Nach der erneuten Kandidatur des Amtsinhabers Lothar Christ

Bürgermeisterwahl 2020: Parteien stecken noch in der Klärungsphase

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Im Stadthaus hat Wernes Bürgermeister sein Büro. Das Amt bekleidet seit zehn Jahren Lothar Christ. Er will 2020 erneut kandidieren.

Werne - Die am Mittwoch bekannt gewordene Kandidatur von Amtsinhaber Lothar Christ für die Bürgermeisterwahl im September 2020 kommt für die örtlichen Parteien teils wenig überraschend.

Das zeigt die Nachfrage. Weiteres Ergebnis: Bei CDU und SPD, die den parteilosen 51-Jährigen bei den Wahlen 2009 und 2014 unterstützt haben, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen, ob sie dies erneut tun oder womöglich wieder einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken.

CDU: Sie werde im Januar oder Februar entscheiden, wie sie sich zur Kommunalwahl aufstellt, sagt Wilhelm Jasperneite, Stadtverbandsvorsitzender der Christdemokraten. Auf diesen Fahrplan habe sich am Wochenende der Vorstand geeinigt. Grundsätzlich gelte: „Die CDU Werne macht sich keine Sorgen, für alle Funktionen genügend geeignete Kandidaten zu finden.“ Dass Christ erneut antritt, habe ihn nicht unbedingt überrascht, aber ein wenig verwundert, meint Jasperneite. So habe der seit zehn Jahren amtierende Bürgermeister zuletzt „teilweise amtsmüde“ auf ihn gewirkt. Mit Blick auf die Wahlen gelte aber auch: „Es sind noch 360 Tage, und in der Zeit kann so viel passieren.“ 

SPD: Laut SPD-Chef Siegfried Scholz haben die hiesigen Sozialdemokraten bereits intern „erste Schritte“ in Richtung Kommunalwahlen gesetzt und dabei auch die Personalfindung eingeleitet. Intern werde man den Weg zunächst weitergehen – bis in der Mitgliederversammlung am 14. Oktober öffentlich auch über die Bürgermeisterfrage diskutiert werde. 2009 und 2014 sei man zu der Auffassung gelangt, dass Christ ein guter Bürgermeister werden könnte, jetzt aber beginne „eine neue Zeit“. Jeder werde seine eigene Wahrnehmung einbringen, ob er Christ weiterhin für den richtigen Mann halte. Aus seiner Sicht, so Scholz, habe der Bürgermeister zuletzt insgesamt einen „guten Job“ gemacht, auch wenn ihm nicht jede seiner Entscheidungen gefallen habe, etwa die Ablehnung der Tarifbindung für die Solebad-Angestellten. In einer Demokratie müsse man aber auch damit umgehen. 

B ‘90/Die Grünen: Wie die Grünen mit der Kandidatenfrage umgehen, sei noch nicht geklärt, sagt Ortsverbands-Sprecher Dr. Eberhard Stroben. Zunächst werde man sich dazu unabhängig von Entscheidungen anderer Gedanken machen. Dass die Grünen bei den vergangenen beiden Bürgermeister-Wahlen mit Benedikt Striepens jeweils einen Gegenkandidaten stellten, habe sich für die Partei ausgezahlt. „Wir konnten unsere Themen besser platzieren“, meint Stroben. Auch zu den Kommunalwahlen am 13. September 2020 wolle man die eigenen Vorstellungen etwa zum Klimaschutz deutlich machen. Die Zusammenarbeit mit Christ läuft laut Stroben „kommunikativ störungsfrei“, trotz inhaltlicher Differenzen. „Wir werden gehört und wahrgenommen.“ 

FDP: Eigener Kandidat? Wahlempfehlung für Christ? Weder noch? Auch die FDP, die den parteilosen Kandidaten 2009 unterstützte, hat noch keine Antwort auf diese Fragen. Und mit der wird’s auch noch dauern. „Wir planen einen Sonderparteitag zu den Wahlen Ende März, Anfang April“, sagt Artur Reichert. Der Vorsitzende der Liberalen sieht wie Christ, dass Werne etwa in Sachen Schulen und Solebad gut aufgestellt ist. „Aber man muss ein dickes Fragezeichen machen, welches Verdienst er daran hat.“ Auch die gute Zusammenarbeit der Fraktionen trage zum Erfolg bei. Ganz andere Instrumente, etwa den Wegfall von Parkgebühren, wünsche sich die FDP, wenn es um die Stärkung der Innenstadt gehe.

UWW: Auch bei Wernes „Unabhängigen Wählern“ stehen die Überlegungen noch am Anfang. „Wir sind uns nicht sicher, ob wir einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen oder nicht“, sagt Vorsitzender Reinhard Stalz. Ausschließen wolle er es jedenfalls nicht, auch wenn es mit Lothar Christ an der Spitze des Stadtrats ein „gutes Zusammenspiel“ der Fraktionen gebe und insgesamt ein „respektvoller Umgang“ herrsche. Stalz attestiert in diesem Zusammenhang allen Parteien, trotz unterschiedlicher Auffassungen „das Beste für Werne“ zu wollen. Das komme in den Sitzungen auch zum Tragen. „Dass jemand sagt, das unterstütze ich nicht, weil das von einem anderen kommt – das gibt es nicht.“ 

„Die Linke“: Für die „Linke“ kündigt Sprecher Martin Pausch an, auf jeden Fall keinen eigenen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt stellen zu wollen. Nicht, weil Christ insgesamt einen „guten Job“ mache, sondern es für seine Partei zunächst darum gehen müsse, in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzuziehen.

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