Was ein Hallenbad damit zutun hat

Wie alles begann: Kuriose Geschichte hinter dem Werner Flohmarkt

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Im Jahr 1975 fand der dritte Flohmarkt in Werne statt (Bild oben). Clairnor „Mucki“ Kranemann (links), Paul Quante und Heidrun Wagner-Peters bewerben den Markt.

Werne – Der Flohmarkt in Werne hat eine kuriose Geschichte: Die Idee eines öffentlichen Verkaufs auf dem Kirchplatz kam weder von der Stadt, noch direkt von den Werner Kaufleuten. Initiiert wurde der erste Flohmarkt von dem Hallenbad-Förderverein. Wir haben uns auf die Suche gemacht und rausgefunden, was der Flohmarkt mit einem Hallenbad zutun hat.

Paul Quante staunte nicht schlecht, als ihm ein Händler seinen ganzen Wagen voller Antiquitäten abkaufen wollte. 1000 D-Mark bat er ihm. „Mein Vater war ganz perplex. So viel konnte er damals in seinem Salon nicht an einem Tag verdienen“, erinnert sich Petra Quante, Inhaberin des Friseursalons Quante, an den ersten Flohmarkt in der Werner Innenstadt. Beim Aufräumen fand die 56-Jährige ein altes Foto. 

Es zeigt ihren Vater Paul Quante mit den Geschäftsfrauen Clairnor Kranemann (links, genannt „Mucki“) und Heidrun Wagner-Peters vom Reisebüro Wagner. In der Hand halten die drei ein Plakat, das den „Traditionellen Flohmarkt in Werne“ am 6. September 1975 ankündigt. Ob dies der erste Flohmarkt in Werne war, daran konnten sich weder Petra Quante noch Heidrun Wagner-Peters erinnern. 

Paul Quantes Tochter Petra (rechts) und Heidrun Wagner-Peters haben sich jetzt an die Anfänge erinnert.

Für unsere Redaktion Grund genug, den Ursprung des Werner Flohmarkts zu suchen. Der geschichtsinteressierte Werner Rainer Schulz (auch bekannt als Sim-Jü-Experte) konnte weiterhelfen – und erklärte uns, was das 1975 erbaute Werner Hallenbad mit dem Flohmarkt zu tun hat. Denn der Ursprung des Flohmarkts liegt in einer Idee des Hallenbad-Fördervereins, in dem auch Schulz aktiv war. 

Der Förderverein hatte es sich in den 70er Jahren auf die Fahne geschrieben, die Stadt zu überzeugen, ein Hallenbad an das 1926 eröffnete Warmquellen-Solefreibad anzugliedern. „Die Hauptintention kam von unserer Wasserballmannschaft, die auch im Winter trainieren wollten“, erklärt Schulz. In einer Vorstandssitzung des Fördervereins im Jahr 1973 haben die Mitglieder dann über mögliche Aktionen diskutiert, Geld in die Kasse des Vereins zu pumpen. 

Der Tenor: „Werne braucht ein Hallenbad“, erinnert sich Schulz. Und im Zuge dessen sei die Idee entstanden, über einen Flohmarkt an Geld zu kommen. „Das war erst einmal nur so eine Idee. Wir konnten das aber nicht organisieren, dafür waren wir viel zu wenige Leute“, so Schulz. So habe der Förderverein bei den Werner Kaufleuten um Hilfe gebeten. 

Erster Flohmarkt am 1. September 1973

Zurück zum alten Foto der Familie Quante: Der Kreis schließt sich. Petra Quantes Vater sowie Heidrun Wagner-Peters und Mucki Krankemann gehörten der Aktionsgemeinschaft der Werner Kaufleute an. Die Werner Innenstadt am 1. September 1973: Es war ein Samstag, an dem der erste – und zunächst einmalig geplante – Flohmarkt in Werne stattfinden sollte. 

So richtig vorbereitet für den Verkauf auf dem Kirchplatz war nichts, erinnert sich Petra Quante. „Mein Vater hatte seinen Bruder gefragt, ob er noch alte Dinge für den Verkauf hat.“ Ihr Onkel habe daraufhin einen Wagen voll mit alten Uhren und Dingen wie einer Schwengelpumpe vorbeigebracht. „Mitten in der Nacht hörte mein Vater dann, dass Leute auf dem Kirchplatz waren. Es kamen lauter Händler“, erzählt Petra Quante. 

Es sollte nicht nur der Erlös aus dem Flohmarktverkauf dem Hallenbad-Förderverein zugute- kommen, so Schulz. In einem Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1973 geht hervor, dass auch eine öffentliche Versteigerung von Antiquitäten sowie ein Bierausschank geplant waren. „Der Förderverein bekam 100 D-Mark pro verkauftem Hektoliter Bier“, erzählt Schulz. Der Flohmarkt sei damals noch lange nicht so organisiert gewesen, wie es heute der Fall ist, erinnert sich Schulz. Und auch Heidrun Wagner-Peters weiß noch: „Es gab deutlich mehr Decken und keine Pavillons.“ 

Es habe auf Anhieb funktioniert, sagt Schulz. „Es war eine einmalig geplante Aktion und daraus ist ein Dauerbrenner geworden.“ Petra Quante und Heidrun Wagner-Peters sind noch immer Mitglieder im Verbund der Werner Kaufleute – heute „Wir für Werne“. Paul Quante ist im Ruhestand, Mucki Kranemann wohnt mittlerweile nicht mehr in Werne. Ihr gehörte ein Laden für Haushaltsgeräte, Porzellan und Geschenkartikel in der Burgstraße.

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