Zusammenarbeit mit Werner Schulen geplant

Erzählen gegen das Vergessen: Verein möchte Menschen zu "Zweitzeugen" machen

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Der Verein Heimatsucher setzt sich dafür ein, dass Geschichten der Holocaust-Überlebenden über ihren Tod hinaus weiterleben.

75 Jahre ist die Auschwitz-Befreiung her. Noch können Zeitzeugen von den Gräueltaten der Nationalsozialisten berichten. Doch ihre Zahl wird weniger. Der Verein Heimatsucher setzt sich dafür ein, dass ihre Geschichten über ihren Tod hinaus weiterleben. Jetzt stellte der Verein, der auch eine Vernetzung in Werne anstrebt, seine Arbeit vor.

Werne – Vanessa Eisenhardt, didaktische Leiterin, Lena Hartmann, seit zwei Jahren bei den Heimatsuchern, und Marina Kauffeldt, die seit sechs Jahren dazu gehört, erzählten am Holocaust-Gedenktag im Alten Rathaus von den Visionen des Vereins. Der möchte möglichst viele Menschen zu „Zweitzeugen“ machen. „Wir besuchen Überlebende der Schoah, führen Interviews mit ihnen, um ihre Lebensgeschichte weiter zu erzählen“, sagte Eisenhardt. 

Mit den Interviews einher gehen nicht nur Porträtfotos, die mit der Lebensgeschichte der Überlebenden in einer Wanderausstellung zu sehen sind. Die Ehrenamtler besuchen auch Schulen und berichten dort von den Geschichten der Verfolgten. „So werden alle, die ihre Geschichten hören, zu Zweitzeugen, die ihrerseits die Geschichten weitererzählen können, sodass sie nicht in Vergessenheit geraten.“ 

Von der Kindheit bis zum Leben nach der Verfolgung

Auch die rund 40 Besucher des Infoabends verwandelten sich zu Zweitzeugen: Marina Kauffeldt erzählte die Lebensgeschichten von Eva Weyl und Rolf Abrahamson, die den Holocaust überlebten. Bei ihren Erzählungen beschränken die Vereinsmitglieder sich nicht auf die Nazi-Zeit. Sie erzählen von der Kindheit der Zeitzeugen ebenso wie von dem Leben nach der Verfolgung. 

Die Ziele des Vereins Heimatsucher stellten (v.l.) Marina Kauffeldt, Lena Hartmann und Vanessa Eisenhardt in Werne vor.

Um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und ihnen eine Stimme zu geben. „Viele Überlebende haben einen Schutzwall aus Schweigen um sich herum aufgebaut und bis heute nicht wieder angefangen, über ihre traumatischen Erlebnisse zu reden“, sagte Eisenhardt. Dennoch würden sie immer wieder von ihren Erinnerungen überwältigt.

37 Zeitzeugen hat der Verein bisher interviewt und mit den Erzählungen fast 7700 Schüler erreicht. Dass denen die Berichte nahe gehen, belegen die Briefe, die sie den Zeitzeugen anschließend schreiben können. „Das sind Briefe voller Empathie“, betont Eisenhardt. 

Zusammenarbeit mit Werner Schulen

Solche Briefe können im nächsten Jahr möglicherweise auch Werner Schüler schreiben. Denn Marlies Schmid-Goßheger vom Kulturbüro plant eine Zusammenarbeit mit dem Verein Heimatsucher. „Wir streben eine Zusammenarbeit an“, so Schmid-Goßheger. 

Geplant sei, die Wanderausstellung des Vereins zum Holocaust-Gedenktag 2021 in Werne zu zeigen – angereichert mit Projektarbeiten der Werner Schüler. Den Schulleitern habe sie die Idee bereits vorgestellt: „Die Rückmeldungen waren durchweg positiv.

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