Beinahe 90 Prozent der Horne-Fische sind tot

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Kreis-Fischereiberater Michael Prill untersuchte den Fischbestand der Horne nach dem Gülle-Unfall. Die Folgen des Vorfalls sind verheerend.

Werne - Das Fischsterben in der Horne am vergangenen Donnerstag ist ein herber Rückschlag für das gesamte Ökosystem des Gewässers. Das bestätigten Untersuchungen des Kreis-Fischereiberaters Michael Prill.

Er hat am Samstag eingehender untersucht, wie groß der Schaden ist, und fand seine argen Befürchtungen bestätigt. 87 Prozent weniger Fische als noch bei seiner Kontrolle im Herbst 2016 hat Prill nach dem wahrscheinlich durch Gülle verursachten Fischsterben am Samstag gezählt.

Schon in einer ersten Einschätzung am Donnerstag hatte der Fachmann davon gesprochen, dass „eine hohe dreistellige Zahl“ an Tieren verendet sei. Ins Auge fiel das durch die etwa 150 toten Fische, die allein vorm Stadtpark zwischen der Hornemühle und dem Stadtsee entdeckt worden waren. 

Fünf Jahre Arbeit zunichte gemacht

Dort begab sich Prill zuerst auf die Suche, watete insgesamt an zwei Stellen 600 Meter durch den Bach und ging mit Elektroschlinge und Kescher auf Fang. Die Tiere werden dabei für die Zählung und Begutachtung kurz herausgenommen, schwimmen dann aber munter weiter. 

Auch im Oberlauf, wo nach einer Gülle-Panne auf einem Hof in Holthausen der sauerstoffzehrende Dung über einen Graben in die Horne gelangte, ist der Bestand stark dezimiert. 111 Fische gingen Prill ins Netz, gerade einmal 34 fand er am Ort unweit der Unfallstelle. 

Besonders tragisch: Keine einzige lebende Quappe zeigte sich. Die bedrohte Tierart hatte Prill mühsam in der Horne angesiedelt. „Fünf Jahre Arbeit sind zunichte gemacht“, seufzte er. 

Ökosystem insgesamt geschädigt

Unter den knapp tausend toten Fischen vom Donnerstag waren neben kleineren dreistachligen Stichlingen auch größere Arten: Döbel, Brassen oder Flussbarsche. Noch weit mehr Exemplare als gesichtet sind wohl in die Lippe gespült worden. 

Das gesamte Ökosystem sei beschädigt. Gerade in Gewässern, die so wenig Wasser führen wie die Horne, habe Gülle eine fatale Wirkung auf das gesamte Biotop, so der Fachmann. Mittlerweile sei der Schadstoff aber so weit verdünnt, dass er keine Gefahr mehr darstelle. 

Für Prill ist es jetzt am wichtigsten, dass alle aus dem Vorfall etwas lernen: „So etwas darf nie wieder passieren.“ Naheliegende Konsequenz für den Fischereiberater: Ein sicherer Mindestabstand zwischen Güllelagerung und Gewässern. 

Probleme gab es an der Horne immer wieder mal. Zuletzt 2012, als bei einer Klärbeckensäuberung am Autohof über die Düsbecke Schadstoffe in die Horne gelangten. Das habe aber nicht so schlimme Folgen gehabt wie der jüngste Vorfall. 

Berater will wieder Jungfische aussetzen 

Prill wird sich wieder daran machen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagte er. Im Februar 2019 will er wieder versuchen, Jungquappen anzusiedeln. Fraglich ist aber noch, ob der Fischereiverband NRW dafür erneut Geld hat. 

Die Aktion, bei der Friedhelm Bock und Werner Zicke vom Angelsportverein Werne-Lippetal den Berater unterstützten, hatte auch Lichtblicke: Zu seiner Freude stieß Prill immerhin auf sechs seltene Groppen, die der Gülle wohl entkommen sind.

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