Motorradfahren ohne Prüfung

Mit dem Autoführerschein aufs Bike: Das sagen Fahrlehrer zur Fahrerlaubnis B196

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Benedikt Kutschat, Inhaber von „Die 2 Räder“, sitzt auf einem Motorrad mit 125 Kubikzentimeter Hubraum. Mit der Fahrerlaubnis B196 können Autofahrer nun eine solche Maschine fahren, ohne vorher eine Prüfung abgelegt zu haben. Notwendig ist aber eine Fahrerschulung.

Seit Beginn des Jahres kann man mit dem Autoführerschein auch ein Motorrad fahren – zumindest kleinere Bikes. Möglich macht das die teils heftig kritisierte Fahrerlaubnis B196. Die Werner Fahrlehrer halten diese für eine gute Sache, sehen die Entwicklung aber auch nicht ganz unkritisch.

Werne – Wer den Führerschein der Klasse B hat, darf jetzt auch Motorräder und Roller bis 125 Kubikzentimeter Hubraum fahren, ohne eine Prüfung ablegen zu müssen. Bislang war dafür eine Fahrberechtigung mindestens der Klasse A1 notwendig. Erst im Sommer 2019 stellte Verkehrsminister Andreas Scheuer die neue Regelung vor, erntete dafür heftige Kritik. Unter anderem der TÜV und Notärzte äußerten die Sorge vor steigenden Unfallzahlen. Kurz vor Weihnachten winkte der Bundesrat das Gesetz dann überraschend durch. 

Seit diesem Monat ist die Fahrerlaubnis B196 nun erhältlich. Doch auch wenn dafür keine Prüfung absolviert werden muss, ist der Gang zur Fahrschule notwendig. „Es handelt sich um eine Erweiterung der Klasse B“, erklärt Fahrlehrer Tobias Niedrich von der gleichnamigen Fahrschule. Die beinhalte sowohl vier Doppelstunden à 90 Minuten theoretischen Unterricht als auch fünf Doppelstunden Praxis. 

Außerdem muss der Autofahrer mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren ununterbrochen im Besitz der Fahrerlaubnis der Klasse B. Wer das erfüllt und die Schulung absolviert hat, kann sich seinen Führerschein auf Leichtkrafträder mit der Schlüsselzahl 196 erweitern lassen. 

Fahrlehrer: Es muss vernünftig geschult werden

So weit, so gut. Aber funktioniert das nicht alles zu einfach? „Es kommt darauf an, dass vernünftig geschult wird. Wir Fahrlehrer sind da voll in der Verantwortung“, sagt Niedrich, der bereits einige Anwärter für den „B196“ im Theorieunterricht sitzen hat. „Die Stundenanzahl in der Praxis ist eine Mindestvorgabe. Der Fahrlehrer muss überzeugt sein, dass der Fahrschüler das kann.“ Wer noch nicht so weit ist, bekommt laut Niedrich auch keine Bescheinigung. So soll es zumindest sein.

"Es kommt darauf an, dass vernünftig geschult wird. Wir Fahrlehrer sind da voll in der Verantwortung." - Tobias Niedrich

Auch Falk Rzepka von der Fahrschule FR argumentiert in diese Richtung. „Für die Mobilität ist das eine gute Sache“, so der Fahrlehrer. Er habe vornehmlich Anfragen von Leuten, die bereits mit einem Zweirad mit weniger Kubikzentimeter Hubraum unterwegs sind. „Die wollen das nutzen, um einfach zügiger zur Arbeit zu kommen.“ 

Fahrerlaubnis B196: Nur in Deutschland und kein Aufstieg

Trotzdem sieht auch er sich und seine Kollegen in der Pflicht, verantwortungsbewusst mit der Bescheinigung umzugehen. „Wenn wir die Fahrerschulung ordentlich durchführen, haben wir Leute auf den Straßen, die wissen, worauf es mit einem Zweirad auf der Straße ankommt.“ Dazu zählt der Fahrlehrer beispielsweise auch Wissen abseits des Fahrens. „Viele Leute haben nicht auf dem Schirm, dass man beispielsweise Schutzkleidung braucht“, so Rzepka. 

"Für die Mobilität ist das eine gute Sache. Aber wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein." - Falk Rzepka

Anfragen gab es auch bereits bei der Fahrschule Sträter. Fahrlehrer Jan-Steffen Sträter ist ebenso wie seine Kollegen dem neuen Gesetz gegenüber positiv gestimmt. „Dass keine Prüfung abgelegt werden muss, senkt die Hemmschwelle. Bei vielen ist die Prüfung der Knackpunkt beim Umstieg aufs Motorrad“, sagt der 27-Jährige. 

Er fürchtet keine steigenden Unfallzahlen, ist mit dem „B196“ aber auch nicht zu hundert Prozent zufrieden. „Dass die Fahrerlaubnis nur in Deutschland gültig ist und kein Führerscheinaufstieg möglich ist, ist sicher ein Nachteil.“ 

"Dass keine Prüfung abgelegt werden muss, senkt die Hemmschwelle." - Jan-Steffen Sträter

Beim klassischen Motorradführerschein gibt es eine solche Aufstiegsregel: Wer die Klasse A1 hat, kann nach zwei Jahren mit einer praktischen Prüfung auf A2 und noch einmal zwei Jahre später auf A erweitern. Beim „B196“ ist das nicht möglich. Wer es größer will, müsste dann den kompletten Motorradführerschein machen, zahlt also doppelt.

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