Vermieter versprechen Lösungen in der Krise

Mietrecht in der Corona-Krise: Wenn die Miete zum Problem gerät

Mietrecht in der Corona-Krise
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Mieterwechsel in Corona-Zeiten: Möglich, aber nur in den Schranken der Hygieneauflagen.

Werne/Bergkamen/Bönen – Wenn der Wirtschaftsmotor nur stottert, stehen Menschen mit dürftigen Einkommen schnell mit dem Rücken zur Wand. Da er in der Corona-Krise beinahe abgewürgt ist, ereilt das Schicksal nun auch jene, die sonst über die Runden kommen. Den Job verloren oder über Nacht auf Kurzarbeitergeld gesetzt, da wird die Mietzahlung plötzlich zum Problem. Auch für Vermieter, private zuerst, die von diesem Geld leben oder die Wohnungsfinanzierung bestreiten müssen.

„Ab 13. März, als verkündet wurde, dass die Schulen zu machen, hat sich die Welle so langsam aufgebaut: ,Was mache ich, wenn die Miete nicht mehr gezahlt wird?’, ,Kann ich noch Wohnungsübergaben vornehmen?’“, berichtet Martina Kramps, wie es mit den vermehrten Anfragen beim Verband „Haus & Grund“ in Unna begann. Seit dem Monatswechsel und dem damit verbundenen Zahlungstermin berät die Geschäftsführerin mit ihrer Kollegin nun unentwegt Eigentümer, die sich sorgen.

4200 Mitglieder zählt der eigenständige Verein in Unna, die Zahl der damit verbundenen Wohnungen ist nicht erfasst. „Private Vermieter stellen aber 67 Prozent des Wohnraums zur Verfügung und dienen damit der Allgemeinheit“, sagt Kramps. Mietausfälle träfen ihre Klientel teils unmittelbar, etwa, wenn mit der Einnahme der Kredit für den Bau oder Kauf der Wohnung bedient wird. „Bei anderen dient die Miete dem Lebenunterhalt, beispielsweise im Alter.“

Corona-Folgen für Mieter: Es sitzen alle in einem Boot

Was aber tun, wenn das Konto am Ersten schon blank ist? „Es sitzen doch alle in einem Boot, ich rate stets zu einem fairen Miteinander. Man sollte offen sein, die Dinge ansprechen und eine Lösung suchen.“ Es gebe auch Mieter, die einfach so für sich in Anspruch nähmen „wegen Corona nicht zahlen zu müssen“. Ansonsten seien Ausfälle wie bei Kurzarbeit oder das Bemühen um Wohngeld zum Ausgleich nachzuweisen und Stundungsregelungen das Mittel der Wahl.

„Für solche Vereinbarungen haben wir als kostenlosen Mitgliederservice Formulierungsvorschläge“, so Kramps. Persönliche Beratungen, wie die Sprechstunde in Werne, fallen derzeit aus. „Wir sind aber auf allen Kanälen erreichbar.“

Hartz IV, Mieten, Bafög, Kita - Das ändert sich im April in Corona-Krise

Das gilt gleichermaßen für den Bauverein Werne eG, wie Geschäftsführerin Nadine Ruck betont. Der Betrieb sei teils über Homeoffice der neun Verwaltungskräfte sichergestellt. Die beiden Servicekräfte gingen ihrer Arbeit in den Häusern unter Hygieneauflagen weiter nach. Knapp 1400 Wohnungen bewirtschaftet die Genossenschaft. Schon vor der Gesetzesinitiative für einen befristeten Kündigungsschutz bei Mietschulden durch die Covid-19-Pandemie „haben wir beschlossen, unseren Mitgliedern eine Stundung der Mietzahlungen für die Monate April, Mai und Juni zu ermöglichen“, berichtet Ruck.

"In der Krise erst Recht Lösungen finden"

Derzeit gebe es erste wenige Kontakte deswegen, im Rahmen dessen, was ohnehin Alltag ist. Da überwiegend per Lastschrift gezahlt werde, „wird sich um den Achten oder Neunten zeigen, wie groß das Problem ist.“ Viele Mieter scheuten sich, Zahlungsschwierigkeiten anzusprechen. „Zu Unrecht. Eine gemeinsame Lösung ist für beide Seiten definitiv die bessere Alternative.“

Ratenzahlung sei immer möglich gewesen, zum Selbstverständnis der Genossenschaft gehöre es, in der Krise erst Recht Lösungen zu finden.

Ein- und Auszüge weiter möglich

Mieterwechsel finden weiter statt, wie die Geschäftsführerin erläutert. Die Ein- und Auszüge dieser Tage seien schließlich langfristig angebahnt und fixiert. Nur bei Besichtigungen macht der Bauverein Einschränkungen, die ihm Mietausfälle bescheren. Mietern wird nicht zugemutet, Nachfolger zur Besichtigung einzulassen. 

Erst wenn die Wohnung leer ist, dürfen Interessenten gucken. Bei Umzügen rät Ruck, im Zweifel das Ordnungsamt zu fragen, wie der Kontaktschutz zu wahren ist.

Corona-Krise: Mieterbetreuung aufgestockt

Gut 8000 Menschen gibt die Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) in 3000 Wohnungen ein Zuhause, 254 Wohnungen sind es in Bönen und 410 in Bergkamen. „Wir sind auch gewerblicher Vermieter, haben da aber nichts Kleinteiliges wie Handwerker, und da auch keine Probleme“, sagt Geschäftsführer Matthias Fischer. Bei der Wohnungsvermietung zeigten sich noch keine Corona-Auswirkungen. „Wir haben aber allen Mietern schon mitgeteilt, dass wir Lösungen finden, wenn es durch Kurzarbeit oder Erwerbslosigkeit eng wird.“

Zudem habe die UKBS die Mieterbetreuung aufgestockt, statt vier seien nun sechs versierte Kräfte im „Frontoffice“ tätig, um Lösungen in die Wege zu leiten. Das sei auch vor dem Hintergrund geschehen, dass die Leute zu Hause bleiben sollen und dem dauerhaften Mit- und Nebeneinander in den Häusern auch zwischenmenschliche Probleme entwachsen können. Noch zeige sich das aber nicht.

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