Praxis im Nordlippepark soll zum 1. August starten

Arztpraxis statt Autowerkstatt: Das sind die Pläne von Wernes neuem Augenarzt

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Architekt Norbert Thöne und Augenarzt Mouhanad Al-Ani haben große Pläne mit den ehemaligen Räumen eines Transportunternehmens am Eichenbusch im Nordlippepark.

Werne – Werne bekommt wieder einen zweiten Augenarzt. Und der hat vor seinem Start große Umbaupläne mit und in den ehemaligen Räumen eines Transportunternehmens.

Noch stehen dort, wo bald feinfühlige Operationen und Sehtests durchgeführt werden sollen, Autoreifen, Ölfässer und Werkzeugkisten. Schon im August aber soll in den ehemaligen Räumen eines Transportunternehmens am Eichenbusch ein neuer Augenarzt seine Türen öffnen. Ein Industriegebiet als Standort für eine Arztpraxis klingt erst einmal kurios. Nicht aber für Mouhanad Al-Ani. Der 35-jährige Facharzt für Augenheilkunde mit syrischen Wurzeln ist der designierte Nachfolger von Dr. Thomas Linden. 

Am 11. April hat er grünes Licht von der Zulassungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe bekommen und darf den Dienst in Werne antreten. Mit drei Arzthelferinnen seines Vorgängers hat er bereits eine mündliche Übereinkunft erzielt, dass sie ihn in seiner neuen Praxis unterstützen.

Bis Al-Ani die ersten Patienten empfangen kann, ist es aber noch ein weiter Weg. Schlendert man durch die etwa 300 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Nordlippepark, lässt sich nur erahnen, was er mit den aktuell verwaisten Büroräumen und der angeschlossenen Werkstatthalle vorhat. Sein Architekt Norbert Thöne erklärt mit einem Bauplan, wie die Fläche umgebaut werden soll. In den alten Büros sollen kleine Behandlungszimmer, Umkleiden für die Mitarbeiter und der Empfangsbereich entstehen. Nebenan – in der Werkstatt – will Al-Ani einen OP-Bereich für Lidchirurgie und andere operative Eingriffe einrichten.

Vorher müssen noch ein paar Hürden genommen werden. Der Mietvertrag ist noch nicht unterschrieben und auch der Kreis Unna muss den geplanten Umbauarbeiten zustimmen. Erst dann kann eine Finanzierung des deutlich sechsstelligen Projektes angeschoben werden. Den 1. August visiert Al-Ani als Starttag für seine Praxis an. Aber ist das unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich? „Wir haben alles gut durchdacht und schon viel Vorarbeit geleistet“, versichert der 35-Jährige. Der gebürtige Wickeder baut zudem auf Unterstützung aus der Familie. Al-Anis Vater praktiziert seit mehreren Jahrzehnten als selbstständiger Allgemeinmediziner in Arnsberg. Die beiden Brüder – der eine ist Dermatologe in Hamburg, der andere Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Wuppertal – komplettieren die Mediziner-Familie.

Mouhanad Al-Ani hat im vergangenen Jahr seine Facharztprüfung abgelegt.

Bis zu seinem Wechsel nach Werne ist Al-Ani noch in einer augenärztlichen Gemeinschaftspraxis in Ahlen angestellt. Die meiste Zeit arbeitet er aber in der belegärztlichen Augenabteilung der St. Barbara-Klinik in Hamm-Heessen. Zuvor sammelte er im St.-Johannes-Hospital in Dortmund und in einer Augenarztpraxis in Altenkirchen im Westerwald Erfahrungen als Assistenzarzt. Seine Facharztprüfung legte der 35-Jährige im vergangenen November ab. „Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um mich selbstständig zu machen. Die Situation in Werne kommt mir dabei gelegen“, sagt er. Von der Nachfolger-Suche für die Praxis von Dr. Thomas Linden habe Al-Ani, der zurzeit in Hamm lebt, aus der Zeitung erfahren.

Dann ging alles, so erklärt es der Arzt, ganz schnell. „Ich habe gute Gespräche mit Dr. Linden geführt. Wir hatten sofort einen guten Draht. Das hat gepasst“, sagt der 35-Jährige. „Wir haben dann zu dritt zusammen mit Dr. Luitger Honé bei Dr. Linden zu Hause mit einem Glas Wein gesessen und alles besprochen.“ So werde Al-Ani Behandlungsgeräte von seinem Vorgänger übernehmen.

Die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße hätten allerdings nicht zur Verfügung gestanden. Und ohnehin sei für Al-Ani ein anderer Standort lieber. „Im Zentrum gibt es nicht so viele Parkplätze. Im Industriegebiet ist dafür genug Platz und ich kann mich ausbreiten“, sagt der Mediziner. Die Mietfläche am Eichenbusch habe er im Internet gefunden.

Mit Dr. Honé sei klar besprochen, wie beide künftig miteinander arbeiten. „Ich sehe ihn eher als Partner und definitiv nicht als Konkurrenz“, sagt Al-Ani. Honé war es immerhin auch, der sich zusammen mit Linden dafür einsetzte, die Frist der Kassenärztlichen Vereinigung für eine Neubesetzung der Stelle bis Ende 2018 mehrfach zu verlängern.

Wäre bis Ende Juni kein Nachfolger gefunden worden, hätte die Stelle gestrichen werden können. Denn Werne ist eigentlich überversorgt. Der Versorgungsgrad – der allerdings für den gesamten Kreis Unna bemessen wird – liegt mit 123 Prozent weit über dem Soll-Wert von 100 Prozent. In der Praxis sei ein zweiter Mediziner aber zwingend erforderlich, um das Patientenaufkommen zu bewältigen, betont Honé. Er ist deshalb froh, dass mit Mouhanad Al-Ani nun doch wieder ein zweiter Augenarzt nach Werne kommt.

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