Tarifstreit in Werne

Bad-Mitarbeiter bald arbeitslos statt tariflos?

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verdi Versammlung Bürger-Info Solebad Werne von links: Christian Jürgens, stehend Ortwin Bickhove-Swiderski, Renate Mackenberg.

WERNE - Die Badbelegschaft bald komplett arbeitslos statt „nur“ tariflos? Dieses Szenario eines desaströsen Ausgangs des monatelangen Arbeitskampfes ist in der ergebnislosen Debatte um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ eine um sich greifende Vermutung. Mit der Verdi-Bürgerversammlung im Kolpinghaus am Donnerstagabend ist der mögliche Schiffbruch im Tarifstreit aber deutlich in den Fokus gerückt.

Als sich die insgesamt eineinhalbstündige Diskussion mit knapp 100 Teilnehmern ohne den erhofften Lösungsverschlag im Kreise zu drehen begann, sah der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Karl-Friedrich Ostholt den Moment gekommen, den Gewerkschaftern energisch zu widersprechen: Statt sich über die Tarifflucht zu beklagen, sollte Verdi lieber die drohende Pleite des Bades im Blick behalten und sich um den Erhalt der Arbeitsplätze durch die geplanten Modernisierung kümmern.

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„Wenn in eineinhalb bis zwei Monaten das Geld alle ist“, griff Ostholt die von Bürgermeister Lothar Christ schon vor Monaten skizzierte Insolvenz infolge der wirtschaftlichen Streikausfälle auf, sei die Existenz des Bades akut gefährdet, weil es keinen weitergehenden Verlustausgleich geben werde: „In der Haushaltssicherung ist das Bad das erste, was dicht gemacht wird. Das ist doch dringlicher als alles andere.“

Welche Jobperspektive der Umbau bedeute und wie bei einer zeitweisen Schließung dafür das Personal weiter sein Geld verdienen könne, das müsse für Verdi Priorität haben, sagte Ostholt – und legte noch eins drauf: Die Verantwortlichen würden sich „die Sache doch genau ansehen und fragen: Geht die Aktion so weiter? Ist es noch sinnvoll ins Bad zu investieren oder geht das Theater so weiter?“

Der letzte Halbsatz wiederum brachte den altgedienten Gewerkschafter und „Parteifreund“ Peter Blechschmidt zum Platzen – und sorgte für den einzigen stimmungsgeladenen Disput der ansonsten unaufgeregten Diskussion. „Wo sind wir hier gelandet, wenn Sozialdemokraten einen Streik ,Theater' nennen?“, empörte sich der frühere Funktionär im ÖTV-Bundesvorstand über das Gebahren seines Mitgenossen Ostholt.

„Tariflohn ist Tariflohn. Da muss doch die SPD als erste aufspringen“, so Blechschmidt. Partei und Fraktion in Werne missachteten „im eigenen Haus“ die Leitlinien des SPD-Unterbezirks Unna über „gleichen Lohn für gleiche Arbeit.“.

Eindringlich forderte Blechschmidt, was Versammlungsleiter Ortwin Bickhove-Swiderski kurz darauf für Verdi als Tenor der Beiträge festhielt: Annäherung über Gespräche. „Man muss darüber reden, wo Einsparpotenzial für den Tarifvertrag ist. Ich sehe da etliches. Das erfordert aber die Bereitschaft zum Gespräch.“ - bkr

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