Freifunk in der Innenstadt

Warum die Stadt Werne auf 15.000 Euro an EU-Geldern verzichtet 

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Auch Gewerbetreibende in der Innenstadt bieten Freifunk an.

Werne – Zum Aufbau eines Freifunk-Netzes in der Innenstadt hat Werne 15.000 Euro aus dem EU-Förderprogramm WiFi4EU bewilligt bekommen. Das Geld soll jedoch nicht abgerufen werden.

Zum einen führt die Inanspruchnahme zu Folgekosten in Höhe von 30.000 Euro in drei Jahren, zum anderen lassen sich laut Stadt viele offene Fragen zum Programm schlicht nicht klären. Bürgermeister Lothar Christ sprach in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses von einem „grauenhaften Support“, obwohl es eine eigene Hotline zum Förderprogramm gebe. WiFi4EU habe sich „als Bonbon“ gezeigt, aber dann „als faule Kartoffel“ erwiesen.

Große Teile der Innenstadt abgedeckt

Mit dem Verzicht auf die 15 000 Euro kann die Stadt auch deshalb gut leben, weil der Freifunk hier recht gut verbreitet ist. „Mehr als die Hälfte der Hauptfrequenz-Plätze in der Innenstadt sind abgedeckt“, schilderte Wirtschaftsförderung Carolin Brautlecht in der Sitzung. Auch die Stadt Werne bietet Internetzugänge für jedermann an – etwa am Alten Rathaus sowie an der Tourist-Info. Seit mehr als zwei Jahren steht unter anderem auch in der SPD-Geschäftsstelle am Roggenmarkt ein Freifunk-Router.

Ob das vorhandene Netz im Zuge von WiFi4EU förderschädlich wäre, sei eine der Fragen, die noch nicht habe geklärt werden können, betonte Brautlecht. Ihr Vorschlag, den Freifunk (freifunk-werne.de) weiter zu unterstützen, traf bei den Ausschussmitgliedern auf einhellige Zustimmung.

Kopfschütteln in der Politik

Mit den 15 000 Euro hätten den Angaben nach zehn Router mindestens drei Jahre lang betrieben werden müssen. Im Ausschuss kamen zumindest Zweifel auf, ob solch Angebot nach Aufbau des 5G-Mobilfunk-Netzes spätestens 2021 überhaupt noch angenommen werde. Der Idee, einen freien Internetzugang über eine Richtfunkanlage auf dem Dach des Stadthauses zu ermöglichen (hierfür liegt das Angebot einer Firma aus Lünen vor), wurde auch angesichts der Kosten verworfen. Teile der Innenstadt wären dann auch doppelt versorgt, hieß es.

Die schlechte Unterstützung bei der Inanspruchnahme des EU-Programms rief im Ausschuss Kopfschütteln hervor. Nur wenig Verwunderung kam auf, als Michael Zurhorst (CDU) darauf hinwies, dass das Freifunk-Netz ausgerechnet in dem Bereich der Steinstraße Lücken aufweist, in dem vermehrt Telekommunikationsanbieter angesiedelt sind.

Laut Christ wurde bereits darauf verzichtet, mögliche Folgekosten aus WiFi4EU in den Doppelhaushalt 2020/2021 einzustellen. Ganz abmelden vom Programm wolle man sich aber nicht.

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