Denkmalschutz für Sakristei: Ausschuss sieht sich nicht zuständig

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Ist das nun schutzwürdige Baukunst oder eine entbehrliche Bausünde? An der Sakristei scheiden sich wieder die Geister, seit der Antrag auf Denkmalsschutz in der Welt ist.

Werne - Über den privaten Vorstoß für eine Unterschutzstellung der Sakristei von St. Christophorus – wegen der markanten Form von Kritikern auch „Rakete“ genannt – wird in Werne viel diskutiert. Nur im Ausschuss für Stadtentwicklung nicht.

Inhaltlich nicht zuständig – in der Sache aber interessiert genug, sich das Streitobjekt mal aus der Nähe anzusehen. Das ist die Perspektive, aus der sich der Stadtentwicklungsausschuss die Diskussion um die Denkmalwürdigkeit der Sakristei an der St. Christophorus-Kirche verfolgen möchte. 

Den vorliegenden Antrag von Ex-Baudezernent Joachim Kupczik und dem früheren CDU-Fraktionschef Heinz Polmann beriet das Gremium auf Vorschlag der Vorsitzenden Michael Zurhorst (CDU) erst gar nicht. Begründung: Ein Antragsrecht Dritter sehe das Denkmalrecht nicht vor, das sei Eigentümern und Behörden vorbehalten. In der Sache sei das Denkmalamt beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe gefordert, die Schutzwürdigkeit des Bauwerks zu beurteilen, an dessen außergewöhnlichen Architektur sich im Kontrast zum historischen Kirchplatz-Ensemble in Werne die Geister scheiden. 

LWL-Fachbehörde soll Bewertung vornehmen

Und das bekanntlich schon, seit Anfang der 1990er Jahre die Idee für die unter anderem als „Rakete“ verspottete Stahlkonstruktion aufkam. Oder auch „erst“ in den 19 Jahren, die seit der Einweihung der Sakristei vergangenen sind: Weil das nach ersten Einschätzungen des LWL für die denkmalrechtliche Beurteilung des 1999 fertiggestellten Werks maßgeblich ist. Denn erst nach 30 Jahren kommen Objekte als typische Vertreter bestimmter Architekturstile oder gesellschaftlicher Entwicklungen als Denkmal in Betracht.

„Denkmäler sind Sachen (...) an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen“, zitierte Baudezernent Ralf Bülte das Gesetz. Der LWL prüfe die Anregung schon. Bülte bekannte, „dass mich die Vehemenz der Diskussion schon sehr überrascht hat.“

Besichtigung vor nä

Wohl auch deswegen will der Ausschuss eine Einladung von Pfarrdechant Jürgen Schäfer annehmen, sich das Bauwerk nach Plänen des für seine Kirchbauten renommierten Architekturbüro Böhm aus Köln einmal anzusehen – und zu erfahren, welche Schwierigkeiten die Gemeinde mit der Sakristei hat. „Herr Schäfer möchte damit auf eine sachliche Ebene zurückkehren, sagte Bülte. 

Dazu soll nun vor der nächsten Sitzung am 4. Dezember eine Besichtigung erfolgen. „Die interessierten Ausschussmitglieder sind eingeladen, daran teilzunehmen“, leitete Zurhorst sein Fazit ein. „Wenn es kein Denkmal ist, dann bekommen wir in unserer Zuständigkeit im Zweifel den Abrissantrag auf den Tisch. Da sollten wir uns das mal ansehen.“

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