Die Bullemänner begeistern im ausverkauften Kolpinsaal

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„Die Bullemänner“ und ihre „Tastenfachkraft“ Svetlana Svoroba sorgten im ausverkauften Kolpinghaus mit ihrem Auftritt für ein vergnügtes Publikum.

Werne - Ein ausverkaufter Kolpingsaal, ein höchst vergnügtes Publikum und jede Menge Szenenapplaus: Die „Bullemänner“ haben am Mittwochabend wieder einmal bewiesen, dass sie ein Erfolgsgarant sind.

Augustin „August“ Upmann legt auf einen imaginären Schützenvogel an. Seine Finger krümmen sich um die Luft-Kalaschnikow. Er fängt den Rückstoß auf und schaut in Richtung Vogelstange. Blinzelt und schaut noch einmal hin. Wirft einen flehenden Blick ins Publikum. Seine Unterlippe beginnt zu beben, sein Mund öffnet und schließt sich wie bei einem Fisch auf dem Trocknen. Die Kalaschnikow hat den Vogel komplett von der Stange geholt. Heinz „Heini“ Weißenberg kommentiert das mit Wumtata, mit Trommelwirbeln und Fanfarenstößen. Ohne Instrumente, nur mit Hilfe seiner Kehle. 

Egal ob Slapstick, Pantomime oder Imitation, die beiden „Bullemänner“ jonglieren in ihrem aktuellen Programm „Schmacht“ einmal mehr mit allen Möglichkeiten der Komik. Dörfliche Schützenfeste müssen ebenso dran glauben wie Dating-Portale oder das Phänomen des Westfalen an sich. 

Auch Werne bekommt sein Fett weg

Ein Thema hat es den Kabarettisten besonders angetan und zieht sich wie ein roter Faden durchs Programm: Flüchtlinge oder, genauer gesagt, die Art, wie manche damit umgehen. Upmann und Weißenberg verpacken ihre Kritik höchst amüsant, dabei ist ihnen die Angelegenheit sehr ernst. Denn sie schrecken vor deutlichen Worten nicht zurück. „Braune Wiesen, fällt in Chemnitz ja nicht so auf“, lästert „Heini“ in seiner Wetter-Schau auf den trockenen Sommer. Und an anderer Stelle spottet er in der Rolle eines Nachtwächters, der ein Flüchtlingslager wie ein Boot-Camp führt: „Den Fehler mit dem Verhätscheln haben wir ja schon mal gemacht; die Ossis kriegen wir jetzt nicht mehr integriert.“

Nicht jeder Witz ist brandneu. Dass ein Deutscher Schäferhund nicht Gassi geht, sondern ausrückt, haben zumindest Hundeliebhaber bereits beim Hundeflüsterer Martin Rütter gehört. Aber manche Gags sind so gut, die hört man gerne mehrmals, vor allem, wenn sie so charmant stoisch präsentiert werden wie es „Bullemänner“ tun.

Real-Satire: Schützenfest

Auch Werne bekommt sein Fett weg. Upmann und Weißenberg haben sich über die aktuelle Situation vor Ort informiert. „Amazon ansiedeln und sich dann wundern, wenn die Geschäfte leer stehen“ – für diese Spitze gibt es anhaltenden Szenenapplaus. „Da muss man was tun, nur warten, bis man sich wieder in die Sole legen kann, ist nicht“, appellieren die beiden gebürtigen Selmer. 

Musikalisch werden sie von ihrer bewährten „Tastenfachkraft“ Svetlana Svoroba unterstützt. Die hämmert fröhliche Rock-Rhythmen aufs Klavier oder untermalt Upmanns lyrische Hymne an eine Fliege auf dem Plumpsklo mit perlenden Klängen. Die unglückliche Liebe einer Ikea-Stehlampe zum Miele-Geschirrspüler inszeniert das Trio als Mini-Oper mit vibrierendem Pathos. Vergnügt präsentiert Svetlana außerdem eine Real-Satire: Aus einer Schützenzeitung zitiert sie den Bericht einer Jahreshauptversammlung. Da wimmelt es von „Ortsfahnenschwenkmeistern“, dem „Ortsfahnenschwenkausschuss“ und dem „Bundesfahnenschwenkerlehrstab“. 

Angesichts der politischen Lage und anderer Kuriositäten scheint die Welt reif für einen „Westfälischen Frieden“. „Das ist der Zustand, wenn keiner mehr kann“, erklärt Weißenberg. „Also bei Familienfeiern nach’em Mittag vor’m Kaffee.“

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