Diskussion im Ausschuss

Kritik an Solebad-Tarifen ruft Politik auf den Plan

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Das sanierte 50-Meter-Außenbecken ist bereits gefüllt. Laut Bad-Leiter Jürgen Thöne kann es jedoch erst in Betrieb genommen werden, wenn nach der Untersuchung des Wassers eine Freigabe durch das Gesundheitsamt erfolgt ist.

Werne - Das neue Solebad zählt zwei Monate nach Eröffnung mehr als 50.000 Besucher. In der Sitzung des Badausschusses am Dienstag war mehrfach von einem „sehr guten Start“ die Rede. Doch wie umgehen mit der Kritik an den Eintrittstarifen?

Diese Kritik facht immer mal wieder auf. Nur vereinzelt oder gehäuft, darüber gehen die Wahrnehmungen auseinander. Bad-Leiter Jürgen Thöne jedenfalls sieht keine generelle Unzufriedenheit bei den Besuchern, im Gegenteil: Man bekomme sehr viel Lob fürs Bad und dessen Betrieb. Und Dezernent Frank Gründken, Leiter des städtischen Bäderbetriebs, berichtete, dass generell 95 Prozent der Reaktionen auf die neue Schwimmstätte positiv ausfielen und das Bad-Team aus seiner Sicht einen „tollen Job“ leistet.

„Warum den vollen Preis bezahlen?"

FDP-Ratsherr Artur Reichert war es, der die Kritik am Tarifsystem ansprach. Anlass war die Tatsache, dass werktags Wasserflächen von Schulen, Vereinen und durch Kurse besetzt sind und aktuell das Freibad noch nicht zur Verfügung steht. „Warum den vollen Preis bezahlen, wenn man nicht alles dafür bekommt?“, fragte er in die Runde und griff damit eines der Hauptargumente der Kritiker auf, die sich Preisnachlässe erhoffen.

Thönes Sicht der Dinge war eine andere. Der Badleiter verwies darauf, dass auch im alten Solebad Schwimmbahnen teils durch Gruppen belegt waren. Und: Das Freibad mit dem 50-Meter-Sportbecken und dem neuen Planschbecken für Kinder schalte man im Sommer quasi kostenlos für die Gäste dazu. Die Preiskalkulation jedenfalls beziehe sich rein auf den Winterbetrieb mit Hallenbad und Solebereich.

„Nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“

Uta Leisentritt (CDU) vertrat in der Sitzung die Auffassung, dass man die Anregungen aus der Bevölkerung ernst nehmen müsse. Ulrich Höltmann (SPD) meinte, dass die öffentliche Wahrnehmung über das Bad wohl eine andere wäre, wenn auch die vielen zufriedenen Besucher Leserbriefe schrieben.

Gründken warb am Ende dafür, dem Betreiber die Chance zu geben, das Solebad an den Start zu bringen, und nicht „mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“. Es sei vereinbart, zum Ende des Jahres eine erste Bilanz zu ziehen und dabei auch das Tarifsystem genauer unter die Lupe zu nehmen. Grundsätzlich gelinge es nicht, alle Probleme zu lösen. „Manchmal kollidieren die Interessen auch.“

Außenbecken-Sanierung deutlich teurer

Das 50-Meter-Sportbecken soll den Planungen nach am 8. Juli fertig sein. An welchem konkreten Tag es in Betrieb gehen kann, hänge von der Freigabe durch das Gesundheitsamt ab, machte Thöne deutlich. Wenn diese vorliege, werde man umgehend reagieren. Fest stehe, dass am 24. Juni Wasserproben genommen würden, dass parallel dazu letzte Pflasterarbeiten stattfänden und dass das Freibad zu den Sommerferien geöffnet sein solle.

Seit Dienstag ist das Sportbecken wieder komplett mit Wasser gefüllt. Dessen Sanierung war nach Darstellung von Architekt Heinrich Brinkhus rund 96.000 Euro teurer als gedacht. Vor allem die Schäden am Beckenkopf würden zu Buche schlagen. Rund 50.000 Euro seien für die Ausbesserung veranschlagt worden, 120.000 Euro koste sie. Überdies gebe es Mehrkosten durch das Verfüllen eines Beckenschachtes, der ursprünglich zur Installation einer Abdeckung gebaut worden war. Dieser Schacht werde nicht durchströmt und berge dadurch auch hygienische Risiken.

„Bis zu zehn Jahre Ruhe“

Insgesamt kostet die Sanierung des Sportbeckens samt Treppenabgang knapp 150 000 Euro. Die Mehrkosten sollen zu einem kleineren Teil aus dem laufenden Aufwand finanziert werden, aber vor allem durch die Pauschale der Stadt für die Nutzung des Bades für Schulen. Dieser Posten im Doppelhaushalt in Höhe von 87.000 Euro sei bis dato gesperrt gewesen, nun aber von Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen freigegeben worden.

Brinkhus und auch Gründken rechtfertigten die umfassende Sanierung und den hohen finanziellen Aufwand. Bei rein kosmetischen Arbeiten hätte man allenfalls zwei Jahre Ruhe bis zur nächsten Instandsetzung gehabt, nunmehr acht bis zehn. Eine frühere Sanierung sei überdies nicht möglich gewesen, ohne das Risiko weiterer Schäden einzugehen. Wäre das Wasser vor Ende der Frostperiode abgelassen worden, hätte gefrierende Restfeuchte Fliesen abplatzen lassen können.

„Das war komplett alternativlos“

„Was wir gemacht haben, war auch laut Gutachter komplett alternativlos“, sagte Gründken. Und eine Sanierung schon im Vorjahr wäre verfrüht gewesen, ergänzte Brinkhus.

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