Archäologische Fundstücke, die bis in die Frühgeschichte zurückreichen

Archäologen finden Spuren einer mittelalterlichen Siedlung am Hof Schulze Blasum

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Zu den Funden unweit des Hofes Schulze Blasum gehören das Fragment einer Bleifigur und eine Fibel aus dem 8./9. Jahrhundert.

Stockum – Nicht immer geht’s um den Spargel, wenn auf den Äckern um den Hof Schulze Blasum jemand im Boden stochert. Die Scholle auf der Grenze zu Bockum-Hövel hat nämlich auch andere Schätze zu bieten. Und die sind alles andere als frisch, sondern teils etliche Jahrhunderte alt: archäologische Fundstücke, die bis in die Frühgeschichte zurückreichen.

Gerade gab’s – danach soll Schluss sein mit der Wortspielerei zum Gemüseanbau – wieder eine „frische Ernte“. Der Bau der Gaspipeline vom Gersteinwerk nach Hamm brachte neue Stücke und Erkenntnisse an den Tag.

Es geht um Spuren einer hochmittelalterlichen Siedlung, so viel mag die Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie in Westfalen wohl verraten – mehr aber auch nicht. Erst soll die Auswertung der Funde abgeschlossen sein. Aber als interessierter Laie und Tippgeber hat Georg Laurenz, Senior auf dem Hof Blasum, dem Team des vom LWL beauftragten Fachmanns Dr. Georg Eggenstein sehr genau über die Schulter geschaut – und seine Sammlung um die Schätze erweitern können, die ihm die Archäologen überließen. Er hatte zudem angeregt, sich hier mal genauer umzusehen.

Archäologische Funde auf dem Hof Schulze Blasum

Seit Entdeckung der eisenzeitlichen Siedlung im Amazon-Baufeld vor vier Jahren pflegt Georg Laurenz Kontakt zu Prof. Michael Baales bei LWL-Archäologie. Die Fachleute bewerteten damals auch, was der Stockumer seit seiner Jugend um den Hof aufgelesen hatte. Darunter den Basaltkopf einer Steinaxt aus der Jungsteinzeit (vor etwa 4600 Jahren). 

Fibel aus dem achten oder neunten Jahrhundert

Zu den wohl ältesten Stücken, die Laurenz nach der elftägigen Exploration auf etwa 200 Metern Trasse um den Hof dem WA zeigte, gehört eine Fibel. „Die hat Dr. Eggenstein auf das achte oder neunte Jahrhundert geschätzt. Sie war einmal emailliert und ist mit einem Kreuz verziert.“ Mit dieser Art Kleiderverschluss hätten sich seinerzeit Christen als solche zu erkennen gegeben.

Die Archäologen haben das Feld geräumt, die Arbeiter den Bau der Open-Grid-Pipeline zum Hammer Stadtnetz begonnen.

„Ich habe in Absprache mit Professor Baales übrigens eine Lizenz für die archäologische Suche und einen Metalldetektor, mit dem ich die Suche unterstützt habe“, erzählt der Senior von seiner Leidenschaft. Zwei Münzen kamen so zu Tage, aus dem 11. und 15. Jahrhundert. Die Ältere ist zerbrochen, soll aber aufgearbeitet werden.

 „Ich habe Goldschmied Tobias Teigelkötter gebeten, die Münze zu reinigen und einzufassen. Sie wird mit einer Folie so zusammengefügt, dass man sie ohne Schutz in die Hand nehmen kann“, berichtet der Sammler.

„Sammler und Jäger“ nennt sich Georg Laurenz mit einem Augenzwinkern, weil er schon so allerlei entdeckt und bewahrt hat.

Seine Neugier, wie auch die des Grabungsteams, wurde zudem dadurch geweckt, dass sich um die Spuren einer alten Hofstelle allerlei antikes Blei in verschiedenen Formen fand. Bloße Sprenkel von etwaigen Gießvorgängen, gerollte Platten und zum Kunstwerk verarbeitet, wie der Kopf einer Figur, die von einem Webrahmen stammen könnte.

Pfostenlöcher im Erdreich ließen den Umriss eines früheren Gebäudes erkennen. „Es sind Holzproben genommen worden, bei denen jetzt eine Altersbestimmung erfolgt.“ Mit seinem geschulten Blick hat Laurenz weitere Überreste alter Balken entdeckt, die er dem Grabungsteam flugs noch bringen wollte. Die Profis machen gerade auf Hammer Flur weiter – und der Mann mit dem Metalldetektor hilft ein bisschen mit – ist auch bequemer als Spargelstechen.

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