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Antonia Erdelbruch ist die erste Schützenkönigin bei Varnhövel-Ehringhausen

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Antonia Erdelbruch jubelt als erste Schützenkönigin.
Antonia Erdelbruch jubelte nach ihrem Schuss. Sie ist die erste Schützenkönigin bei Varnhövel-Ehringhausen. © Günther Goldstein

War es nun Höflichkeit vor der holden Weiblichkeit oder doch nur Zufall oder Kismet, dass der Schützenverein Varnhövel-Ehringhausen zum ersten Mal eine Schützenkönigin bekam? So liefen die letzten dramatischen Minuten ab 20.30 Uhr am Samstagabend unter der Vogelstange ab.

Werne - Der Kampf um die Königswürde hatte sich von einer größeren Anzahl von Mutigen auf einen Dreikampf reduziert. Schuss Nummer 372, abgegeben von Jörg Honermann, der 2008 König geworden war und nun Kaiser werden wollte, räumte unter dem Raunen der anwesenden mächtig viel Holz ab. Das Schwanzteil fiel zu Boden, übrig blieb ein langer Span, der sich an den Bolzen klammerte.

Mit dem 373. Schuss hätte Jörg Tolz ihn locker abräumen können. Die Menge sah es schon kommen und reagierte dementsprechend. Er traf auch, doch das verflixte Holzteil drehte sich nur auf seiner Befestigung und hing nun locker zum Schrecken des Schützens vor dem roten Tuch. Jetzt war Antonia Erdelbruch an der Reihe. Alle drei Finalisten hatten unter Beweis gestellt, dass sie gute Schützen waren und den Thron besteigen wollten. Der Schützin unter ihnen war es nun vergönnt, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Sich dessen bewusst, was nun passieren könnte, ging Antonia Erdelbruch auf den Gewehrständer zu, beriet sich mit Schießwart Wolfgang Schmidt, atmete tief durch und konzentrierte sich auf das Ziel.

Dann fiel der 374. Schuss auf der Vogelwiese an der alten Südkirchener Straße. Die Kugel trat das Holzfragment wie gewünscht und dies taumelte zu Boden. Die neue Schützenkönigin dreht sich zur Menge um und empfing mit erhobenen Armen zunächst den Jubel der Anwesenden, dann stürmten auch schon die ersten Gratulanten heran, um sie in die Arme zu schließen. Als erste Königin in dem Verein brauchte sie nun einen Prinzen, der auch bald zur Stelle war. Es war ihr Mann Marco, der nun die nächsten zwei Jahre an ihrer Seite den Verein als Majestäten repräsentieren werden. Begonnen hatte der aufregende Tag um 14.30 Uhr an der Gaststätte Havers. Dort war man angetreten, um dann von dort zum Gottesdienst in der Kirche Maria Frieden zu marschieren.

Antonia Erdelbruch ist die erste Schützenkönigin bei Varnhövel-Ehringhausen
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Antonia Erdelbruch ist die erste Schützenkönigin bei Varnhövel-Ehringhausen. © Günther Goldstein

Danach ging es zum Festzelt und zur Vogelstange. Außer den Schützenvereinen aus Stockum sowie Horst und Wessel, die wohl auf dem Schützenfest in Herbern waren, waren alle Nachbarvereine zu dem Ereignis gekommen, auf das man so lange warten musste. Durch Corona musste man sogar auf das 125-jährige Jubiläum des Vereins 2020 verzichten. Das Königspaar von 2018, Christoph und Claudia Hesener, musste ganze vier Jahre auf seinem Thron durchhalten.

Aber jetzt war wieder alles in der Reihe. Und mit den Schüssen, die die prominenten Gäste abgaben, startete die Suche nach einem neuen König. Landrat Mario Löhr war unter ihnen, er selbst war sogar Schützenkönig des Vereins von 2010 bis 2012. Bürgermeister Lothar Christ war natürlich auch mit von der Partie und blieb so lange, dass er am Ende unter den ersten war, die die neue Königin beglückwünschten.

Das Schießen nahm wie gewohnt seinen Lauf. Der Apfel fiel nach dem 87. Schuss, abgegeben von Stefan Große Drenkpohl. Mit dem 100. Schuss sicherte sich Marc Rinschede das Zepter. In dieser Zeit hatte sich der stolze „Gustav, Earl of Varnhövel“, erschaffen von Ulrich Behrens, auf seiner Stange gedreht und hing nun kopfüber im Schießkasten. Getroffen wurde er aber trotzdem, und so fiel mit dem 127. Schuss der rechte Flügel durch den 2. Vorsitzenden Daniel Krebs, der erste Vorsitzende Markus Rohe machte es ihm nach und holte mit Schuss Nummer 158 den linken Flügel.

Offen war zu diesem Zeitpunkt noch das Schicksal der Krone. Immer wieder wurde mit Ferngläsern nach ihrem Verbleib gesucht. Erst im Finale wurde auch sie abgeschossen. Katja Jasinski hatte es auf sie abgesehen, während sich die anderen schon an die Zerlegung des Rumpfes machten. Unter den vielen Spänen, die sich unter der Vogelstange bereits angesammelt hatten, wurde die Trophäe schließlich in zwei Teilen ausgemacht.

Für die musikalische Begleitung sorgten zum Vogelschießen das Blasorchester „Die Heimatklänge“ aus Bergkamen und der Spielmannszug Hamm-Herringen. Und wer dachte, dass alle ihr Pulver bereits unter der Vogelstange verschossen hätten, der wurde bei der turbulenten Krönungszeremonie im Festzelt eines Besseren belehrt. Und da sich auch DJ Michael Kemmler angekündigt hatte, strömte mit der untergehenden Sonne die Dorfjugend zum Festzelt, um dort kräftig mitzumischen. - Günther Goldstein

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