Weniger Einsatzaufkommen, mehr Sicherheitsvorkehrungen

Rettungskräfte in Corona-Zeiten weiter im Dienst - aber mit Abstand und Vorsicht

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An den Atemschutz ist die Feuerwehr ja bereits gewöhnt – der Mundschutz allerdings ist neu dazugekommen.

Werne/Bergkamen/Bönen - „Bleibt Zuhause“: Für Rettungskräfte gilt dieser Satz freilich nicht. Wer auch in diesen Tagen die Notrufnummer 112 wählt, bekommt im Notfall Hilfe – durch Notarzt, Rettungsdienst oder Feuerwehr. Doch auch sie sind nicht immun gegen das Coronavirus.

Das Einsatzaufkommen hat sich seit der Kontaktsperre merklich gesenkt. „Im Bereich Feuerwehr sind die Einsatzzahlen massiv weniger geworden“, sagt Dirk Kemke, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bergkamen. Die Freiwillige Feuerwehr Bönen bemerkte allerdings noch keinen Rückgang. „Unser Gewerbe arbeitet weiter. Und auch die Brandmeldeanlagen sind weiter in Betrieb“, sagt Pressesprecher Timo Rinkewitz.

Dass viele Menschen zuhause bleiben, sorgt indes für weniger Verkehr – und so ging die Zahl der Unfälle auf Straßen und Autobahnen zurück. „Das bestätigen auch meine Kollegen aus den Nachbarkommunen, sogar Dortmund“, sagt Rainer Balkenhoff vom Rettungsdienst in Kamen. „Wir kämpfen um Nachschub“, sagt Balkenhoff mit Blick auf all die Dinge, die dem Selbstschutz dienen: Mundschutz, Schutzanzüge, Handschuhe. „Die Sachen sind bestellt und wir bekommen gute Nachrichten vom Kreis und den Lieferanten. Es gibt ein gutes Beschaffungsmanagement, aber wir brauchen dringend Material“, sagt Balkenhoff.

Coronavirus: Wehrleute mit Mundschutz im Einsatz

In Werne gehört der Mundschutz mittlerweile bei allen Einsätzen von Feuerwehr und Rettungsdienst dazu. Änderungen gibt es zudem in den Bereichen, in denen sich die Einsatzkräfte umziehen. So wird derzeit auch der nicht benötigte Raum der Jugendfeuerwehr zum Umziehen genutzt, teilt der stellvertretende Wehrführer Jörg Mehringskötter mit. Auch in den Fahrzeugen gibt es mehr Platz. „Statt neun Kameraden fahren jetzt nur noch sechs Personen mit, damit die nicht mehr eng an eng sitzen“, so Mehringskötter.

Die Feuerwehr Werne setzt auf Abstand und Mundschutz im Einsatzwagen.

Beim Rettungsdienst gibt es sogar einige ausgebildete Desinfektoren, die ein Auge darauf haben, dass die verschärften Hygieneregeln eingehalten werden. „Das gibt beispielsweise für den Krankentransport und die anschließende Reinigung der Fahrzeuge“, teilt Wernes Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens mit. 

Die Zielsetzungen sind bei Feuerwehr und Rettungsdienst gleich. „Es geht darum, die Einsatzfähigkeit zu erhalten und den Schutz der Mitarbeiter aufrecht zu erhalten“, stellt Mertens klar. Auch in Werne sind daher viele Schichten neu eingeteilt worden, um die Gefahr möglicher Ansteckungen untereinander möglichst gering zu halten.

Coronavirus: So wenig Begegnungen wie möglich

Der beste Schutz ist jedoch, Abstand zu halten. So wenig Begegnungen wie möglich ist das Ziel. „Wir haben deshalb die Wachabteilungen verändert“, erklärt Rainer Balkenhoff für den Rettungsdienst. Dank einer Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung, die bis 19. April gilt, kann auch der Rettungsdienst 24-Stunden-Dienste leisten, anstatt zweimal zwölf Stunden. So konnten vier Wachabteilungen mit gleicher Besetzung gebildet werden. Auch in den Außenstellen arbeiten über drei bis vier Wochen die gleichen Leute miteinander. „So verhindern wir eine Durchmischung“, erklärt Balkenhoff.

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Ein ähnliches Konzept verfolgt die Freiwillige Feuerwehr in Bönen. Der Löschzug 1 verfügt über zwei Standorte: einen an der Bachstraße und einen in Nordbögge. „Wir haben es nun so kommuniziert, dass die Einsatzkräfte darauf achten, nur noch einen Standort anzufahren und sich nicht mehr zu mischen“, erklärt Timo Rinkewitz. 

Im Corona-Fall müsste dann nur ein Standort außer Betrieb genommen werden. Auch wenn Hygienevorschriften und der Umgang mit kontaminierter Kleidung für Feuerwehrleute Alltag sind: „Wir haben verstärkt Desinfektionsmittel ausgegeben, das sowohl vor als auch nach dem Betreten der Umkleideräume benutzt werden soll“, erklärt Rinkewitz. Und auch das Hygieneboard auf den Fahrzeugen soll derzeit häufiger benutzt werden. „Es gilt einfach: Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht!“, sagt Timo Rinkewitz.

Coronavirus: Polizei versucht Bürgerkontakt zu minimieren

Auch bei der Polizei gibt es einige Veränderungen, insbesondere bei den Bezirksbeamten. „Derzeit sind die Schulen ja geschlossen. Die Beamten sind also nicht auf den Schulwegen zu finden, dafür aber vermehrt mit dem Ordnungsamt in den Städten und Gemeinden unterwegs, um hinsichtlich des Kontaktverbotes Ausschau zu halten“, erklärt Polizeisprecherin Vera Howanietz. Generell versuche man, den Bürgerkontakt auf ein Minimum zu beschränken.

„Möchte man zum Beispiel eine Anzeige in den Wachen erstatten, bitten wir zunächst darum das telefonisch zu machen, sodass man nicht großartig mit jemandem in Kontakt treten muss“, sagt Howanietz. Auch bei Einsätzen versuche man, Abstand zu halten. Die Wachen seien, was Mundschutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel angeht, alle ausgestattet. Die Nutzung richte sich jedoch nach gewissen Vorgaben. 

Howanietz: „Auch für uns ist nur begrenztes Material da und wir müssen damit haushalten. Es ist nicht so, dass wir generell alles mit Atemmasken machen, um dann, wenn wir wirklich in eine schwierigere Phase der Pandemie kommen sollten, kein Material mehr zu haben.“

Die Feuerwehr-Einsätze in Bergkamen werden jedoch in gewohnter Stärke gefahren – im Gegensatz zu Kamen. „Wir fahren beispielsweise zu Türöffnungen in kleineren Einheiten“, erklärt Balkenhoff. „Da müssen nicht neun Mann auf der Matte stehen.“ In einer Freiwilligen Feuerwehr lässt sich das aber nicht so rigoros umsetzen.

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