Reaktionen von Patienten und Besuchern

Bezahltes Parken am Krankenhaus: „Schrankenlösung wäre besser gewesen“

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Auf dem Krankenhaus-Parkplatz gilt seit Monatsbeginn eine Gebührenpflicht. Barzahler müssen vorher wissen, wie lange sie bleiben.

Werne - Die Einführung von Parkgebühren am Krankenhaus St. Christophorus ist laut Standortleiter Ludger Risse weitgehend reibungslos verlaufen. Dennoch gibt’s Kritik: Etwa die, dass bei Barzahlung am Automaten vorher abgeschätzt werden muss, wie lange man im Gebäude bleibt. 

„Eine Schrankenlösung wäre besser gewesen“, sagt etwa Dieter Herrberg. Herrberg (84) wurde jüngst stationär im Krankenhaus behandelt und kam mit etlichen Mitpatienten und Besuchern ins Gespräch. „Einige waren regelrecht hilflos, als ihre Parkzeit ablief, sie aber noch im Haus unterwegs waren“, schildert der Werner. 

Zwar könne die Gebühr auch mithilfe einer Handy-App oder per SMS entrichtet und dabei die Parkdauer nachträglich verlängert werden. Doch gerade für ältere und wenig technikaffine Menschen sei dies oft keine Alternative. Bei Barzahlung gebe es zudem das Problem, dass man nicht immer das nötige Kleingeld parat habe und die Automaten keine Geldscheine annähmen. 

Nach Einschätzung Herrbergs haben Patienten und Besucher durchaus Verständnis für die neu eingeführte Gebührenpflicht. Aber nicht für die Art der Bewirtschaftung der rund 350 Parkplätze. „Die ist wenig entgegenkommend, nicht gut durchdacht, mindestens eine Fehlplanung, wenn nicht gar Abzocke“, sagt der Pensionär mit Blick auf die Vertragsstrafen, die bei einem regelwidrigen Parken drohen. 

Ludger Risse, zugleich Pflegedirektor des Krankenhauses, kann Herrbergs Kritik in Teilen nachvollziehen. Vor Einführung der Gebührenpflicht habe man sich aber ganz bewusst gegen Schranken entschieden, sagt er. Grund seien die Erfahrungen am Krankenhaus-Standort in Lünen. Dort funktioniere die Technik nicht immer zuverlässig, was zu teils großen Verärgerungen geführt habe und immer noch führe. Wer erst parken und dann zahlen will, dem rät Risse die Nutzung der sogenannten Easypark-App. „Ich habe sie auch auf mein Handy aufgespielt. Das Bezahlen geht damit ganz einfach, und es wird – anders als bei Barzahlung – minutengenau abgerechnet“, sagt er. 

An der Einfahrt zum Parkplatz wird auf die Neuregelung hingewiesen.

In Sachen Kleingeld verweist der Standortleiter auf die Krankenhaus-Pforte. Dort könne man Scheine in Münzen wechseln. Risse räumt ein, dass es in den ersten Tagen der Gebührenpflicht etliche organisatorische Nachfragen und auch „die ein oder andere Beschwerde“ gegeben habe. Damit sei zu rechnen gewesen. Im Gespräch mit den Betroffenen hätten alle Fragen beantwortet und Konflikte ausgeräumt werden können. Risse betont, dass niemand ein „Knöllchen“ zahlen müsse, wenn bei Übertretung der Parkzeit kein Eigenverschulden vorliege. 

So könne es Fälle geben, in denen Verzögerungen allein vom Krankenhaus ausgingen. In diesen sollten sich die Betroffenen ebenfalls an der Pforte melden. Diese gebe den Sachverhalt an ihn weiter oder an einen Ansprechpartner im Sekretariat. Die Gebührenpflicht wurde eingeführt, um die Nutzer der Parkplätze an den Kosten ihrer Bereitstellung zu beteiligen. Überdies soll sie das Fremdparken (etwa durch Spaziergänger im nahen Stadtwald) eindämmen. 

Bei der Bewirtschaftung der Stellflächen sitzt die Firma Fairparken mit im Boot. Während das Krankenhaus die Gebühren erhält, finanziert sich dessen Partner allein über die Vertragsstrafe in Höhe von 24,90 Euro, die bei Verstößen gegen die Parkordnung fällig wird. Das heißt im Umkehrschluss: Sollten sich die Krankenhaus-Parker allesamt korrekt verhalten, würde das Geschäftsmodell von Fairparken nicht aufgehen.

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