Planungen in Werne

Emotionale Debatte: Entscheidung zum neuen Industriegebiet Werne gefallen

Rund 200 Demonstranten forderten vor der Sitzung am Dienstagabend von den Politikern ein Nein zum geplanten Gewerbe- und Industriegebiet an der Nordlippestraße.
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Rund 200 Demonstranten forderten vor der Sitzung am Dienstagabend von den Politikern ein Nein zum geplanten Gewerbe- und Industriegebiet an der Nordlippestraße.

Knapp 200 Demonstranten machten vor dem Kolpingsaal lautstark ihre Ablehnung eines geplanten Industriegebietes deutlich. Zweieinhalb Stunden später war die Entscheidung gefallen.

Werne - Es zeichnete sich bereits im Vorfeld der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Planung am Dienstagabend (9. März) eine Protestbewegung ab. Die war dann laut und deutlich hörbar. Vor dem Start der Sitzung um 17.30 Uhr hatten sich an die 200 Demonstranten vor dem Tagungsraum Kolpingsaal an der Alten Münsterstraße versammelt. Sie wollten ein „Nein“ der Politiker zu den Plänen erreichen.

Während die Protestierenden unter anderem mit Spruchbändern, einem Treckerkorso, Fahrrad-Geklingel etc. auf ihr Anliegen aufmerksam machten, startete um 18.20 Uhr der Tagesordnungspunkt, auf den alle gewartet hatten: „Regionaler Kooperationsstandort Nordlippestraße Nord“. So lautet der sperrige Titel für die Pläne, ein neues Gewerbe- und Industriegebiet nördlich des Autobahnzubringers/östlich der B54 auszuweisen.

Zunächst präsentierte die Stadtverwaltung in einer ausführlichen Power-Point-Darbietung Daten und Fakten zu dem Großvorhaben. In der anschließenden, zum teil hoch-emotionalen Debatte, kamen Befürworter und Gegner eine gute Stunde zu Wort. Schließlich stimmte die Mehrheit dafür, die Weichen für das gut 30 Hektar (300.000 Quadratmeter) große Gewerbegebiet unterhalb der Höfe Schulze Twenhöven und Bleckmann zu stellen.

In der städtischen Präsentation ging Bürgermeister Lothar Christ auf die lange Vorlaufzeit dieses Projektes ein. „Wir sprechen hier nicht über etwas völlig Neues.“ Aufgrund des Flächenmangels seien Neuansiedlungen in Werne kaum noch möglich. Die beiden letzten größeren Flächen, im Wahrbrink 1,3 Hektar, im Nordlippepark 2,2 Hektar, seien „beide in der Reservierung“.

„Planungshoheit liegt bei der Kommune“

Er machte deutlich, dass es „heute nicht um die Aufstellung eines Bebauungsplanes“ gehe, sondern um ein grundsätzliches Ja oder Nein. Wirtschaftsförderin Carolin Brautlecht betonte, wie auch Christ und Planungsdezernent Ralf Bülte, „dass die Planungshoheit bei der Kommune liegt“.

Landwirte fuhren mit ihren Treckern in einem Korso am Sitzungsort Kolpingsaal vorbei.

Einwände, warum man stattdessen nicht die Industriebrache des Gersteinwerkes zu einem solchen Standort umbaue, konterte Lothar Christ mit dem Hinweis, dass die Gasturbinen dort wahrscheinlich noch auf unabsehbare Zeit Strom produzieren würden. Damit sei das Gelände nicht verfügbar.

SPD contra Grüne: Heftiges Wortgefecht

In der anschließenden Debatte der Parteienvertreter ergriff zunächst Adelheid Hauschopp-Francke von der SPD das Wort. Sie legte ausführlich dar, warum Werne ein solches Gewerbegebiet, wenn es sowohl Belange der Ökonomie wie der Ökologie beachte, brauche.

Ihr Satz, dass es im Vorfeld der Debatte viele Falschinformationen und Polemiken gegeben habe, löste bei Andreas Drohmann von den Grünen heftigen Widerspruch aus. Er griff Hauschopp-Francke direkt an, warf ihr vor, die „Anliegen der Menschen draußen“ so zu diffamieren. Die SPD-Frau reagierte entsprechend laut, sodass sich Ausschussvorsitzende Uta Leisentritt zum mäßigenden Ordnungsruf genötigt sah.

Zwei Landwirte in Reihen der CDU, Ferdinand Schulze Froning und Egbert Ortmann, legten dar, dass sie dem Beschluss „nur mit großen Bauchschmerzen“ zustimmen würden. Ihr Anliegen waren die ökologischen Ausgleichsflächen. Durch die Versiegelung von Landwirtschaftsfläche an der Nordlippestraße müsse an anderer Stelle ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden, in der Regel auf Kosten von Ackerflächen. Schulze Froning: „Halten Sie den Verlust an solcher Fläche so gering wie möglich.“

Um Punkt 20 Uhr war die Debatte zu Ende, die Abstimmung stand an. Uta Leisentritt zählte 14 Pro-Stimmen, die vier Grünen votierten dagegen, Martin Pausch (Linke) enthielt sich. (von Jörg Heckenkamp)

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