Alle lieben Willi – einziger Erzieher in Werner Kitas

Wilhelm Leitow mit seinen Kolleginnen in der Kindertagesstätte auf der Nath.

WERNE ▪ „Mehr Männer in Kitas“: Diesen Wunsch hat nicht nur die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die eine gleichnamige Aktion vor einigen Wochen ins Leben rief. Auch die Erzieherinnen in Werner Kindertagesstätten würden sich über einen höheren Anteil männlicher Fachkräfte freuen. Eine Umfrage unter den heimischen Kindergärten ergab: Unter Dutzenden Frauen gibt es tatsächlich nur einen einzigen hauptamtlichen Erzieher in ganz Werne. Sein Name: Wilhelm Leitow.

In der Kindertagesstätte „Auf der Nath“ ist Leitow eine Attraktion. Ständig ist der Erzieher von Kindern umlagert. Alle lieben ihren „Willi“. Bei Jungen und Mädchen würde er gleich gut ankommen, sagt Leitow. Jedoch gäbe es Jungen die besonderen Wert darauf legen, dass er beim Turnen oder Basteln mit dabei sei.

Für Wilhelm Leitow ist die Arbeit mit Kindern sehr bereichernd. „Kinder geben Erwachsenen die Möglichkeit, die Dinge wieder mit anderen Augen zu sehen, einfach intensiver wahrzunehmen“, so der gelernte Erzieher. Doch nicht nur bei den Kindern ist er beliebt, auch die Erzieherinnen in der Kita „Auf der Nath“ wissen ihn zu schätzen. Das merkt Leitow vor allem, wenn er wie so oft zuerst zu Rate gezogen wird, wenn es um technische Sachen geht, etwas gebaut oder eine Schraube nachgezogen werden muss. Probleme aufgrund seines von Frauen geprägten Arbeitsplatzes kennt er nicht. „Bei uns gibt es keinen Zickenkrieg“, so Wilhelm Leitow.

Ministerin plant Einführung

einer Männerquote

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wünscht sich eine Männerquote im Erzieherberuf von bis zu 20 Prozent. Davon ist Werne noch weit entfernt. Die Ursachen für den geringen Anteil männlicher Kollegen sind für „Einzelkämpfer“ Leitow das vergleichsweise geringe Gehalt und fehlende Anreize. Viele Männer würden oftmals erst gar nicht auf den Erzieherberuf kommen. Das läge vor allem an falschen Vorstellungen über den Beruf. „Viele denken, dass wir hier nur spielen“, so Leitow.

Dr. Tilman Walther-Sollich, Sprecher des evangelischen Kirchenvereins Hamm, sieht neben der schlechten Bezahlung auch die häufig nur befristeten Arbeitsverträge als Hemmschwelle. Dass viele Männer deshalb andere Erzieher-Arbeitsstellen wählen, hat auch Simone Poppenburg, Erzieherin in der Kindertagesstätte an der Lütkeheide, beobachtet. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Männer in Heimen und Psychiatrien arbeiten oder pädagogische Studiengänge wählen. Dabei würde sich Poppenburg sehr über männliche Unterstützung freuen. „Ich hätte gerne mal einen Mann in der Einrichtung, die bringen frischen Wind und neue Ideen“, so die Erzieherin. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass männliche Erzieher bei Mädchen und Jungen sehr beliebt sind.

Diese Aufmerksamkeit der Kinder schätzt Wilhelm Leitow an seinem Beruf, der mehr bedeutet als „nur zu basteln“. Die Anforderungen an die Erziehertätigkeit seien gestiegen. So müsse das Verhalten der Kinder analysiert werden, um eventuelle Verhaltensauffälligkeiten im Spielverhalten, der Gesundheit oder gar Ängste frühzeitig feststellen zu können. Sei bei einem Kind ein Problem erkannt worden, müsse gezielt gefördert und entgegengewirkt werden.

Leitows Kollegin Carolin Urban, die seit August ihr Anerkennungsjahr absolviert, findet es sehr gut, dass auch ein Mann in ihrer Einrichtung ist. „Er ist super musikalisch und hat auch schon eigene Lieder für den Kindergarten geschrieben“, so Urban. Um sein musikalisches Talent weiter einzubringen, macht Leitow neben seiner Arbeit eine Ausbildung zum Musik/Bewegungspädagogen in Remscheid. Für „Willi“ die perfekte Verbindung: Mit Liedern wie „Aufräumen Aufräumen“ und „Du hast die Füße wie eine Ente“ hat er seinen Kindern in der Kita „Auf der Nath“ bereits die Notwendigkeit des Aufräumens beigebracht. Oder wie man sich die Schuhe richtig anzieht. ▪ miw

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