Flüchtlingsfamilien erhalten Wohnung

WERNE - Das „Leverkusener Modell“ macht in Werne von sich Reden, seit am Samstag das „Transnationale Aktionsbündnis“ bei der Kundgebung am Markt gefordert hat, keine Flüchtlinge mehr in Wohncontainern unterzubringen, sondern wie Leverkusen in Wohnungen zu vermitteln.

Nach Auskunft der hiesigen Verwaltung könnte man aber ebenso gut vom „Werner Modell“ sprechen. Denn die Unterbringung von Asylbewerbern auf dem Wohnungsmarkt ist gängige Praxis – zumindest, wenn es um Familien geht, die längere Zeit in Werne bleiben.

„Wir sind schon vor Jahren dazu übergegangen, die Leute in Wohnungen unterzubringen. Das machen wir auf dem Wege der Eigeninitiative, indem wir den Betreffenden die Genehmigung erteilen, sich eine Wohnung zu suchen“, erläuterte Alfons Högemann vom Sozialamt. Davon ausgenommen seien allerdings „die Junggesellen, weil das Reisende sind.“

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Mit der Aufgabe der Übergangswohnheime im Dahl und im ehemaligen Internat verfolgt die Stadt das Konzept. „Damals waren die Bedingungen am Wohnungsmarkt sehr günstig, was heute nicht mehr der Fall ist“, so Högemann. Da Flüchtlinge keinen Wohnberechtigungschein und kein Wohngeld bekommen, sondern nur Erstattungssätze nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz, sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Sie dürfen in keine geförderte Sozialwohnung ziehen, die Miete ist auf 4,85 Euro pro Quadratmeter gedeckelt.

So haben aber von den aktuell 111 Flüchtlingen in Werne 49 eine Wohnung bekommen, darunter zwei Junggesellen, denen wegen ihres Gesundheitszustands eine Wohnung eingerichtet wurde. Im Lindert leben neben den Alleinstehenden, so Högemann, aktuell eine Mutter mit Kind, die zu Februar in eine Wohnung wechselt und eine Familie, deren Umzug derzeit geklärt wird.

Es sei mit Blick auf die Vermieter und den von der Stadt zu leistenden Aufwand für die Haushaltsausstattung schwierig, „Menschen, die sich wahrscheinlich nur kurzfristig hier aufhalten, in Wohnungen zu vermitteln“, sagte er weiter. Viele Asylbewerber würden sich gegen ihren Willen aufgrund der Zuweisung in der Stadt aufhalten und zögen meist fort, sobald ihr Antrag bewilligt sei.

Die Unterbringung in Wohncontainern halten die Verantwortlichen im Stadthaus generell für angemessen. Dass die Unterkunft im Lindert in schlechtem Zustand ist, bestreitet niemand. Aus diesem Grunde seien Neuanschaffung und Erweiterung ins kommende Jahr vorgezogen worden, erläuterte Rainer Kröber vom Kommunalbetrieb. Mit der Freigabe der veranschlagten 640 000 Euro sei mit der Haushaltsgenehmigung im Frühjahr zu rechnen, danach will der KBW die Ausschreibung angehen. Aus Sicht der Verwaltung stellt sich die Frage nach Alternativen dazu nicht. - bkr

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