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Bönener Unternehmen ziehen Bilanz nach acht Monaten Pandemie

Industriegebiete Am Mersch und Edisonstraße in Böen
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Die Firmen im Bönener Industriegebiet kommen ganz unterschiedlich durch die Krise

Bönen – In den Bönener Industriebgebiet sind verschiedene Branchen angesiedelt. Das macht die Frage besonders spannend, wie sie denn – bei allen Unterschieden – die Corona-Pandemie bislang durchgestanden haben. Eine Umfrage unter den in Bönen angesiedelten Firmen ergibt dann auch ein differenziertes Bild. Einige Unternehmen haben mit massiven Auftragseinbrüchen zu kämpfen, andere haben die Krise bisher gut meistern können.

Nox Nachtexpres

Das Unternehmen ist ein klassischer Kurier-, Express- und Paketdienst, der sich im Nachtexpress-Dienst auf die Lieferung zwischen Unternehmen spezialisiert hat. Besonders die Automobilbranche und Landmaschinenhersteller zählen zu den Kunden des Unternehmens. „Tatsächlich haben wir, wie viele andere Branchen auch, die Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt“, sagt Pressevertreterin Heike Steinmetz. So wirkte sich im Frühjahr vor allem den Auftragsrückgang in der Automobilindustrie aus. Mittlerweile habe sich das Sendungsvolumen aber wieder weitgehend normalisiert.

Aktuell sei spürbar, dass sich weitere Branchen erholen, sodass für die europäischen und nationalen Standorte zuversichtlich in die Zukunft geschaut wird. Bei den 31 Mitarbeitern am Standort Bönen gab es keine Kündigungen, und auch die Kurzarbeit wurde nur in wenigen Sparten genutzt.

Döllken Profiles

Die Firma Döllken Profiles sei verhältnismäßig gut durch die Zeit gekommen, wie Pressesprecherin Katharina Omlor erklärt. Natürlich sei der Markt verhaltener, aber insgesamt sei die Baubranche nicht so stark betroffen wie andere Bereiche. So sei man bislang auch ohne Kurzarbeit durch die Krise gekommen. Großveranstaltungen, wie nationale und internationale Messen, auf denen das Unternehmen regelmäßig zu Gast war, fallen derzeit aus. Das Unternehmen blicke aber mit großer Zuversicht in die Zukunft.

Weiterhin liege eine stabile Auftragslage vor und in der Kundengruppe Bau- und Fachmärkte wachse diese weiter.

Welser Profile

Auch der österreichische Konzern Welser Profile, der an der Edisonstraße 23 eine Niederlassung hat, ist bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen: „Wir nehmen die Herausforderung durch das Virus sehr ernst und gehen deshalb seit Beginn der Pandemie mit unseren Schutzmaßnahmen präventiv voran“, sagt Pressesprecher Werner Stöbich.

Vereinzelte Quarantäneanordnungen und positive Testungen seien nicht dem Arbeitsumfeld geschuldet, denn von der Nutzung des Mund-Nase-Schutzes bis zur festen Umsetzung aller Abstandsregeln werde in Bönen, wie im gesamten Konzern penibel auf die Sicherheit geachtet. Wirtschaftlich gebe es zwar Kurzarbeit in einzelnen Bereichen, doch insgesamt verzeichne der Konzern in diesem Jahr angesichts der aktuellen Umstände ein immer noch zufriedenstellendes Ergebnis.

Gea Farm Technologies

Gea ist einer der größten Anbieter für systemrelevante Industrien wie die Nahrungsmittelindustrie und die Milchwirtschaft, für die am Standort Bönen entsprechendes Equipment produziert wird. Aufgrund des frühzeitig aktivierten Krisenmanagements habe man die Situation bisher sehr gut handhaben können, erklärt Vize-Präsident Marc Poenitz. Die Tatsache, dass die Kunden des Werkes und der Versanddienstleistungen aus Bönen mit lebenden Tieren arbeiten, habe geholfen. „Die müssen auch im Falle von Lockdowns betreut, gefüttert oder gemolken werden“, so Poenitz. Deshalb können viele Projekte nicht aufgeschoben werden. Trotz des Lockdowns konnte im ersten Halbjahr fast das gleiche Auftragsvolumen, wie im Vorjahr erzielt werden.

Im Hinblick auf den Schutz der Mitarbeiter hätten die Erfahrungen geholfen, die Gea mit der aufkommenden Pandemie in den Werken anderer Konzernbereiche in China früh im Jahr gemacht hat. Täglich werde neu bewertet, wo man im Bezug auf die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter stehe. Auch die Reisetätigkeit von Mitarbeitern sei auf ein Minimum reduziert worden.

Stahlwerk Unna

Besonders stark getroffen von der Pandemie wurde das Stahlwerk Unna: „Wir liefern Stahl in höchster Qualität für verschiedene Branchen. Da die gesamte Industrie unter der Corona-Krise sehr gelitten hat, waren wir natürlich auch betroffen“, sagt Geschäftsführer Ralf Schamp. Nach rund fünf bis sechs Monaten werde die Produktion derzeit wieder langsam hochgefahren. Für den Betrieb sei es von größtem Interesse, ohne Entlassungen auszukommen. „Wir haben äußerst qualifiziertes Personal, mit dem wir natürlich auch nach der Krise dauerhaft gut zusammenarbeiten möchten“, so Schamp. Deswegen lobt der Geschäftsführer die Maßnahmen der Bundesregierung: „Diese haben es wirklich ermöglicht, trotz aller Umstände, die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten“, so Schamp. Ohne die Maßnahmen sähe es garantiert wesentlich schlechter aus.

Kik

„Die Corona-Pandemie hat auch die Logistik von Kik in noch nie da gewesener Art und Weise gefordert“, sagt Bereichsleiter Henning Marten. Dank Krisenteams und Notfallplänen habe man aber gut reagieren können. So sei es gelungen, die weltweiten Lieferketten aufrecht zu erhalten und die Filialen durchgehend mit der notwendigen Ware zu versorgen. Im Großlager sowie in der Unternehmenszentrale in Bönen werden sehr strikte Hygienekonzepte umgesetzt. Arbeitsplätze und -zeiten werden mittels eines Mehrschichtsystems entzerrt und Hygienestationen sollen für größtmögliche Sicherheit sorgen. Wo immer möglich, sollten Mitarbeiter ins Homeoffice wechseln. Jede Reisetätigkeit ist derzeit untersagt.

Schmitz und Söhne

Als Hersteller von medizintechnischen Produkten, vom Gynäkologen- und Urologenstuhl, über OP-Tische, bis zu Entbindungsbetten und Transportern, ist das Unternehmen Schmitz und Söhne weltweit aktiv und auch in der Krise gefragt. Nach einem hervorragenden ersten Halbjahr sei es im Medizinbereich etwas ruhiger geworden, wie Frank Rossmann, Leiter der Logistik und Fertigungsplanung am Standort Bönen erklärt. „Im Sommer ist die Nachfrage dann etwas eingebrochen, da in unseren Fachbereichen weniger Behandlungen erfolgten“, so Rossmann. Die Phase habe das Unternehmen jedoch ohne Kurzarbeit, sondern mit Urlaub und dem Abbau von Überstunden gut abfangen können. Inzwischen laufe es wieder sehr gut, sodass trotz der Coronakrise das wirtschaftliche Vorjahresergebnis angepeilt werde.

Spedition Denninghaus

Von einem Jahr mit massiven Einbrüchen spricht Tim Fickermann, Geschäftsführer der Spedition Denninghaus. „Da wir viele Filialen von Einzelhandelsketten beliefern, brachte gerade das zweite Quartal mit dem ersten Lockdown für uns einen riesigen Einbruch.“ Auch das Container-Terminal war aufgrund der Unterbrechung der weltweiten Lieferketten von der Krise betroffen.

In der Spedition konnten die Ausfälle aber durch den Abbau von Überstunden und Urlaub ohne Kurzarbeit ausgeglichen werden. Lediglich einige kaufmännischen Mitarbeiter des Terminalbetriebs wurden für wenige Wochen in Kurzarbeit geschickt. „Der Abbau der Überstunden und des Urlaubs würde im Falle eines zweiten Lockdowns aber keine Option mehr darstellen“, so Fickermann. An eine Erholung in diesem Jahr, etwa durch das Weihnachtsgeschäft, glaubt Fickermann nicht. „Da sind die Zahlen bereits seit Jahren rückläufig, was vermutlich auf den Onlinehandel zurückzuführen ist“, so der Geschäftsführer. Insgesamt hoffe die Unternehmensgruppe aber, mit einem blauen Auge aus dem weltweiten Krisenjahr herauszukommen.

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