Andrea Grieger unterrichtet im "Mermaiding"

Schwimmkurs für "Meerjungfrauen" im Lehrschwimmbecken Stockum

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Im Stockumer Lehrschwimmbecken wurde ein Mädchentraum wahr: Schon bei der Anprobe schwebten sämtliche zehn Kursteilnehmerinnen im Meerjungfrauen-Himmel.

Werne - In Werne lebt eine echte Meerjungfrau. Zumindest so echt wie möglich. Andrea Grieger zieht sich regelmäßig ihre bunte Schwanzflosse über die Beine und unterrichtet Gleichgesinnte aus ganz NRW im „Mermaiding“.

Einmal wie Arielle mit türkis-glitzernder Flosse durchs Wasser gleiten: Das konnten am Wochenende zehn junge Badenixen aus Werne und Umgebung. Beim Meerjungfrauenkurs im Stockumer Lehrschwimmbecken tauschten sie ihre Beine für einige Stunden gegen Schwanzflossen ein. Ihre Verwandlung betreute Andrea Grieger – eine echte Werner Meerjungfrauen-Trainerin. Für die 23-jährige Jana Westermann aus Unna und ihre beiden Freundinnen Sophie Georgiadis und Paula Wastl ging mit dem Kurs ein Mädchen-Traum in Erfüllung. „Es ist das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt. Ich bin nur gespannt, ob wir überhaupt runterkommen oder wie ein toter Fisch auf der Wasseroberfläche treiben“, scherzte sie. 

Grieger lernte bei Profi-Meerjungfrau

Wie sich eine richtige Meerjungfrau bewegt und verhält – anstatt Raupen-ähnlich herumzustrampeln –, erklärte Kursleiterin Andrea Grieger. Die 47-jährige Wernerin ist seit etwas mehr als einem Jahr „Meerjungfrau“ und hat ihr Handwerk von der professionellen Nixe „Mermaid Kat“ alias Katrin Gray gelernt. Während Gray momentan irgendwo in Australien mit Tigerhaien und Rochen taucht, unterrichtet Grieger in ihrer Heimatstadt den Meerjungfrauen-Nachwuchs. „Weltweit gibt es über 6 000 Trainer. In Werne biete nur ich das Meerjungfrauen-Schwimmen an“, erzählte sie stolz. Bis jetzt sei jeder ihrer drei bisherigen Kurse ausgebucht gewesen. Ihre Tochter habe sie dazu motiviert, eine professionelle Schwanzflossenträgerin mit Rettungsschwimmerschein zu werden, so Grieger. „,Die kleine Meerjungfrau’ von Hans Christian Andersen war schon immer mein Lieblingsmärchen. Ich brauchte nur einen kleinen Schubs, um diese Leidenschaft zum Beruf zu machen.“ 

Fischschwanz aus Stoff

Ähnlich wie bei einem Snowboard durften Griegers angehende Badenixen am Samstag schließlich in die Fuß-Pockets über der mit Badeanzugstoff überzogenen Monoflosse schlüpfen. Der Fischschwanz aus Stoff wurde dann über Beine und Po bis zum Bauch hochgezogen: ähnlich wie eine Strumpfhose. Aber auch ein bisschen Ernst war bei allem Spaß mit dabei. „Meerjungfrauen sind Botschafter der Meere“, betonte die Kursleiterin. Das bedeute, sie würden weder Plastikmüll am Strand zurücklassen noch Meeresbewohner wie Fische, Schildkröten oder Korallen anfassen. Mit dieser Lektion im Hinterkopf – eher für spätere Zeiten, im Hallenbad schwimmen schließlich selten Fische umher – ging es daraufhin ins kühle Nass. 

Ein Gefühl von Freiheit

Hier blühten die Mädchen und jungen Frauen so richtig auf. Langsam lernten sie, mit der Schwanzflosse zurechtzukommen: erst beim Brustschwimmen mit dem Kopf über Wasser, dann auf dem Rücken und schließlich auch unter Wasser. „Ganz schön anstrengend“, stellte Meerjungfrau Lilith (13) nach der ersten Runde im Becken atemlos fest. Trotzdem strahlte sie, wie auch die übrigen Kursteilnehmerinnen, bis über beide Ohren. Ähnlich ging es Jana, Sophia und Paula. „Man fühlt sich total frei, wie in einer anderen Welt“, waren sie sich einig. Ihre pinke Meerjungfrauenflosse gab nach dem Kurs vor allem Jana nur ungern wieder ab. Wann und ob es den nächsten Meerjungfrauen-Schwimmkurs in Werne geben wird, stehe noch nicht fest, so Grieger. 

Schwimmabzeichen in Bronze ist Pflicht

„Das Bad in Stockum soll im Sommer schließen und im Solebad ist der Belegplan ziemlich voll.“ Dennoch bemühe sie sich dort zurzeit um einen regelmäßigen Platz, etwa im dreimonatigen Turnus. „In NRW unterrichte ich nämlich sonst nur noch in Haltern.“ Grundsätzlich ist der Kurs für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen geeignet. Das Mindestalter beträgt sieben Jahre, zudem ist ein Bronze-Schwimmabzeichen Pflicht. Grieger: „Mit der Monoflosse zu schwimmen ist richtiger Sport. Wer sich sonst schon kaum über Wasser halten kann, sollte lieber noch ein bisschen üben, bevor er sich als Meerjungfrau versucht.“

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