Unterwegs in Wernes Innenstadt

Einkaufen in Corona-Zeiten: „Die Hühner legen weiterhin Eier“

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Eine Kassiererin trägt Einmalhandschuhe zum Schutz gegen das Coronavirus. „Solange ich kann, gehe ich noch vor die Tür“, sagt die Kundin eines Deko-Ladens.

Werne – Am Dienstagmorgen in der Werner Innenstadt konnte man den Eindruck gewinnen, als gebe es keine Corona-Krise. Menschen besuchten wie üblich den Markt, kauften in den Geschäften ein, saßen bei Sonnenschein in Straßencafés. Doch natürlich herrschte auch Verunsicherung.

Die Menschen sind aufgerufen, soziale Kontakte zu vermeiden, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das hat naturgemäß Grenzen, denn Einkaufen muss sein – vor allem, wenn der heimische Kühlschrank aufgefüllt werden muss.

Und so konnte am Dienstag noch längst nicht die Rede davon sein, dass sich Werne in eine Geisterstadt verwandelt. Am Morgen, während des Wochenmarktes, war in der Innenstadt gefühlt sogar einiges los. Und nicht nur die Lebensmittelläden hatten geöffnet.

„Solange ich kann, gehe ich noch vor die Tür“

„Solange ich kann, gehe ich noch vor die Tür“, sagte die Kundin eines Deko-Ladens – und zog mit einer Blumenampel von dannen. Derart pragmatisch gingen offenbar auch viele andere Menschen mit der Situation um. Bei Leenders-Moden in der Bonenstraße etwa war kein Rückgang der Kundenbesuche zu verzeichnen, wie Inhaber Sven Leenders berichtete.

„Business as usual“ also, wenn da nicht das bange Warten auf vielleicht nächste behördliche Anordnungen wäre. „Wir müssen schauen, was passiert. Solange wir offiziell öffnen dürfen, werden wir öffnen“, sagte Leenders. „Und falls wir schließen müssen, werden wir für die Kunden, die etwa Hochzeitsbekleidung in der Änderung haben, in jedem Fall telefonisch erreichbar sein.“

„Krise wird uns hart treffen"

Leenders geht davon aus, dass die Corona-Krise die Gesellschaft „hart treffen“ wird. Negative Stimmung zu verbreiten, bringe aber niemandem etwas, betonte er. Vielmehr sollte man mit der Situation verantwortungsvoll umgehen. Wie Leenders, sind auch die anderen Geschäftsleute gespannt, ob es noch weitere Einschnitte im öffentlichen Leben gibt.

Beim Einkauf selbst gibt’s nur ein Thema: Corona. Das bestätigten etliche Händler. Auch Heinrich Kraienhemke, der auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse verkauft. „Die Leute sind verunsichert“, berichtete er. Er aber könne sie beruhigen. „Es ist alles da: Die Hühner legen ja nach wie vor Eier und die Kühe geben weiter Milch.“ Auch sein Kartoffellager sei gut gefüllt. Bei der Versorgung der Bevölkerung könne es allerdings zu logistischen Problemen kommen – und zwar als Folge der Hamsterkäufe. „Die Regale müssen ja alle wieder aufgefüllt werden.“

Menschen mit Atemschutzmasken sind in Werne – anders als in den Corona-Berichten im Fernsehen – kaum zu sehen. Vielleicht, weil es in der Stadt bis gestern noch keinen Infektionsfall gab. Doch Vorsichtsmaßnahmen fallen in die Augen: Da ist die Kassiererin, die Einmalhandschuhe aus Plastik trägt, dort wird der Kunde mit Glasscheiben oder anderen „Barrieren“ auf Abstand gehalten.

„Viele Jüngere kaufen jetzt für die Älteren ein“

Das Verständnis für die Kontaktvermeidung ist groß – und auch der Wille, anderen zu helfen. „Viele Jüngere kaufen jetzt für die Älteren ein“, sagt eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Aber es gebe auch Menschen aus der Risikogruppe, die nicht von ihrer Gewohnheit abweichen und sich gerne zum anderen hinüberbeugen würden.

Im Lebensmittelgeschäft von Clemens Overmann an der Steinstraße war einiges los. Das liege aber nicht an Hamsterkäufen, sondern vorwiegend auch am guten Wetter, so seine Einschätzung. Eigentlich beliefert Overmann morgens Kindertagesstätten und Schulen mit frischem Obst und Gemüse. Weil die Einrichtungen geschlossen sind, bleibt nun Zeit, Kunden verstärkt zu beliefern.

„Man muss nicht in Panik verfallen“

„Es ist alles lieferbar, man muss nicht in Panik verfallen“, sagt Overmann. Auch andere Anbieter gehen dazu über, ihre Ware verstärkt auszuliefern.

Während in der Steinstraße eine entspannte Stimmung herrschte, war es bei Rewe Symalla merklich hektischer. „Keine Zeit“, hieß es auf die Bitte, die Situation aus Sicht der Filialleitung zu schildern. Leere Regale sind auch hier nicht zu sehen. Dafür eine Flasche Desinfektionsmittel am Eingang.

Steffi Muermann hatte ihre Tochter mitgenommen. Sie kaufe normal ein, lege keinen besonderen Vorrat an, sagte sie. Nudeln habe man ja ohnehin immer zu Hause. Gleichwohl stand auch eine Packung Klopapier auf dem Einkaufszettel, die sonst vielleicht erst etwas später im Wagen gelandet wäre. „Es ist, wie es ist“, sagte Patricia Goldhahn bei ihrem „ganz normalen Einkauf“ im Supermarkt. Und ergänzt, sie könne gelassen mit der Corona-Situation umgehen. Wie wohltuend ...

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