786 Amazon-Beschäftigte wählen Betriebsrat

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Frank Schrand arbeitet bei Amazon in der Qualitätskontrolle. Er ist Mitglied im Wahlvorstand, Sprecher der Verdi-Vertrauensleute und nun einer von 15 Betriebsräten.

WERNE - 786 Amazon-Mitarbeiter in Werne und damit 67 Prozent aller stimmberechtigten Beschäftigten haben bei der Betriebsratswahl am Donnerstag ihr Kreuzchen gemacht. Dies sei mit Blick auf die Wahlbeteiligung an anderen Standorten des Online-Versenders eine sehr zufriedenstellende Zahl, sagt Frank Schrand (46), Mitglied im Wahlvorstand. Die konstituierende Sitzung der 15-köpfigen Arbeitnehmer-Vertretung ist demnach für die zweite Juni-Woche geplant.

Ein Jahr Vorbereitung liegen hinter den Beschäftigten. In dieser Zeit hatte die Gewerkschaft Verdi die Mitarbeiter beratend unterstützt und darin bestärkt, das gesetzlich verbriefte Recht zur Bildung eines Betriebsrats in Anspruch zu nehmen. Die Verdi-Liste, auf der weit oben auch Schrands Name stand, ist am erfolgreichsten aus der Wahl hervorgegangen, mit insgesamt sieben Sitzen. Auf die anderen drei unabhängigen Listen entfielen jeweils ein Sitz beziehungsweise drei und vier Sitze.

Vier der 15 Betriebsratsmitglieder sind Frauen. Bei seinem ersten Treffen wird sich das Gremium auf einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter verständigen müssen - und auf eine dritte Person, die für die Arbeit freigestellt werden könnte. Ein eigenes Betriebsratsbüro existiert laut Schrand noch nicht; darüber wolle man in Kürze mit dem Unternehmen sprechen.

„Lasst uns ein wenig Zeit, um uns schulen zu lassen für unsere Aufgaben und uns als Team zu finden.“ Diesen Appell schickt Schrand an die Kollegen, die auf allzu schnelle Lösungen für Probleme am Arbeitsplatz hoffen. Gleichwohl werde man sich möglichst schnell realistische Ziele setzen und handeln. Zunächst gehe es dabei vermutlich um Fragen zu Schichtplänen, Überstundenregelungen und die für die Entlohnung wichtige Eingruppierung von Mitarbeitern. Eine „größere Aufgabe“, die in Verbindung mit der Gewerkschaft wohl frühestens in eineinhalb Jahren in Angriff genommen werden könnte, sei der Abschluss eines Tarifvertrags. „Wir würden gern nach dem Tarif Handel bezahlt werden“, sagt Schrand. Amazon zahle nach eigenem Bekunden nach dem niedrigeren Logistik-Tarif. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld war Mitte Mai erstmalig gestreikt worden. - am

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