Amazon sucht 2 000 Kräfte – Behörde schnürt Job-Paket

WERNE ▪ Die Job-Maschine Amazon läuft und braucht laufend neuen Treibstoff. Als der Motor des Internet-Versandhandels im Herbst vergangenen Jahres ansprang, wurden nach den stets knapp gehaltenen Angaben des Konzerns bis zu 800 Mitarbeiter im ehemaligen Ikea-Lager benötigt, damit im Weihnachtsgeschäft die Flut der Pakete in die richtigen Kanäle gelenkt werden konnte. Jetzt braucht Amazon 2 000 Paar Hände, um die Weihnachtspäckchen zu packen. Der Staat hilft, wo er nur kann. Aber das gefällt nicht jedem.

Ungefähr 500 Arbeitslose haben nach Auskunft der Arge für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger im Kreis Unna allein die Arbeitsagentur und die Jobcenter an den größten Werner Arbeitgeber vermittelt. Gut 300 davon waren Langzeitarbeitslose (Hartz IV), 200 Klienten von der Arbeitsagentur waren noch im ersten Jahr ohne Job. Bewerber aus der Nachbarschaft hinzugerechnet, fanden so ungefähr 700 Jobsuchende den Weg zu Amazon.

Die Verantwortlichen betonen stets die erhebliche Entlastungswirkung in den Sozialsystemen und die Chance für Menschen, die in der Region sonst kaum Aussicht auf einen Job hätten. Die Arge will daher über ihren Beitrag in den nächsten Tagen offiziell informieren. Parallel, darauf verwies Sprecherin Antonia Mega, seien aber noch weitere Vermittler für Amazon tätig; Gesamtzahlen kenne nur das Unternehmen.

Auf Anfrage teilte Amazon mit, dass in Werne 2 000 saisonale Kräfte benötigt werden und noch Bedarf im Wareneingang, -einlagerung Kommissionierung und Verpackung bestehe. Einige Hundert hätten je nach Geschäftsentwicklung Aussicht auf Weiterbeschäftigung. Binnen drei Jahren erwarte Amazon 1 000 feste Arbeitsplätze in Werne. Fragen zur Herkunft der neuen Mitarbeiter sowie zum Umfang und der Bezahlung von Praktika ließ Amazon unbeantwortet.

Dazu wird aber aus dem Kreis der von den Jobcentern geladenen Bewerber, wie schon bei vorherigen Vermittlungsrunden und in Internet-Foren, Kritik laut. Weil nach dieser Lesart von Bewerbern „unentgeltlich Probearbeit“ geleistet werden müsse, selbst um einen Vertrag für nur drei Monate zu bekommen. In der meist zweiwöchigen Einarbeitungsphase beziehen die Betreffenden weiter Arbeitslosengeld und bekommen bei Bedarf auch Fahrtkostenzuschüsse. Amazon spare sich die Löhne, heißt es bei den Kritikern. Da komme bei der hohen Anzahl viel Geld zusammen.

„Das ist ganz im Sinne des Gesetzgebers und absolut nichts ungewöhnliches“, trat Arge-Sprecherin Mega dem Vorwurf entgegen, hier werde Steuergeld verschwendet und Arbeit subventioniert. Es sei das gute Recht jedes Arbeitslosen, seine Eignung für eine angebotene Beschäftigung „in Praktika auszuprobieren und sich zu beweisen. Das ist gängige Praxis“

Die Anforderungen bei dem Warenversand seien nicht zu unterschätzen; Arbeitnehmer wie Arbeitgeber müssten feststellen können, ob der Bewerber dem Job gewachsen ist. Das Praktikum erfülle genau diesen Zweck, denn die körperlich anstrengende und auf Tempo ausgerichtete Arbeit schaffe sicher nicht jeder. „Wenn dabei Probleme auftreten, muss das mit dem Arbeitsvermittler besprochen werden.“

Dass die Sozialkassen auch in den Fällen nicht entlastet werden, in denen der Verdienst so gering ist, dass die Betreffenden als sogenannte Aufstocker parallel weiter staatliche Leistungen beziehen und kaum Abgaben an den Staat geleistet werden, so Mega, „ist ein grundsätzliches Problem, das nichts mit Amazon zu tun hat.“ ▪ bkr

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