Amazon-Wettbewerb verstößt gegen das Schulgesetz

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Siegerehrung im Amazon Logistikzentrum.

Werne - Drei Mal schon haben Werner Grundschüler, wie zahlreiche Altersgenossen in Nachbarstädten, auf Initiative ihrer Lehrer zum Stift gegriffen, um einen Beitrag zum Amazon-Schreibwettbewerb zu verfassen. Jetzt zeigt sich: Mit dem NRW-Schulgesetz war das nicht vereinbar.

Darauf machte, samt Kritik an der späten Erkenntnis von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, am Donnerstag die Organisation LobbyControll aufmerksam: „Die Teilnahme von Schulen am Amazon-Wettbewerb halten wir für unzulässig“, zitierte der Verein Löhrmanns Sprecherin Barbara Löcherbach. „Das ist Werbung, der erforderliche schulische Bezug ist in keinem Fall gegeben“, bestätigte diese auf Nachfrage.

Auch in anderen Ländern werden massive Bedenken laut, Hessen hat nach Presseberichten die Beteiligung an den „Kindle Storyteller Kids“ untersagt. Und hierzulande? Die Schulaufsichten in Regierungsbezirken mit Amazon-Standorten, also auch die hiesige in Arnsberg, würden entsprechend instruiert, so Löcherbach. Die Schulleitungen will das Ministerium an ihre datenschutzrechtliche Verantwortung erinnern, wenn in diesem Kontext Schülerfotos auf Amazonseiten im Internet erscheinen.

Der Konzern hat Bürgermeister Lothar Christ, wie andere, für die Schirmherrschaft gewinnen können. Was sagt das Stadtoberhaupt? „Ich kenne die rechtliche Bewertung des Ministeriums nicht und will sie nicht kommentieren. Aber ich würde es bedauern, wenn es den Wettbewerb nicht mehr gäbe.“ Übermäßige Werbung habe er dabei nicht wahrgenommen, wohl aber „Kinder, die mit Spaß bei der Sache waren“ und „ordentliche Beiträge“ produziert hätten.

Für Felix Kamella vom LobbyControl ist diese Einbindung Teil des Problems: Hier werde „Kontaktpflege“ zu Entscheidern betrieben, Amazon wolle sein Image über die hervorgehobene Bildungsförderung aufbessern, von Kritik ablenken und erwecke „bewusst einen falschen Eindruck: Es geht nur darum, Türen zu öffnen.“

Schulkonferenz hat schon Nein gesagt

Das hat Klaudia Funk-Bögershausen als Leiterin der Wiehagenschule beispielsweise nach einmaliger Teilnahme dazu bewogen, die Finger von den „Kindle Kids“ zu lassen: „Wir haben das in der Schulkonferenz besprochen und festgestellt, dass der Wettbewerb über die Preise stark an Amazon-Produkte gebunden ist.“ Derlei Angebote gäbe es viele, ohne Sponsoring ließe sich bei leerer Kassen vieles nicht realisieren. „Es ist aber etwas anderes, wenn Fachleute in die Schule kommen“, sagte die Rektorin mit Blick auf das RWE-Engagement in ihrem Haus. Derlei Beiträge zum Unterricht müssten aus Sicht der Kinder inhaltliche Relevanz haben.

Stellungnahme von Amazon

In einer Stellungnahme teilte Amazon am Freitag mit: "Der Storyteller Kids Wettbewerb wurde in den Jahren 2014, 2015 und 2016 durchgeführt, um das kreative Schreiben von Kindern im Grundschulalter zu fördern. Im Jahr 2016 nahmen mehr als 300 Grundschulen an dem Programm teil. Die für 2017 geplanten Initiativen für Organisationen, lokale Institutionen und Gemeinden rund um die Standorte, an denen Amazon tätig ist, wird das Unternehmen in den kommenden Monaten bekanntgeben."

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