Zehnmal Verdacht auf Blindgänger

Hoher Grundwasserstand verhindert Bombensuche in der Lippeaue

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Liegt hier ein Blindgänger in den ehemaligen Rieselfeldern? Ein erster Versuch, dies festzustellen, ist wegen der hohen Wasserstände abgebrochen worden.

Werne – Zehn Verdachtspunkte auf Blindgänger gibt es in der Lippeaue. Eine davon wollten Experten der Munitionsbergung jetzt genauer unter die Lupe nehmen. Das Unternehmen scheiterte jedoch am hohen Grundwasserstand.

Liegenlassen, das wäre der Stadt Werne und dem Lippeverband die liebste Lösung für die zehn Verdachtspunkte auf Blindgänger in der Lippeaue. Doch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird an mindestens einer Stelle zu graben sein, um vor dem Bau der neuen Flussschleife durch die Riesenfelder entweder eine ungezündete Bombe zu entschärfen oder zu beseitigen, was dort sonst als zweifellos metallischer Gegenstand in 3,50 Metern Tiefe ausgemacht wurde.

Ein erster Versuch ist in dieser Woche aber abgebrochen worden, wie Petra Jäger vom Ordnungsamt auf Anfrage berichtete. „Der Grundwasserstand ist zu hoch, um bis in diese Tiefe ausschachten zu können.“ Das Unternehmen zur Munitionsbergung sei zunächst zuversichtlich gewesen, ohne Grundwasserabsenkung den Gegenstand freilegen zu können. Doch bei etwa 2,50 Metern war Schluss.

 Grundwassersenkung im Winter zu aufwändig 

„Eine Absenkung wäre in dieser Jahreszeit wegen der Vorkehrungen gegen den Frost sehr aufwändig. Deswegen werden die Arbeiten verschoben“, erläuterte die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes weiter. Weil die Fundstelle inmitten der Aue westlich der Kamener Straße im Naturschutzgebiet liegt, verbietet sich ein Eingriff in der Brut- und Setzzeit der dort heimischen und teils seltenen Vogelarten. Im Herbst könnte es dann weiter gehen. 

Sondierungsbohrungen im Umkreis des vermuteten Blindgängers hatte das Unternehmen trotz der Umstände durchführen können. Die eingebrachten Magnetsonden zeigten, dass auf jeden Fall ein Magnetkörper im Erdreich schlummert. Dabei könnte es sich aber auch um Schrott handeln oder einen Metallbehälter, wie sie von Bomberbesatzungen im Krieg vielfach abgeworfen wurden, um mit weniger Last heimzufliegen. 

Kein unmittelbarer Handlungsbedarf  

Die Auswertung von Luftbildaufnahmen hat, wie berichtet, Hinweise auf zehn mögliche Einschlagstellen in den Lippewiesen ergeben. Unmittelbarer Handlungsbedarf besteht nach Auskunft der Behörden abseits des Siedlungsgebietes nicht. Hier aber muss wegen des geplanten Lippeumbaus geprüft werden, ob es sich um eine Bombe handelt. „Die Stelle liegt genau in der Trasse für das neue Flussbett“, so Jäger. Deshalb habe der Lippeverband die Untersuchung veranlasst. Inwiefern von den gewaltigen Erdbewegungen für die Renaturierung des Gewässers auf dem Abschnitt von der Schlagt bis zur Rochus-Kapelle in Lenklar auch die neun anderen Verdachtspunkte berührt sind, ließ sich am Freitag nicht mehr in Erfahrung bringen. Ohnehin sind die Pläne für die Verlängerung des Lippelaufs in den Rieselfeldern noch in der Entwurfsphase. Bis es damit ernst wird, fließt noch viel Wasser durch die Lippe. Das Planfeststellungsverfahren ist nicht eröffnet, der Baubeginn für 2021/22 ins Auge gefasst.

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