Erntehelfer kommen in Kreis Unna

Spargel-Ernte findet trotz Coronavirus statt

Höchste Zeit für die Ernte, wenn so der Spargel aus der Erde lugt. Die Bauern brauchen Arbeiter dafür.
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Höchste Zeit für die Ernte, wenn so der Spargel aus der Erde lugt. Die Bauern brauchen Arbeiter dafür.

Nachtfrost zum Saisonstart dürfte den Spargelbauern an der Lippe noch nie so willkommen gewesen sein, wie in diesen Tagen. Ausländische Erntehelfer dürfen nun doch ins Land, aber aller Sorgen ledig sind die Bauern damit nicht.

Werne/Rünthe – Solange das edle Gemüse nicht en masse das lichtempfindliche Köpfchen durch die Krume schiebt, bleibt noch Zeit dafür zu sorgen, dass fleißige Hände zur Stelle sind, wenn die Stangen demnächst mit mehr Wärme nur so sprießen. „Ich habe meine Leute schon“, berichtet Antje Schulze Elberg von ersten Momenten der Erleichterung nach der nervenzehrenden Hängepartie der vergangenen Tage. „Das ist schon mal beruhigend nach der ganzen inneren Anspannung.“ 

Jetzt fragt sich die Rünther Spargelbäuerin aber nach wie vor, wie wohl die Kundschaft reagiert. „Wer kauft frischen Spargel, wenn er von Kurzarbeitergeld leben muss? Die Restaurants sind zu und fallen als Absatzmöglichkeit weg. Ich kann nicht wie gewohnt vermarkten.“ Deshalb hat Schulze Elberg die Vorbereitung der Felder für die Ernte schon gedrosselt und schiebt die Reife hinaus. 

Coronavirus im Kreis Unna: So sehen die aktuellen Entwicklungen aus.

Immerhin ist ihre angestammte Mannschaft aus Polen schon auf dem Hof. In der Nacht zu Montag waren die ersten da, die sich sofort auf den Weg gemacht hatten, als sich die Lockerung des Einreisestopps abzeichnete. 

Coronavirus im Kreis Unna: Teams von Erntehelfern sind komplett

Seit Donnerstagmorgen ist ihr Team komplett. Und zwar früher als geplant, weshalb noch nicht für alle ein Wohncontainer geliefert ist. „Ich bringe die Leute solange in meinem Haus unter, da ist Platz genug“, sagt die Bäuerin. Die Kräfte aus dem EU-Land dürfen bleiben, bis die Saison beendet ist. Wann das Spargelstechen aufhören soll, will die Erzeugerin nach Saisonverlauf und Qualität der Ernte entscheiden. Der Johannistag, 24. Juni, ist nicht mehr zwingend Ultimo. Los geht’s, sobald die gelben Schilder in den Hofladen am Westenhellweg einladen. 

Mit 15 Euro für das Kilo erste Wahl wird Johannes Laurenz an diesem Wochenende in die Saison starten, der Laden auf dem Hof Schulze Blasum ist Samstag und Sonntag von 9 bis 13 Uhr geöffnet. „Wir haben den ersten Spargel schon gestochen“, erzählt der Landwirt. Sechs Arbeiter aus Rumänien waren vor der Grenzschließung gekommen. Zudem haben sich zwei Deutsche verdingt, denen Laurenz anrechnet, dass sie sich dem Knochenjob stellen, auch wenn ihnen die Routiniers da weit voraus sind. 

Coronavirus im Kreis Unna: 19 Flüge sind verfallen

Wie das Geschäft noch Fahrt aufnehmen kann, soll sich bis zum Beginn der kommenden Woche klären. Das Zugeständnis des Bundes, ein Kontingent von 40.000 Erntehelfern – die Hälfte dessen, was nötig wäre – einreisen zu lassen, war am Freitag noch zu frisch, um alle Details zu regeln, geschweige denn, die Betriebe zu informieren. 

Wer bestimmt auf welchem Weg die Kontingente? Wie erfährt der Landwirt personen-scharf, wer von seinen Leuten ins Land darf? Und wer nimmt die geforderten Gesundheitschecks vor? „All diese Dinge werden in diesen Stunden geklärt“, teilte die Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Laura Jacobs, am Freitag auf Anfrage mit. „Geplant ist, dass der Deutsche Bauernverband auf seiner Homepage eine Online-Plattform einrichtet, auf der zentral der Bedarf der Betriebe erfasst wird.“ 

Auf diesem Wege sollen alle beteiligten Behörden eingebunden werden. So wie die Arbeitgeberverbände der Sonderkulturbetriebe, die ihre Mitglieder auf dem Laufenden hielten. Apropos laufen: Wann und wo in Rumänien ein Flugzeug abhebt, mit dem dann die Hälfte seiner Erntearbeiter ins Land kommt – und zwar ausschließlich auf dem Luftweg – weiß Laurenz auch noch nicht. Noch disponierten die Fluggesellschaften nichts, sagt er. 

19 Flüge für seinen ersten Trupp waren vergangenen Freitag verfallen. Jetzt dürfen aufs Ganze 30 statt 60 Arbeitskräfte kommen, und zumindest länger bleiben als die 90 Tage, die den Saisonarbeiten sonst maximal gestattet sind. 115 Tage gilt ihr Visum nun, damit lässt der Wechsel auf das nächste Team mit Aufenthaltsfrist etwas strecken. 

„Am besten wäre es, wenn die Leute einfach bis zum Saisonende durcharbeiten könnten“, meint Laurenz. Damit wäre auch dem Infektionsschutz gedient, weil ein- und dieselbe Mannschaft auf dem Acker und im Quartier beisammen bleibe – und auf Abstand, versteht sich.

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