„Der Kontakt ist geblieben“

Allein und doch zusammen: Ein ruhiges, aber auch persönliches Osterfest für die Gemeinden

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Es war ein anderes Osterfest für die hiesigen Kirchengemeinden. Die Gotteshäuser blieben größtenteils leer, die Pfarrer sprachen in Kameras statt persönlich zu den Gemeindemitgliedern, wie hier Pfarrer Alexander Meese von der Evangelischen Kirchengemeinde Werne.

Werne/Bergkamen – Für alle verliefen die Osterfeiertage besonders. Familientreffen, Kurzurlaub – all das ging nicht. Der Besuch der Gotteshäuser an diesem höchsten kirchlichen Feiertag war nur Einzelpersonen zu bestimmten Zeiten möglich. Liturgie und Gottesdienste fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch wenn die Gemeinschaft für Christen besonders an den Ostertagen einen immens hohen Stellenwert hat: Trotz des Fehlens brachte Corona-Ostern aus Sicht der Pfarrer auch positive Impulse.

Für Pfarrdechant Jürgen Schäfer von der St. Christophorus Kirchengemeinde in Werne war das diesjährige Osterfest „völlig anders“. Aber: „Es ist super gelaufen“, resümierte Schäfer das Streaming der Gottesdienste nach vielen Rückmeldungen. „Man erreicht eine ganz andere Gemeinde, auch Menschen, die gar nicht mehr in Werne leben“, erklärt der Pfarrdechant.

Für ihn selbst sei es ungewohnt gewesen. Er hätte sich in dem Videoclip bei YouTube selbst kritisch betrachtet. „Steh doch mal gerade, kam mir in den Sinn – ein gutes Korrektiv.“ Schäfer steht der Möglichkeit des Streamings positiv gegenüber. „Die Diözese Münster ist schon dabei, rechtliche Fragen zu klären. Es mache ja Sinn, Ereignisse zu übertragen, die die Gemeinde betreffen, um die Reichweite zu erhöhen. Für Leute, die nicht mehr in Werne wohnen, könnten wir die Einweihung der St. Konrad-Kirche im August übertragen.“ Das Christentum sei natürlich darauf ausgerichtet, eine Gemeinschaft zu sein, sagt der Geistliche. „Aber jede Krise hat auch ihr Gutes. Wir haben das Internet im Blick, da führt kein Weg zurück.“

Werner stellen 722 Kerzen auf

Schäfer selbst vermisste dennoch die persönlichen Kontakte. „Die Feierlichkeit der Liturgie ist aber geblieben“, sagt er. „Die Orchestermesse ist natürlich ausgefallen, aber die Frau unseres Kirchenmusikers Dr. Hans-Joachim Wensing, Dagmar, hat eine Messe für eine Stimme gesungen. Sehr schön.“ Die Osterkerzenaktion in der Nacht hätten 722 Werner genutzt. Das eindrucksvolle Bild der Kirche im Kerzenlicht ist bei Youtube und Facebook zu finden.

Auch für Pastor Thorsten Neudenberger von der Katholischen Kirche Bergkamen war das Wochenende ein anderes, ein besonderes. „Besser als in normalen Jahren ist die Entschleunigung. Diese Stille fehlt sonst bei den ganzen Gesprächen in der Organisation, Liturgie und Vorbereitung der Gottesdienste. Aber das ist ja auch der Knackpunkt – die Menschen fehlen.“

Sein Ostergottesdienst sei in aller Einfachheit online übertragen worden, aus der St. Elisabeth-Kirche. Den Kreuzweg hätte man wegen des besseren Lichts in der Michaelskirche in Weddinghofen bebildert. „Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht nicht, das lebt ja in der Symbolik von der Beteiligung der Gemeinde.“ Diese Einfachheit des Onlinegottesdienstes hätte für positive Rückmeldungen gesorgt. „Es kam die Frage, ob man das nicht beibehalten könne“, sagt Neudenberger. Die Kirche selbst hält die Katholische Gemeinde in Bergkamen geschlossen. „Unsere Gläubigen kommen gerne als Gruppe, wir wussten nicht, wie wir das regeln sollten in Einklang mit den Hygienemaßnahmen.“ Zum Abschluss der Ostertage wird Pastor Neudenberger heute Morgen ganz Bergkamen von der Berghalde Großes Holz aus segnen.

"Der Kontakt ist geblieben"

„Der Kontakt ist geblieben, wenn auch in anderer Form, nämlich über Mail, WhatsApp oder das Telefon“, resümiert Pfarrer Alexander Meese von der Evangelischen Kirchengemeinde Werne nach den Feiertagen. Er erfuhr, dass viele Menschen an der Oster-Aktion der Gemeinde teilgenommen haben. Die Mitglieder waren aufgerufen, Fotos oder Selfies zu mailen, die ausgedruckt und in den Kirchenbänken stellvertretend aufgestellt wurden. Auch hätten viele die Luther-Kirche besucht, um zu schauen, wer denn auch ein Selfie gemacht hat und wo er sich in der Kirche platziert hätte. „Die Grußkarten wurden außerdem viel mitgenommen“, so der Pfarrer.

Das Onlineangebot der Evangelischen Gemeinde werde „mit Sicherheit gestärkt“, zieht Meese ein Fazit. Ein weiteres sei für ihn die Erkenntnis, wie wichtig Gespräche seien – sich dafür Zeit zu nehmen, anstatt für die großen Aktionen. „Das Osterfest war für mich ruhiger, aber eins mit vielen, wenn auch nicht persönlichen Kontakten.“

Begegnung mit den Menschen fehlt dennoch

Während der Feiertage Kontakt zu den Gemeindemitgliedern in besonderer Form gehalten hat auch die Evangelische Gemeinde Bergkamen. Pfarrerin Sofie Ihne: „In der Osternacht habe ich zusammen mit unserer Organistin das Osterlicht in der Kirche entzündet“, erzählt Ihne von ihrem Highlight. Die Aktion wie auch die Möglichkeit für alle Gemeindemitglieder, sich das Osterlicht anschließend von der Christuskirche ins Haus zu holen, hätten viele Menschen genutzt.

„Die Kinder der Kinderkirche haben ein Kreuz gestaltet, das erst grau und nach der Osternacht mit bunten, lebensbejahenden Motiven bestückt war“, erzählt die Pfarrerin.

Die Gemeinde hätte beschlossen, keinen kompletten Gottesdienst ins Internet zu stellen. „Wir haben es auf die Andacht beschränkt.“ Ihr persönlich fehlte die Begegnung, „die Freude über die Osterbotschaft mit Menschen zu teilen. Schön war, dass viele zur Kirche gekommen sind, die von 8 bis 12 Uhr geöffnet war.“

„Wir leben von der Gemeinschaft"

„Es ist anders. Aber Ostern hat ja trotzdem stattgefunden und ich habe keine neue Geschichte erzählt“, sagte Benno Heimbrodt von der katholischen Pfarrei Sankt Barbara. Der katholische Geistliche feierte die Messe ganz alleine, stellvertretend für die Gemeinde. „Ich bin ja seit über 30 Jahren dabei, aber es war das erste Mal in dieser Form, ohne Menschen.“ 

Heimbrodt feierte einen kompletten Gottesdienst, wie er ihn auch ohne die Einschränkungen angeboten hätte. Der geriet allerdings kürzer, da die Kommunion und die gemeinsam gesungenen Lieder wegfielen. Die Öffnung der Gotteshäuser am Karfreitag für anderthalb Stunden und am Ostersonntag, um die häusliche Osterkerze zu entzünden, sei sehr gut angenommen worden. „70 bis 100 Menschen waren in der Kirche“, sagt Heimbrodt. 

„Wir leben ja von der Gemeinschaft, der Mensch kann nicht nur mit dem Computer leben.“ Die aufgezeichneten Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde Bönen am Karfreitag und Ostersonntag erzielten eine hohe Zahl an Klicks im Internet. „Karfreitag waren es 400, Ostersonntag 500. Den Testlauf Palmsonntag haben sich bisher 1000 Menschen angeschaut“, freut sich Pfarrer Thomas Melloh. Wir erreichen auch eine andere Klientel“, sagt der Pfarrer des Bodelschwingh-Hauses. 

Die Verantwortlichen würden daher bereits überlegen, die Gottesdienste im Netz zu besonderen Anlässen weiter anzubieten. „Man erreicht viele über das Internet. Daniel Schinzig arbeitet aber auch sehr professionell“, lobt er den Filmer vor Ort. Das Angebot, die Türen zeitweise zu öffnen, sei nicht so intensiv genutzt worden. „Aber die, die kamen – oft mit Maske – haben zum einen die Stille genossen. Und es kam zu kurzen Gesprächen. Insgesamt haben sich die Leute sehr diszipliniert verhalten“, blickte Melloh zurück. „Aber es war schon eine massive Umstellung. Den Familiengottesdienst habe ich vermisst, die fehlenden Gespräche und den Gesang der ganzen Gemeinde.“

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