kilometern in der Stunde müsse nachgedacht werden. Auch Aufpflasterungen seien eine Option zur Verkehrsberuhigung. Darüber hinaus soll die Beschilderung überprüft werden. „Die Warnzeichen könnte man ein Stückchen vorziehen, sodass die Autofahrer eher aufmerksam sind.“

Was von den Maßnahmen, die jetzt im Raum stehen, auch tatsächlich realistisch umsetzbar ist, sei auch stark von den Kosten und dem Aufwand für die Unterhaltung abhängig. Eine Entscheidung ist deshalb noch nicht gefallen.

Bis 2021: Warten auf den Kreisverkehr

Bei der nur 120 Meter entfernten Kreuzung sieht das anders aus. Im Rahmen des Projekts „Werne neu verknüpft“ und dem damit verbundenen Rückbau der Bundesstraße 54 dürfte sich dieser Bereich in einigen Monaten „ohnehin beruhigt habe“, so die Einschätzung Kerstings. Im Jahr 2021 soll ein neuer Kreisverkehr entstanden sein. „Deshalb müssen wir gucken, was wir jetzt machen. Die Maßnahmen werden nicht überhandnehmen“, erklärt Kersting. Dennoch: Die Ampelanlage soll in Kürze überprüft, ältere, sehr schwache Leuchten zudem durch moderne LED-Technik ausgetauscht werden. „Wenn wir mehr machen, wären das unsinnige Kosten, um die Kreuzung für nur zwei Jahre komplett zu erneuern“, so Kersting.

Die Kreuzung Münsterstraße/Bahnhofstraße/Konrad-Adenauer-Platz.

Dass ein Kreisverkehr nicht zwangsläufig zur Verkehrsberuhigung beiträgt, zeigt das Beispiel der Kreuzung Capeller Straße/Ottostraße/Am Bahnhof. Dort kam es Anfang des Jahres binnen weniger Tage zu drei Unfällen, bei denen Radfahrer unter die Reifen von Pkw kamen. Polizei und Verwaltung bekundeten, dieses Problem angehen zu wollen (der WA berichtete).

Radfahrer ärgern sich über abrupt endende Zweirad-Spuren, die direkt in den Kreisverkehr führen. Autofahrer monieren, dass Radler mit zu hoher Geschwindigkeit in den Kreisel einbiegen, dessen Mittelinsel im Notfall einfach überfahren werden kann.

Die Fahrradspuren enden vor dem Kreisverkehr.

Kersting: "Das war keine vernünftige Lösung"

Kersting – der bei einem Ortstermin im Januar dabei war – spricht aus diesem Grund auch nur von einem „angedeuteten Kreisverkehr“. „Wir sind mit der Situation absolut nicht zufrieden“, sagt er und ergänzt: „Die Pkw fahren ebenfalls viel zu schnell.“ Weil es sich aber um eine Kreisstraße handele, seien der Stadt an diesem Knotenpunkt, den die Unfallkommission im Übrigen nicht als Gefahrenstelle benannt hat, die Hände gebunden. „Wir sind in Gesprächen mit dem Kreis Unna und untersuchen parallel, ob der Kreisverkehr noch aufrechterhalten werden muss. Das war keine vernünftige Lösung, diese Kreuzung aufzugeben“, erklärt Kersting das weitere Vorgehen.

Ob Gefahrenstelle oder nicht. Solche Feststellungen haben nicht zwangsläufig verpflichtende Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zur Folge. Dass nichts passiert, sei allerdings keineswegs das Ziel der Verwaltung, beteuert Kersting. „Sonst würde der Kreis Unna sobald etwas passiert sagen: ,Wir hatten das auf der Agenda, die Stadt Werne wollte dort aber nichts tun.‘“ Und das will sich bei der Stadt natürlich niemand nachsagen lassen. Deshalb ist zumindest am Fußgängerüberweg am Stadthaus in den kommenden Monaten mit baulichen Veränderungen zu rechnen.

Im Januar passierten hier in kurzer Abfolge drei Unfälle.

Der Bewertungszeitraum, den die Unfallkommission für ihre Untersuchung anlegt, sind drei Jahre (2016-2018): An der Kreuzung Münsterstraße/Bahnhofstraße/Konrad-Adenauer-Platz haben sich in dieser Zeit fünf Unfälle mit Pkw-Fahrern und Radfahrern als Beteiligten ereignet. Bei einem verletzten sich zwei Personen schwer. Im März 2018 hatte ein Radler die B 54 zwischen Bahnhofstraße und Konrad-Adenauer-Platz überquert und wurde von einem Opel Corsa frontal erfasst, der in Richtung Steintor unterwegs war. Bei anderen Unfällen gab es an dieser Stelle vier Leichtverletzte. Am Fußgängerüberweg kam es im gleichen Zeitraum ebenfalls zu fünf Unfällen mit Pkw, Radfahrern und Fußgängern. Dabei wurde eine Person leicht verletzt.

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