Prozess in Münster

Nagelstudio-Clan-Mitglieder liefern sich offene Schlägerei

Vor dem Landgericht Münster begann am Freitag, 26. Juni 2020, der Prozess gegen den „Nagelstudio-Clan“. Die sechs Angeklagten werden von zwölf Anwälten verteidigt.
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Vor dem Landgericht Münster begann am Freitag, 26. Juni 2020, der Prozess gegen den „Nagelstudio-Clan“. Die sechs Angeklagten werden von zwölf Anwälten verteidigt.

Im Nagelstudio-Prozess um Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Geldwäsche, von dem sich vieles auch in Werne abspielte, sind am Montag vor dem Landgericht Münster neue Details ans Licht gekommen.

Von Matthias Münch

Werne - Keineswegs ging es an der Spitze des Nagelstudio-Clans immer friedlich zu. Manchmal flogen sogar die Fäuste, wie am Montag (3. August) ein Zeuge am Landgericht Münster berichtete. Dort setzte die 12. Große Strafkammer nach kurzer Sommerpause den so genannten Nagelstudio-Prozess fort, der auch illegale Geschäftspraktiken in Werne und einen Angeklagten aus Bergkamen betrifft.

Im Zeugenstand saß der Besitzer eines Ladenlokals in Dülmen, das der 55-jährige Chef des vietnamesischen Clans ab Mitte 2016 für ein Nagelstudio gemietet hatte, obwohl er gegenüber auf derselben Straße schon ein Studio betrieb. Er wollte unliebsame Konkurrenz fernhalten. Die kam dann aber doch, ausgerechnet in Person seines jüngeren Bruders, dem zweiten Hauptangeklagten im laufenden Verfahren. Direkt neben dem zweiten Laden des Clanchefs eröffnete der Bruder einen weiteren Betrieb. In der Folge liefen alle Studios schlechter, was zu einer Prügelei der beiden Deutsch-Vietnamesen führte. Auf offener Straße soll dabei einer zu Boden gegangen sein. 

Prozess gegen Nagelstudio-Clan: Vermieter berichtet von Tausenden Euro fehlender Miete

Die Schilderungen des Vermieters gaben Einblick in einen eigenen kleinen Kriminalfall im Rahmen des großen Bandengeschehens. Denn wo die Staatsanwaltschaft Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe anklagt, wurden auch Geschäftspartner und Vermieter betrogen.

Der Zeuge bekam die Miete für sein Ladenlokal einige Monate regelmäßig. Dann stoppte der Angeklagte die Überweisungen und war wegen häufig wechselnder Telefonnummern schwer zu erreichen. Fortan bezahlte er die Miete nur noch in bar. Mit kleinen Scheinen, die er in größeren Mengen in der Hosentasche hatte. Ab Dezember 2018 bekam der Vermieter gar nichts mehr. Auch die vereinbarte Kaution sah er nie. Am Ende blieb er auf etlichen Tausend Euro hängen. Briefe seines Rechtsanwalts an den Mieter kamen zurück. Denn der Angeklagte benutzte immer einen falschen Namen, nämlich den seiner mitangeklagten Nichten. Ob er die Unterschrift der Nichte aus Rottweil fälschte oder von deren älterer Schwester, das wurde nicht klar. Offenbar setzte er Namensteile munter zusammen.

Was andere Vermieter erlebten, wird die Kammer in den nächsten Wochen zu klären haben, wenn sie sich durch die illegalen Geschäfte kreuz und quer durch NRW wühlt. In allen Städten hatten die Ermittler die Nagelstudios über zwei Jahre intensiv observiert. Als sie dann am 20. November 2019 mit einer Großrazzia im ganzen Land zuschlugen, war das Werner Studio schon wieder geschlossen. Doch auch dort hatten sie schon einiges Material gesammelt.

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