Irritation durch Schließung der Massageläden

Physio-Praxen behandeln weiter - aber viele Patienten wissen das nicht

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Andreas Zinke aus Werne behandelt Patienten in Bergkamen, aber dem Physiotherapeuten machen Terminausfälle zu schaffen. 

Werne/Bergkamen/Bönen - Nicht jeder, der buchstäblich nah am Menschen arbeitet, muss dieser Tage sein Geschäft schließen. Physiotherapeuten erbringen medizinische Leistungen und dürfen praktizieren - aber das wissen viele Patienten nicht.  

Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie dürfen auch in Zeiten von Corona noch öffnen, jedoch verzeichnen viele Therapeuten einen teils massiven Rückgang an Patientenzahlen. Dazu werden etliche Therapeuten an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert, wenn ihnen beispielsweise der Zutritt zu Pflegeheimen verwehrt wird. „Wir gehören zu den medizinischen Versorgungsbetrieben und sind seitens der Regierung als medizinisch notwendige und systemrelevanter Betriebe zur Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung eingestuft worden, aus diesem Grund dürfen wir gar nicht schließen“, erklärt Stefan Bröcker, Inhaber der in Bönen ansässigen Praxis am Turm, die mit 16 Therapeuten viele Senioreneinrichtungen im Kreis Unna sowie in Menden und Dortmund betreut.

Verwechselung mit Massagepraxen problematisch

Als die aktuellen Kontaktbeschränkungen ausgerufen wurden, fiel dabei auch der Begriff der „Massagepraxen“, die schließen müssten. „Damit fing das Unglück an. Viele unserer Patienten waren dadurch verunsichert und sind gar nicht mehr gekommen oder haben ihre Termine abgesagt. Bis heute kommen viele nicht, weil sie denken, wir sind geschlossen“, sagt Bröcker. 

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Als Folge steht in dem Betrieb seit Anfang der Woche das Telefon nicht mehr still. „Wir haben unzählige Anrufe, bei denen wir versuchen, die Leute aufzuklären.“ Ähnlich sieht die Situation im Bergkamener Betrieb A-Z Physiotherapie von Andreas Zinke aus Werne aus. „Die Differenzierung zwischen Physiotherapie und Massage ist leider noch nicht überall angekommen“, sagt er. Auch ihn und neun weitere Therapeuten am Firmensitz an der Werner Straße erreichen reihenweise Absagen.

Coronavirus im Kreis Unna: Heime machen dicht

Zwar sei zum Wochenstart die Regelung in Abgrenzung zu den geschlossenen Massagesalons richtig gestellt worden, dies aber sei in der Öffentlichkeit kaum mehr angekommen, meint Bröcker. Besonders problematisch: Viele frisch operierte Patienten würden zur Entlastung der Krankenhäusern in die ambulanten Praxen geschickt. „Die Therapie wird also auf uns abgewälzt. Leider aber ist in der Bevölkerung angekommen, dass wir gar nicht mehr aufmachen dürfen. Das sorgt für viel Verunsicherung.“ 

Patienten in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen dürften die Fachleute ebenfalls noch versorgen, sofern es keine Einschränkungen seitens der Einrichtung gibt. Einige haben komplett dicht gemacht und lassen auch keine Therapeuten mehr rein. „In anderen Heimen durften wir bisher unsere Behandlungen unter Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen durchführen, aber auch da hat man uns gesagt, dass wir dort nur noch die allernötigsten Behandlungen wie Lymphdrainagen durchführen sollen“, berichtet Zinke. 

Warnung vor den Folgen für Pflegefälle

Verschlossene Heimtüren kennt auch Bröcker, schüttelt aber den Kopf: „Wir sind keine Besucher. Wir sind medizinisch notwendiges Personal, das vom Arzt verordnete Therapien durchführt.“ Ausbleibende Behandlungen könnten schwerwiegende Folgen haben. „Wenn Schlaganfall-Patienten nur noch im Bett liegen, werden das hinterher Schwerstpflegefälle. Das ist auch nicht im Sinn der Pflegekräfte.“ 

In ihren Praxen arbeiten Zinke und Bröcker bei Bedarf mit Mundschutz und Handschuhen, um den besonderen Schutz für Risikogruppen zu gewährleisten. „Wir haben glücklicherweise noch eine kleine Reserve an Desinfektionsmitteln und Masken“, sagt Zinke. Aber diese gingen langsam zur Neige und seien im Moment nicht mehr nachzukaufen. Er befürchtet aber die schlimmeren Engpässe in der Patientenversorgung, sollte es länger so weiter gehen.

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