Kinderbilder als Mutmacher

Zeichen der Solidarität: Werne stößt Aktion unter Partnerstädten an

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Das Bild vom neugeborenen Hoffnungsträger war der erste Beitrag zur Aktion, eingesandt von Massimo Nero aus Poggibonsi mit der Botschaft „Andrà tutto bene“ (alles wird gut) auf der Windel.

Werne – Wie geht‘s den Freunden? Die Frage stellt sich dieser Tage nicht nur unter Nachbarn einmal quer über die Straße, sondern auch über Grenzen hinweg: mit Blick auf Wernes Partnerstädte beispielsweise. Partnerschaftsbeauftragte Stephanie Viefhues hat in diesen schweren Zeiten eine gemeinsamen Aktionangestoßen, um Zuversicht zu teilen und zu fördern.

„Gemeinsam Mut machen“ ist der Aufruf an die fünf Freunde überschrieben, mit dem Bilder von Kindern in diesem Städtebund zu einem Mosaik als Zeichen der Hoffnung zusammengesetzt werden sollen.

Herauskommen soll dabei eine gemeinsame virtuelle Ausstellung auf den Webseiten in Werne, Bailleul (Frankreich), Lytham St. Annes (England), Walcz (Polen), Poggibonsi (Italien) und im brandenburgischen Kyritz. Anstifter sind Kinder in Italien, die mit selbst gemalten Bildern von Regenbögen und anderen Zeichen der Hoffnung begonnen haben, an ihren Fenstern aufmunternde Botschaften nach draußen zu senden. „Ich finde das toll und habe es mit meinen Kindern ausprobiert. Die finden es auch super, also habe ich mich an die Arbeit gemacht“, schilderte Viefhues, wie die Idee Kreise zog – ganz ähnlich wie die Balkonkonzerte, mit denen sich italienische Lebensfreude durch Nachahmung auch hierzulande verbreitete.

„Alles wird gut“ als Botschaft in Corona-Zeiten

„Alles wird gut“, für die internationale Verständigung „Everything will be fine“, ist als Botschaft für die Kunstwerke empfohlen, Regenbogen und Sonne als Motiv. Die Bilder können „solo“ als Foto oder Datei eingesandt werden, am liebsten wären Viefhues aber Fotos, auf denen die jungen Künstler mit ihrem Werk am Fenster zu sehen sind. Wer den Kinderschuhen entwachsen ist, aber einen Beitrag leisten möchte, ist gleichfalls willkommen. Die Bilder werden mit Vornamen und Alter des Malers veröffentlicht. Der Aufruf ergeht so mit einem Appell von Bürgermeister Lothar Christ in allen fünf Städten.

„Alles wird gut!“ Farbenfrohe Bilder von Kindern sollen in diesen Zeiten Halt geben und Mut machen. Bei der Malaktion im Partnerschaftsbund mit Werne, Kyritz, Bailleul, Walcz, Poggibonsi und Lytham St. Annes haben die Geschwister Lennert und Karolina Viefhues schon mitgemacht.

Die partnerschaftlichen Begegnungen sind bis Mai alle abgesagt. Nächste Gelegenheit, sich über die neuen gedeihlichen Kontakte im Sport zu sehen, wäre Wernes Stadtlauf im Juni. Aber da ist Viefhues „bei aller Zuversicht auch Realistin: Dass da schon wieder internationale Begegnungen möglich sind, ist eher unwahrscheinlich.“ Trotz der Fragezeichen hinter geplanten Fahrten nach Walcz und Kyritz gibt‘s traditionell eine Hoffnung: das jährliche Wiedersehen zu Sim-Jü.

Aber wie geht es den Freunden nun? Ein vollständiges Bild lässt sich schwerlich zeichnen, aber wir haben mal einige Schlaglichter gesammelt:

Bailleul

Beim Blick dorthin hat, wie so manches Mal als alter Fahrensmann, Konrad Günther geholfen. Bei den französischen Freunden stellt sich inmitten der Corona-Krise auch noch die Frage, wer demnächst die Geschicke im Rathaus bestimmt. Die knapp 11.000 Wahlberechtigten waren am vorletzten Sonntag aufgerufen, den nächsten Bürgermeister zu wählen. Einen Sieger gibt es noch nicht, die Stichwahl ist auf den 21. Juni verschoben. Amtsinhaber Marc Deneuche ist mit 23,4 Prozent (bei 46 Prozent Wahlbeteiligung) Zweiter, Antony Gauthier hat mit 26,7 Prozent die Nase vorn in einem Sechserfeld. Er ist Kandidat eines gemischten Bündnisses, als internationaler Fußballschiedsrichter bekannt,, Professor an der katholischen Uni in Lille und bisher Vize-Bürgermeister von Martine Aubry in Lille.

Schmunzeln lässt Beobachter, wie die Franzosen die auch dort geltenden Ausgangsbeschränkungen handhaben. Jean-André Vandelannoote, seit Jahrzehnten Gewährsmann der Kontakte, berichtet von einem Formular, dass man in der Tasche haben muss, wenn man in Ausnahmefällen vor die Tür muss: zum Arzt, für den Einkauf oder etwas frischen Wind um die Nase. Das Papier gibt‘s als Download-Formular, persönliche Daten und Zweck des Ausgangs müssen sorgsam eingetragen werden – und vom Inhaber mit Datum selbst abgezeichnet. Das war‘s, mit amtlichen Bestätigungen oder dergleichen beschweren sich die Nachbarn erst gar nicht.

Walcz

Hier lässt sich nur ein vages Bild skizzieren. Nach Viefhues‘ Kenntnis ist dort noch keine Infektion aktenkundig. „Von meinen Kontakten höre ich aber: ,Kein Wunder, wir testen ja kaum‘. Es ist aber wohl gut die Hälfte der Einwohner unter Quarantäne gestellt“, sagt sie. Wie an der Staatsgrenze hätten die polnischen Behörden wohl auch im Inneren gleich rigoros reagiert. Generell ist in Polen dieser Tage Ärztemangel ein großes Thema.

Kyritz

Bei den innerdeutschen Freunden in Brandenburg gleichen sich die staatlich verordneten Bedingungen ohnehin annähernd. In Kyritz selbst war bis zu unserer Abfrage noch kein Coronafall bekannt, im Landkreis Ost-prignitz-Ruppin drumherum waren es sieben. Dass sich die Menschen dort den Auflagen fügen, hängt wohl mit einer frühen Erfahrung im nahegelegenen Neustadt an der Dosse zusammen. Da mussten neulich schon fast 3 000 Bürger wegen eines Verdachtsfalls vorsorglich in Quarantäne.

Poggibonsi

Aus Italien, wo die Pandemie den Menschen besonders zusetzt, gibt es nur spärliche Informationen. Die Kontakte dorthin sind etwas eingeschlafen. Aber in der Toscana wird sich Massimo Nero als bewährter Kümmerer auch unterstützend der Bilderaktion annehmen.

Lytham St. Annes

Aus England weiß Konrad Günther aus familiärer Beziehung dorthin, dass die Menschen auch dort teils vor leeren Supermarktregalen stehen, weil Hamsterkäufe wohl kein rein deutsches Phänomen sind.

Die Anfrage des WA an einen der Partnerschaftsakteure in Lytham St. Annes steht noch aus. Zum allgemeinen Bild auf der vom vereinten Europa scheidenden Insel gehört aber, dass das unterfinanzierte Gesundheitssystem gegen die Pandemie schlecht gewappnet ist. Konrad Günther: „Ich weiß von den Freunden dort, dass sie alle froh sind, sich Zusatzversicherungen leisten zu können. Sonst kostet auch eine Spritze, die eine Freundin gegen ein Augenleiden regelmäßig braucht, schnell mal tausend Pfund.“

Info

Für die Bilderaktion sind Einsendungen digital und anlog möglich: per E-Mail an s.viefhues@werne.de und per Post an Stadt Werne c/o Stephanie Viefhues, Konrad-Adenauer-Platz 1, 59368 Werne.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Kreis Unna gibt es hier.

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