Am Beckingsbusch

Tempokontrolle von Polizei und Initiative: Kinder lassen keine Ausreden gelten

+
Ganz genau hingeschaut haben die beiden fünfjährigen Kitakinder Marlon und Ahmed (Mitte) bei der Geschwindigkeitsmessung vor der Barbaraschule.

Werne – „Normalerweise halte ich mich dran“, „Ich habe das Schild nicht gesehen“ oder auch „Das Schild kenne ich gar nicht“: Bunt gemischt waren die Ausreden der Autofahrer, die am Montagmorgen am Beckingsbusch schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs waren.

Sie wurden von der Polizei und ganz besonderen Helfern angehalten. Statt eines Knöllchens gab es bei zu schnellem Fahren eine Ermahnung – und zwar von den Kindern der Kitas „Unter dem Regenbogen“ und „An der Schule“.

„Die Leute sollen sehen, für wen sie langsam fahren sollen“, erklärte Daniel Steinhoff von der „Initiative lebendige Spielstraße“ den Hintergrund der Aktion, bei der die Geschwindigkeit der Autos eine Stunde lang im Bereich vor der Barbaraschule mithilfe eines Lasermessgeräts kontrolliert wurde. Und tatsächlich: Die Aktion schien eine Wirkung zu haben – auch wenn nur wenige Fahrzeuge den Bereich passierten.

Dreimal schneller als erlaubt

So, wie bei einer älteren Dame, die mit Tempo 22 und damit drei Mal schneller als erlaubt unterwegs war. In anderen verkehrsberuhigten Straßen in Werne – den umgangssprachlichen „Spielstraßen“ – fahre sie immer nur mit Schrittgeschwindigkeit, beteuerte sie. Dass Tempo 7 auch hier gelte, habe sie nicht gewusst. Immerhin sah sie ihr Fehlverhalten ein und versprach, künftig durch alle Spielstraßen „zu kriechen“, also ganz langsam zu fahren. 

Ob die Anwesenheit der Kinder ihre Einsicht bekräftigt habe? „Wenn die einen anschauen und man hat selbst so einen Zwerg, dann denkt man schon anders, denn es könnte auch mein Enkel sein“, sagte die Autofahrerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Für ihr Versprechen, besser auf den Tacho zu achten, gab es ein Dankeschön von den Kitakindern, die bei der Aktion in zwei Gruppen aufgeteilt waren. Denn schon vorher hatten sie Plakate gebastelt, auf denen entweder „Danke“ für das langsame Fahren stand oder „Schritttempo“ als Appell an eine gemäßigtere Geschwindigkeit. Letzteres wurde öfter eingesetzt als das „Danke“-Schild.

Polizei hofft auf besonderen Effekt

Aus Sicht der Polizei war die Aktion, die bald in weiteren drei Kitas in Werne durchgeführt wird, erfolgreich. „Lieber ermahnen wir die Autofahrer einmal, als dass sie 15 Euro zahlen und es interessiert sie nicht“, sagte Polizeihauptkommissar Axel Scheunemann. Für die Autofahrer sei es schließlich unangenehmer von den Kindern auf ihr Fehlverhalten hingewiesen zu werden, als von der Polizei. 

Ein Bewusstsein sollte unterdessen nicht nur bei den Verkehrsteilnehmern geschaffen werden. „Wir wollen auch den Kindern zeigen, dass sie auch auf einer Spielstraße aufpassen müssen“, betonte Daniel Steinhoff von der „Initiative lebendige Spielstraße“. Genau das freute auch Erzieherin Stephanie Althoff, die die Bedeutung von Verkehrserziehung für die Kinder hervorhob. Spaß hatten die Fünf- und Sechsjährigen allemal, wie sie selbst sagten. „Sie hatten sich schon auf die Polizei gefreut“, meinte Althoff – anders, als vermutlich manch einer der erwischten Autofahrer...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare