Ausschuss-Vorsitzender im Interview

Christian Schmid zum neuen Solebad: „Das wird gut für Werne“

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Christian Schmid ist in Dortmund geboren und in Werne aufgewachsen. Beschäftigt ist der 48-jährige Jurist beim Chemieunternehmen Evonik Industries. Am Hauptsitz in Essen leitet er die Konzernkommunikation.

Werne – Vom alten ins neue Solebad war’s kein Katzensprung. Über die Planungszeit mit ihren Aufregern und Wendungen spricht Christian Schmid im Interview. Der CDU-Ratsherr war bis 2016 Fraktionsvorsitzender seiner Partei und sitzt seit dem 24. September 2015 dem Bad-Betriebsausschuss vor.

Wann waren Sie das letzte Mal schwimmen und wo?
Im Urlaub. Ich bin kein regelmäßiger Schwimmer, aber schwimmbegeistert und liebe das Wasser. Meine beiden Kinder schwimmen hier im TV Werne. Das letzte Mal war ich vor drei, vier Wochen bei einem Wettkampf und habe zugeschaut.

In Kürze geht das neue Solebad in Betrieb: Mit welchen Gefühlen begleiten Sie das Ereignis?

Ich freue mich riesig, dass das alles geklappt hat. Wir haben in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten Gefühlslagen im Zusammenhang mit dem Bad durchlebt – von Enttäuschung über Wut, manchmal auch Zweifel, ob das was wird, und in den letzten Wochen und Monaten dann die deutliche Zuversicht: Das wird gut für Werne. Da kann die Stadt stolz drauf sein, dass wir das hinbekommen. Toll, dass uns das geglückt ist.

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Altenburg-Studie, Bürgerentscheid, Ärger mit pbr, Umplanung mit Geising+ Böker – dazwischen der Verdi-Streik samt Bad-GmbH-Insolvenz: Es hätte geschmeidiger laufen können, oder?
Ja, auf jeden Fall. Da waren viele Sachen dabei, für die wir gar nichts konnten, und andere Sachen, da mussten erst einmal Streitpunkte aus dem Weg geräumt werden. Politisch einen vernünftigen Kompromiss zu finden, hat viel Zeit gekostet und war an der ein oder anderen Stelle auch zermürbend. Die Diskussion ums Bad haben wir ja lange geführt. Ich erinnere mich an ein Plakat zur Kommunalwahl 2009 mit der Aufschrift: Wir wollen keinen Wellness-Tempel.

Ein großer Einschnitt in der Genese des Solebads war der 8. Juni 2015, als es im Ausschuss plötzlich hieß, der Bau werde knapp fünf Millionen Euro teurer als geplant. Wie haben Sie das erlebt?
Das war der Moment einer sehr großen Enttäuschung über den Partner, den wir vermeintlich gefunden hatten. Es hat ja niemand im Hinterzimmer irgendwelche Entscheidungen getroffen. Wir hatten lange um einen Konsens gerungen, Fachleute dabei, weil von uns Politikern ja noch niemand ein Bad gebaut hat – und wir waren anfangs vom Auftreten des Büros pbr sehr, sehr überzeugt. Der Mensch, der sich vor uns hinstellte, wirkte souverän, hatte hervorragende Referenzen, keine Spur von Zweifeln, und die Aussage war: Ich baue das Bad so, wie Sie das möchten. Der gleiche Mensch kommt dann später um die Ecke und sagt: Puh, da habe ich Fehler gemacht, das Ganze wird teurer.

Beim Blick zurück: Waren Sie zu gutgläubig? Wurden aus Ihrer Sicht grobe Fehler gemacht?
Nein. Ich kann guten Gewissens sagen: Wir haben keine groben Fehler gemacht. Das damalige Konzept war stimmig und gut und hatte auch die Empfehlung des Beraters Altenburg.

Kommunalpolitiker sind Ehrenamtler, entscheiden aber über Millionenausgaben. Haben Sie sich mit Blick aufs Bad wohlgefühlt mit dieser Situation?
Es kommt in der Politik auf das Finden eines gemeinsamen Willens an. Der Stadtrat hat in allen Bad-Entscheidungen eine sehr breite Mehrheit gehabt – etwa bei der Frage, nicht nur die Pflichtaufgaben zu schultern, sondern die Sole in Werne zu belassen. Das schönste Beispiel, dass die parlamentarische Zusammenarbeit funktioniert hat, ist das Ergebnis des Bürgerentscheids im September 2013. So wie sich damals die Bürger entschieden haben, für ein Familienbad mit Sole, hatte sich zuvor die Politik entschieden. Und warum? Im Rat sitzen ja Bürger. Das sind keine anderen Leute als die, die sich aufregen. Jeder von uns im Rat ist Organisationen und Vereinen in Werne verbunden – als Mitglied in der Feuerwehr, in der Kolpingsfamilie oder in Schützen- und Sportvereinen. Da kriegt man doch alles mit. Es ist zu einfach, wenn man sich hinstellt und sagt: Die Politik hat das ohne uns entschieden.

Sind Sie mit dem Bad, so wie es wird, zufrieden?
Ja. Das Bad ist ein guter und sehr vernünftiger Kompromiss. Es ist kein Wellness-Tempel mit Sole-Badehalle geworden und wir haben keine große Saunalandschaft mehr. Wenn man sich das leisten könnte, sollte man das tun. Aber wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben, und uns nur leisten, was wir uns leisten können. Das alte Bad war in der Fläche viel zu groß entwickelt und sehr aufwändig zu betreiben.

Die CDU und auch Sie hatten noch 2015 vorgeschlagen, das Bad in die Hände eines Privat-Unternehmens zu geben. Dazu ist es nicht gekommen: Hat Werne eine Chance verpasst?
Wir haben die Betreiberfrage intensiv diskutiert. Persönlich bin ich der Meinung, dass bei allem, das nicht Pflichtaufgabe ist, zu prüfen ist, ob es ein Privater nicht besser macht, weil er anders wirtschaften kann. Wir hatten früher beim Bad mit dem Quell-Modell eine Mischlösung, die nicht funktioniert hat. Man muss sich für das ein oder andere entscheiden. Und die Gretchenfrage ist: Lasse ich einen Privaten Geld mit einem Bad verdienen, das mit Steuergeld und damit vom Bürger gebaut wurde? Wir haben dann letztlich entschieden, dass die Solebad-GmbH als städtische Tochter weiter mit der Aufgabe betraut wird. Denn die Gefahr ist auch: Ein Privater geht mit dem, was ihm anvertraut wird, vielleicht nicht im Interesse des Eigentümers um.

Und jetzt besteht die Gefahr, dass nicht ordentlich gewirtschaftet wird?
Diese Gefahr besteht immer, wenn öffentliche Interessen mitspielen. Die Gastronomielösung ist aber ein gutes Beispiel, wie man dieser Gefahr begegnen kann. Wir haben gesagt: Das Kerngeschäft übernimmt die Bad-GmbH, das leckere Schnitzel und den fein schmeckenden Salat sollte aber der servieren, der Profi ist. Ich bin froh, dass wir Profis gefunden haben. Das Interesse an der Übernahme der Gastronomie war groß.

Die Diskussionen ums Solebad wurde mit harten Bandagen geführt, vor allem in der Zeit des Streiks. Verdi hat Ihnen 2015 vorgeworfen, ein „kompromissloser Hardliner“ zu sein, als Sie den Vorsitz des Bad-Ausschusses von Karsten Meinke übernahmen. Hat Sie das persönlich getroffen?
Mich hat in der Sache nur eines etwas nachdenklich gestimmt: Es sind ja Menschen, die da handeln und miteinander reden sollten. Wir hatten uns mit dem Verdi-Vertreter zweimal zu einem Gespräch verabredet – und zweimal ist er nicht gekommen. Da muss man sich schon fragen, worum es diesem Menschen damals überhaupt ging.

Rechnen Sie damit, dass Verdi erneut auf den Plan tritt und für Tariflohn trommelt?
In der Bad-Gesellschaft muss ein gutes Betriebsklima herrschen, sonst funktioniert das nicht. Und den Betriebsfrieden muss man aktiv schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auch über das gefundene Vergütungsmodell dazu beitragen, dass die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben. Hier wird keiner ausgebeutet. Wenn es der Geschäftsführung gelingt, dass sich alle an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, gibt es gar keinen Raum, irgendetwas zu verändern. In Sachen Solebad erneut einen Streit vom Zaun zu brechen – ich glaube, dafür hätte niemand in Werne Verständnis.

Zu I hrer Person: Wollen Sie die Zukunft des Bades weiterhin als Ausschussvorsitzender begleiten?
Ich habe ja noch eine Zeit lang und muss erst einmal fertig werden. Da reden wir dann noch einmal zur Kommunalwahl 2020 drüber.

Welche Hoffnungen knüpfen Sie an das neue Solebad? Was wünschen Sie ihm für die Zukunft?
Die Tradition, die wir mit dem Solebad haben, wird sehr schön von den Fotos abgebildet, die an den Wänden im neuen Solebad hängen. Da sind Menschen als Kind zu sehen, die heute im Seniorenalter das Bad besuchen. Man sieht: Das Bad und die Sole gehören zu Werne. Beides ist nicht selbstverständlich und gibt Werne das i-Tüpfelchen. Das Solebad ist ein Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Region und wirkt sich positiv auf die Qualität des Lebens in Werne aus. „6 Prozent Sole, 100 Prozent Entspannung“ – das ist übrigens ein toller Werbespruch, den sich das Bad ausgedacht hat. Ich wünsche dem Bad in den kommenden 30 Jahren viele zufriedene Besucher. Und in 35 Jahren reden wir dann vielleicht schon über die Planungen fürs nächste.

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