Initiative Radverkehr vermisst klare Ziele für Wernes Mobilitätskonzept

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Blickpunkt Alte Münsterstraße: Schmale Streifen für Radler, um die sich mancher Autofahrer nicht schert. Die IR will das Ungleichgewicht auf der Straße ändern.

Werne - Die „Weiterentwicklung der Mobilität“ mithilfe eines Ingenieurbüros hat Bürgermeister Christ angekündigt. Da fragt die Initiative Radverkehr: Mit welchem Ziel eigentlich?

Die Radlerlobby hat mit am Tisch gesessen, als der Verwaltungschef mit den Ratfraktionen die Erstellung der Expertise durch Fachleute erörterte. Dazu gab Mathis Perkert Orientierung, der Leiter der Koordinierungsstelle Westfalen-Lippe im Zukunftsnetz Mobilität NRW, in das Werne übrigens am heutigen Freitag mit Verleihung der Urkunde in Münster offiziell aufgenommen wurde. Die Runde sei sich über den skizzierten Weg einig gewesen, teilte Christ anschließend mit, es werde ein Büro ausgesucht.

Stadt verweist auf Klimaschutzmanagement

Dafür ist aus Sicht der Initiative Radverkehr (IR) aber vorher noch zu klären, wo die Reise eigentlich hingehen soll. Das neue Bündnis vermisste in der Runde Ideen und Leitlinien für klare Ziele des Konzeptes. Zum Radverkehr heißt es beim Bürgermeister lediglich, dass dieses Thema im Kontext des Klimaschutzmanagements bei der Gesamtbetrachtung der Mobilität Priorität genießen werde, die Förderung des Radfahrens aber im Detail abzustimmen sein.

IR-Sprecher: Personalmangel in Verkehrsabteilung

Da kann IR-Sprecher Holger Bergemann aber schon mal mit ein paar Vorschlägen aushelfen, damit die Studie konkrete Züge bekommt. Der Erste betrifft die Begleitung des Verfahrens: „Die Abteilung Straßen und Verkehr braucht dafür dringend Verstärkung. Es kann nicht funktionieren, wenn Herr Kersting den Prozess neben seinen übrigen Aufgaben auch noch allein begleiten muss.“ Hintergrund ist, dass der Leiter der Abteilung derzeit noch stundenweise Entlastung durch seinen Vorgänger Gisbert Bensch erfährt, dieser sich aber bald endgültig in den Ruhestand verabschieden wird. „Da muss eine Stelle ausgeschrieben werden“, fordert Bergemann im Namen der Radler-Lobby. Sonst drohe die konsequente fachliche Begleitung des Prozesses auf der Strecke zu bleiben, weil der Abteilungsleiter viel um die Ohren habe. 

Ziel: 40 Prozent der Wege mit dem Rad

Aber auch inhaltlich sollten aus Sicht der Initiative Radverkehr ein paar Weichen gestellt sein, bevor das Büro ausgesucht wird. „Ich bin aus dem Gespräch gekommen und habe mich gefragt: Was gab’s denn jetzt Neues? Wir müssen doch definieren, welche Ziele die Stadt mit dem Konzept verfolgt, um einen klaren Auftrag zu erteilen.“ Den habe er in der Runde vermisst. Für die Initiative sollte aber beispielsweise gesetzt sein, dass sich Werne vornimmt, der Anteil der Radnutzung auf den täglichen Wegen der Bürger von aktuell 21 Prozent auf 40 zu steigern, um verbindlich zu werden.

Autofahren soll unattraktiver werden

Dazu seien auch konkrete Faktoren zu benennen, die in der Fachsprache nach „pull“- und „push“-Effekt unterschieden würden. Zugkraft (pull) hätten beispielsweise attraktivere Radwege, Sicherheitsmaßnahmen und dergleichen. Anschieben (push) müsse man dagegen den Umstieg vom Auto durch Beschneidung des bisherigen Komforts: Parkraum verknappen und bewirtschaften, Einbahnstraßen ausweisen und Verkehrsraum für andere ausweiten, Verkehrsberuhigungen, Zufahrtsbeschränkungen, Car-Sharing etwa. 

Alle Akteure an einen Tisch

Nach den Vorstellungen der Initiative sollten die Radfreunde, Politik, Verwaltung, Polizei, Schulen und überörtliche Straßenbaulastträger an einem Runden Tisch an solchen Modellen arbeiten und das Ingenieurbüro alle drei Monate aufnehmen, miterörtern und einbringen, was dort vorgeschlagen wird. Ähnliches hat auch Bürgermeister Christ in Aussicht gestellt, die Angaben blieben aber noch vage.

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