Erste Klima-Demo in Werne

Gruppe „Parents for Future“ rechnet mit bis zu 250 Protestlern

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Wie lässt sich der ökologische Fußabdruck verkleinern? Auch darum wird’s gehen bei der Demonstration für mehr Klimaschutz in Werne am Freitag, 20. September.

Werne - In Werne findet am Freitag erstmals eine Demonstration für mehr Klimaschutz statt. Die Ortsgruppe „Parents for Future“ organisiert den Protest und hofft auf bis zu 250 Teilnehmer. Weltweit treten am 20. September Menschen in den Klima-Streik.

Die Demo beginnt um 12 Uhr auf dem Solebad-Parkplatz „Am Hagen“. Von dort geht es über den Roggenmarkt (wegen des Wochenmarkts nicht über den Marktplatz) zum Stadthaus, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Laut Veranstalter haben bereits Vereine, Gruppen, Kitas und Grundschulen ihre Unterstützung zugesagt. Man sei „ sehr zuversichtlich, ein alarmierendes, aber positives Signal in Richtung der Werner Bürger und Politiker senden zu können“ und die Forderung zu unterstreichen, sich deutlich intensiver mit der Klimakrise und seinen Folgen zu befassen.

„Klimaschutz ist eine Menschheitsaufgabe“

Über Werne hinaus werde in mehr als 360 anderen Kommunen in Deutschland demonstriert, heißt es in einer Mitteilung der Parents-for-Future-Ortsgruppe. Die Vorbereitungen in der Lippestadt verliefen konstruktiv. Der Kontakt zu den Behörden, die die Demo genehmigt hätten und absicherten, sei „außerordentlich gut“.

Andreas Drohmann, der die Demonstration angemeldet hat, sagt: „Ich telefoniere aktuell häufiger mit Kita- und Schulleitungen, der Verwaltung und der Polizei als mit meiner Familie.“ Für ihn sei es „eine Menschheitsaufgabe, den Klimawandel zu stoppen“. Nichts zu machen, sei „keine Alternative“.

Veranstalter wollen auch Kinder und Jugendliche ansprechen

Die „Parents for Future“ haben sich im Zuge der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung organisiert. Die hiesige Ortsgruppe sieht es nach eigenem Bekunden auch als ihre Aufgabe an, Kindern und Jugendlichen „den Weg frei zu machen“ für ihren Protest. Insofern werde außerordentlich bedauert, dass die Werner Schüler aus rechtlichen Gründen vermutlich nicht am Klima-Streik teilnehmen könnten, ohne Sanktionen zu erwarten, heißt es.

Die Bezirksregierung Arnsberg weist auf Anfrage darauf hin, dass zunächst Schulpflicht für alle Schüler bestehe. Gleichwohl sei es den einzelnen Schulen überlassen, sich im Zuge des Unterrichts etwa mit dem Klimawandel zu befassen und dabei auch „außerschulische Lernorte“ aufzusuchen.

„Unentschuldigtes Fehlen wird auf dem Zeugnis dokumentiert“

In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Zivilgesellschaftliches Engagement und demokratisches Handeln von Schülerinnen und Schülern sind zu begrüßen. Politische Bildung, die Gestaltung von Schulkultur und Demokratiepädagogik sind wichtige Aufgaben von Schule.“

Es heißt aber auch: „Die Teilnahme an Schülerstreiks während der Unterrichtszeit darf nicht auf Kosten des Schulbesuchs gehen und ist daher unzulässig. Eine Verletzung der Schulpflicht kann ... zur Überwachung der Schulpflicht verschiedene erzieherische Maßnahmen nach sich ziehen. Unentschuldigtes Fehlen wird auf dem Zeugnis dokumentiert.“

Drohmann würde sich nach eigenen Worten wünschen, dass sich gleich doppelt so viele Teilnehmer vorm Stadthaus einfänden wie angemeldet. Die Reaktionen aus den Schulen seien zuletzt aber ein wenig ernüchternd gewesen. Positive Signale habe es vor allem aus dem Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg sowie aus der Wiehagenschule gegeben.

Berufskolleg zeigt Ausstellung

Das Werner Berufskolleg bereitet für Freitag eine Ausstellung mit Arbeiten vor, die in verschiedenen Bildungsgängen mit Blick aufs Klima entstanden sind. Die Demonstrierenden könnten bei ihrem Marsch hier Halt machen, sagt Schulleiter Helmut Gravert. Ob Kolleg-Schüler an der Demo teilnehmen oder eventuell nach Schulschluss an der Abschlusskundgebung, wisse er nicht.

Für das Christophorus-Gymnasium sagt Schulleiter Thorsten Schröer, dass er nicht wisse, ob Schüler am Freitag dabei seien. Wer demonstrieren wolle, müsse dies selbst verantworten. Aus seiner Sicht sei es grundsätzlich sinnvoller, sich im Unterricht und in AGs mit den Themen Umwelt und Klima auseinanderzusetzen, was auch geschehe, als „einfach auf die Straße zu gehen“ oder in Aktionismus zu verfallen.

Mikroprojekte zur Müllvermeidung am AFG

Die Organisatoren der Demo seien nicht auf seine Schule zugekommen, berichtet Schröer. Anders habe es sich am Anne-Frank-Gymnasium verhalten, sagt dessen Schulleiter Marcel Damberg. Allerdings sei die Anfrage derart kurzfristig eingegangen, dass keine Möglichkeit bestanden habe, das Ereignis in den Unterricht einzubetten. Gleichwohl werde das Thema Klimaschutz auch am AFG aufgegriffen. Zusammen mit der Schülervertretung und der Fachschaft Biologie seien Mikroprojekte geplant, die unter anderem zum Ziel hätten, den Müll an der Schule zu verringern.

„Global denken, regional handeln“ sei mit Blick auf die Erderwärmung vonnöten, betont Damberg. Wie am Christophorus-Gymnasium, so habe sich auch die Q2 am AFG entschieden, nicht an der Demo teilzunehmen, weil sie zu diesem Zeitpunkt die letzte Doppelstunde vor der ersten Leistungskursklausur hätten. Bei der Abschlusskundgebung sprechen laut Drohmann unter anderem Vertreter aus Politik und Kirche vor Ort. Der örtliche ADFC werbe fürs Radfahren.

Wer sich durch Aktionen oder etwa Redebeiträge an der Gestaltung der Demonstration beteiligen möchte, ist laut „Parents for Future“ dazu eingeladen. Das nächste Treffen der Aktiven ist heute, Dienstag, 17. September, ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten des Verkehrsvereins am Roggenmarkt. Alternativ ist ein Kontakt zur Ortsgruppe von „Parents for Future“ über die E-Mail-Adresse werne@parentsforfuture.de möglich.

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