Ratsmehrheit besiegelt Ende des Lehrschwimmbeckens zum Sommer '19

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Auf den Rängen zeigten die Stockumer für den Erhalt des Lehrschwimmbeckens Flagge.

Werne - Keine Kehrtwende beim Lehrschwimmbecken: Im Sommer ist Schluss, so will es eine Ratsmehrheit.

Die von der CDU kurzfristig geweckte Hoffnung auf einen NRW-Zuschuss für die Sanierung des Stockumer Lehrschwimmbeckens hat die Mehrheit des Rates und Bürgermeister Lothar Christ nicht dazu bewegen können, von der Schließung abzurücken. Vor gut 70 Zuschauern lehnten sie in namentlicher Abstimmung den CDU-Antrag auf langfristigen Erhalt mit 21:14 Stimmen bei zwei Enthaltungen ab. Mit gleicher Mehrheit ist die Schließung zum Schuljahresende entschieden.

Große Enttäuschung bei den Stockumern 

„Wir sind enttäuscht, es ist schade, dass es nun beschlossene Sache ist“, sagte Sascha Ahnsehl in einer ersten Reaktion. „Wir hatten uns erhofft, dass man doch zumindest noch mal darüber nachdenkt.“ Ahnsehl gehörte gestern Abend zu den vielen Stockumern, die im Rathaus für das Lehrschwimmbecken Flagge zeigten. Er hatte im Bezirksausschuss offiziell für die Arbeitsgemeinschaft gesprochen, die sich für den Erhalt engagiert und 2 600 Unterschriften gesammelt hat. „Wir werden uns auf jeden Fall weiter treffen und jetzt besonders auf die alte Turnhalle aufpassen“, ergänzte Marianne Kreienbaum, als die Mitstreiter murrend oder kopfschüttelnd aus dem Saal stapften. „Eine Lachnummer“ und „Wir werden doch verarscht“, grummelte es da.

SPD: CDU-Antrag ist purer Populismus

Etwas mehr als eine Stunde hatten die Fraktionen zuvor mit den bekannten Argumenten diskutiert. Einzig die CDU plädierte für den langfristigen Erhalt. Die von ihr kurzfristig ins Gespräch gebrachte Aussicht auf 90 Prozent NRW-Zuschuss für den prognostizierten Sanierungsbedarf von einer Million Euro änderte das Meinungsbild nicht. Im Gegenteil: „Das ist Populismus pur und Augenwischerei“, ging Dirk Pohl für die SPD die Union scharf an. Fraktionschef Willi Jasperneite verwahrte sich dagegen. Er hatte eingangs aufgezählt, welche aus Stockumer Sicht leidvollen Einschnitte der Ortsteil schon verkraften musste und vehement appelliert, die Option auf den Erhalt zu wahren, indem versucht wird 2019 oder ‘20 an Fördergeld zu kommen. „Das deckt zwar nicht die Betriebskosten. Aber nach 25 Jahren stünde da gerade mal die Summe, die das Solebad in einem Jahr kosten wird“, so Jasperneite. Zudem sei das neue Bad attraktiver, wenn sich dort weniger Gruppen die Becken teilen müssten.

FDP: Einwand hätte in Badplanung erfolgen müssen 

Pohl hielt dagegen, dass die Belegungspläne die Zustimmung des Stadtsportverbandes finden und nicht erkennbar sei, dass die Stockumer Sportler eingeschränkt würden. „Das würde ja bedeuten, dass wir das falsche Bad bauen“, argumentierte auch Claudia Lange (FDP). „Den Antrag hätte Sie vor drei Jahren stellen müssen.“ Da ist mit Stimmen der CDU entschieden worden, das Solebad so zu konzipieren, dass Ersatz fürs Lehrbecken entsteht. „Die CDU schert hier aus“, befand Dr. Eberhard Stroben (Grüne) mit Blick darauf, dass dieser Beitrag zur Haushaltskonsolidierung mal Konsens gewesen sei. Die Folgen gingen zulasten aller steuerzahlenden Bürger. Bürgermeister Christ zeigte Verständnis für die Emotionen der Stockumer. Die Haushaltsmisere verlange aber einen nüchternen Blick auf alle Aspekte. Dabei lege er größten Wert darauf, Werne familienfreundlich zu halten, Angebote wie Bücherei und Museum zu sichern. Das mache hier die Schließung nötig. 

UWW bringt Gewerbesteuererhöhung ins Gespräch

Reinhard Stalz (UWW) bot an, die CDU zu unterstützen, wenn die eine Erhöhung der Gewerbesteuer mittrage. Das blieb ebenso ohne Chance wie sein Antrag, das Stockumer Becken vorerst im „Stand by“ zu halten, falls die Belegung am neuen Bad doch nicht passt. Daraufhin enthielt sich die UWW. Martin Pausch (Die Linke) wollte mit der CDU den Erhalt gegen deren Weigerung aufrechnen, aus Kostengründen der Badbelegschaft Tariflohn zu zahlen. Er bat um eine Pause, um intern einen nicht näher beschriebenen Kompromiss zu erörtern. Das wollte niemand.

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