Froh über das Wiedersehen, aber die Sorge bleibt

Bönener Grundschulen starten mit Wechselunterricht

Die Goetheschule startet nach dem Lockdown wieder mit Präsenzunterricht
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Auch an der Goetheschule werden die Kinder wieder vor Ort unterrichtet - nun aber in halber Klassenstärke.

Bönen – Wochenlang herrschte gespenstische Stille in den Klassenzimmern und Fachräumen, in der Pausenhalle, den Gängen und sogar auf dem Schulhof. Seit Montag sind in den beiden Bönener Grundschulen nun wieder Kinderstimmen zu hören – für die meisten Lehrer ein schönes Geräusch, das sie sehr vermisst haben. Dennoch starten die Beteiligten mit gemischten Gefühlen in die neue Phase des Präsenzunterrichtes.

„Auf der einen Seite ist es sehr schön, wieder Leben in der Schule zu haben. Wir sind froh, dass es wieder läuft“, beschreibt Antje Anb ring-Keiter, Leiterin der Hellwegschule. „Wir hatten am Montagmorgen endlich wieder das übliche Schulgefühl.“

Auf der anderen Seiten seien jedoch die Sorgen geblieben. „Die Infektionszahlen haben sich nicht so entwickelt, wie wir es uns wünschen würden. Und bei uns an der Schule hat sich ja nichts geändert. Unser Hygienekonzept ist das gleiche wie vor den Weihnachtsferien“, stellt die Schulleiterin fest.

Einzig neu ist, dass ab sofort alle Kinder – auch die kleinsten im ersten Jahrgang – während der kompletten Unterrichtszeit sowie in den Pausen Masken tragen müssen, möglichst medizinische. Diese Mitteilung haben die Schulen in NRW erst am Freitagmittag vom zuständigen Ministerium aus Düsseldorf bekommen. „Das war sehr kurzfristig. Wir haben dann aber noch am Freitag die Eltern darüber informiert und sie gebeten, den Kindern möglichst mehr als eine Maske pro Tag mitzugeben. Wenn die Schüler sie den ganzen Tag tragen müssen, sind sie schließlich mehrfach durchfeuchtet“, macht Antje Anbring-Keiter deutlich.

Ein weiteres Problem des professionellen Mund-Nasen-Schutzes ist, dass dieser nicht unbedingt für zarte Kinderköpfe gefertigt wird. „Die medizinischen Masken passen nicht allen Kindern, gerade den kleineren nicht. Sie dürfen dann die normalen Alltagsmasken tragen“, erklärt die Pädagogin.

Feste Wochentage für jede Klassengruppe

Um in den Klassenzimmern und generell in der Schule mehr Abstand halten zu können, wurden die Klassen an der Hellwegschule in zwei Hälften geteilt. Jeder Gruppe kommt nun im Wechsel an die Weetfelder Straße: die erste montags und mittwochs, die zweite dienstags und donnerstags. Freitags wechseln sich die Schüler 14-tägig ab. So hat jede Gruppe feste Tage und muss nicht jede Woche schauen, wann sie dran ist. Das macht es für alle leichter, denkt Antje Anbring-Keiter. Immerhin müssen auch die Eltern die Betreuung ihrer Söhne und Töchter dem Wechselunterricht anpassen.

Die Pausen verbringen die Klassengruppen seit Montag ebenfalls getrennt. Dazu wurden unterschiedliche Pausenzeiten eingeführt, außerdem dürfen die Schüler einer Klasse entweder nur auf dem vorderen Schulhof spielen oder ausschließlich auf dem Sportplatz.

Mit ganz ähnlichen Konzepten ist die Goetheschule in den Wechselunterricht gestartet: Die Klassen wurden geteilt und werden an festen Tagen in der Schule unterrichtet. Die übrigen Tage lernen sie daheim. „Videokonferenzen, wie wir sie im Lockdown abghalten haben, können wir nicht mehr anbeiten, weil die Lehrer im Präsenzunterricht sind. Daher bekommen die Kinder Aufgaben und Pläne für die Distanztage, die dann in der Schule kontrolliert werden“, erläutert Berg. Die ersten und zweiten Klassen haben vier Stunden Unterricht pro Tag in der Schule, die dritten und vierten fünf. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Hauptfächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Sachkunde, wie die Schulleiterin berichtet.

„Wir müssen jetzt erst mal schauen, was wir auffangen und nacharbeiten müssen“, sagt die Schulleiterin. Sie und ihre Kollegen wollen sich in den kommenden Tagen einen Überblick verschaffen, wie gut die Schüler dem Unterricht auf Distanz in den vergangenen Wochen folgen konnten, wo vielleicht Lücken entstanden sind. „Wir machen mit ihnen ein paar Übungseinheiten. Der erste Eindruck ist aber, dass sie ihre Aufgaben gut zu Hause erledigt haben“, ist Annegret Berg erleichtert, dass die meisten Kinder offenbar ohne größere Schwierigkeiten durch den Lockdown gekommen sind.

Eltern vorab informiert

Sie hat sich am Montagmorgen vor Unterrichtsbeginn am Eingang des Schulgeländes positioniert, um eventuelle Fragen der Eltern zum Wechselunterricht sowie zur Maskenpflicht beantworten zu können. „Wir haben alle Informationen aber auch zuvor über das Schulsystem IServ weitergegeben und sie auf unsere Homepage gestellt“, so die Schulleiterin. Viele Fragen musste sie daher zu Schulbeginn nicht beantworten.

Wie schon nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr können die Mädchen und Jungen an der Goetheschule bereits 15 Minuten vor Unterricht direkt in die Klassenzimmer gehen, wo sie von ihren Klassenlehrern begrüßt werden. Das soll verhindern, dass sich die Kinder vor Schulbeginn vor der Tür oder in der Pausenhalle drängeln. Die Pausenzeiten sind gleichfalls gestaffelt. „Die Schulglocke haben wir schon vor einem Jahr abgeschaltet“, berichtet Berg. Die Klassen gehen also einzeln und nacheinander nach draußen.

Kurze Pausen zum Luftschnappen dürfen die Grundschüler zudem einlegen, wenn sie es gar nicht mehr mit der Maske aushalten. „Wir haben ja vor den Klassenzimmern unserer Vorräume“, erzählt Annegret Berg. Dorthin können insbesondere die Kleinen für einen Augenblick ausweichen, den Mundschutz lüpfen, um durchzuatmen. „Wir müssen ausprobieren, wie sie damit zurechtkommen. Sicher werden wir zum Beispiel kurze Trinkpausen einlegen, in denen sie die Masken abnehmen können, natürlich immer auf den Mindestabstand von 1,50 Meter achtend.“ Gestaunt haben die Schulleiterin und ihre Kollegen am ersten Schultag seit den Weihnachtsferien über die Erstklässler, die es bisher nicht gewohnt waren, Masken zu tragen. „Die Kleinen machen das richtig super“, lobt Annegret Berg. „Das konnten wir uns vorher gar nicht so vorstellen.“

Notbetreuung bleibt bestehen

Sie ist froh darüber, ihre Schüler nach langer Zeit endlich wieder zu sehen. „Wir haben uns sehr auf die Kinder gefreut, und die Kinder sind glücklich, wieder in der Schule zu sein.“ Dass die Situation nach wie vor eine enorme Herausforderung für alle darstellt, macht Annegret Berg aber ebenso deutlich.

„Die Notbetreuung an unserer Schule bleibt bestehen“, berichtet sie. Damit hätten berufstätige Mütter und Väter eine verlässliche Betreuung für die Tage, an denen ihre Kinder Distanzunterricht haben. Zurzeit sind etwa 20 Mädchen und Jungen dafür angemeldet. „Es kommen aber immer neue Anträge“, weiß Berg. Die Pädagogin rechnet damit, dass bei weiteren Lockerungen, etwa im Einzelhandel, mehr Familien Betreuungsbedarf für ihre Kinder haben werden.

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