Feldmanns Riesenrad dreht sich auf der Maikirmes

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Das 92 Jahre alte Riesenrad der Familie Lotte ist ein echter Hingucker auf der Werner Maikirmes. ▪

WERNE ▪ Runde 92 Jahre hat es auf dem sprichwörtlichen Buckel und dreht sich flott wie eh und je – so jetzt auch der Werner Maikirmes: „Feldmanns Riesenrad“, das seit neun Jahren im Besitz von Jörg und Gabriele Lotte und deren ganzer Stolz ist.

Mit Recht, denn kein zweites Riesenrad aus dem vorigen Jahrhundert präsentiert sich derart authentisch gepflegt und damit rundum so nostalgisch wie das Rad der Lottes, das ursprünglich von der Düsseldorfer Schaustellerfamilie Bruch erbaut und lange Jahre von den Großeltern der heutigen Besitzer namens Feldmann betrieben wurde.

Vor einigen Jahren noch wurden Nostalgie-Fahrgeschäfte sowohl von der Branche als auch von den Kirmesbesuchern mitleidig betrachtet, das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Heute genießt man die Fahrt in Riesenrädern wie diesem wieder ganz besonders, zumal schon die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern der heutigen jungen Generation dies bis Ende der 1950er Jahre taten. Erst dann kamen nach und nach die heute gebräuchlichen großen Riesenräder mit über 50 Metern Höhe heraus, von denen seit Jahren auch eines zum Stamm von Sim-Jü gehört. Für die Maikirmes, auf der letztmalig Ende der 1950er Jahre ein ähnliches Rad gastierte, ist Feldmanns „Altdeutsches Riesenrad“ auf jeden Fall eine Bereicherung. Nicht zuletzt auch, weil die Fahrt damit wegen des deutlich geringeren Radius bei sieben Umdrehungen pro Minute dieses ganz besonderes Kribbeln im Bauch erzeugt, das man nur von den alten Riesenrädern kennt

Jörg Lotte und seine Männer brauchen zwei Tage zum Aufbau des Rades, das zu 90 Prozent konventionell – also von Hand – aufgebaut wird. Dabei bestehen alle statischen Teile des Fahrgeschäftes von 1918 – insbesondere die mächtigen Böcke – aus Holz. Das Rad selbst sowie Gondeln und Drehkranz sind natürlich aus Eisen, und die schwere massive Welle, um die sich alles dreht, wird mit Hilfe eines kleinen Hydraulik-Krans an ihren Platz in luftiger Höhe gehievt. Am Dienstag begannen Jörg Lotte und sein Sohn Alex mit zwei weiteren Mitarbeitern, von denen einer schon 30 Jahre beim Riesenrad ist und jedes Bauteil des Geschäftes wie seine Westentasche kennt, mit dem Aufbau.

Besonderes Augenmerk dürften die Gemälde in der Frontbemalung bei den Besuchern der Maikirmes wecken. Die sind immerhin auch schon 72 Jahre alt und wurden erst kürzlich von einem Spezialisten sorgfältig restauriert. Apropos Beleuchtung: Halogen- oder gar LED-Leuchten haben trotz ihres Einsparpotentials keine Chance bei den Lottes. Stattdessen werden für Beleuchtung und Deko nach wie vor herkömmliche Lampen in Birnenform verwendet, die zudem auch noch von Hand eingefärbt sind, wie dies früher grundsätzlich üblich war.

Und zum Starten des 13 Meter hohen Rades wird wie zur Gründerzeit ein Wasseranlasser verwendet, durch den die Elektromotore des Rades besonders weich in Gang gesetzt werden.

Wenn Jörg Lotte von seinem Riesenrad und den jährlich über 30 Stationen, die er anfährt, erzählt, liegt Glanz in seinen Augen. Mit Recht können er und seine Frau Gabriele stolz sein auf ihr volksfestgeschichtliches Kleinod. „Wenn ich sehe, wie die Besucher staunend vor unserem Riesenrad stehen bleiben oder nach einer Fahrt rundum fröhlich aus den Gondeln steigen, dann ist mir die harte körperliche Arbeit, die mit dem Betreiben eines solchen nostalgischen Geschäftes verbunden ist, nie zuviel“, so Jörg Lotte. ▪ sjv

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