AB-Management pokert mit „New Werne“

WERNE -  Im Poker um die Aufgabe der Produktion der AB Elektronik in Werne hat das Management ein wenig von seiner Strategie aufblitzen lassen. Im jüngsten Vorstoß ist die Rede davon, die Fabrikverlagerung in den nächsten 21 Monaten anzugehen. Damit der Betriebsrat darauf nach strikter Ablehnung von Gesprächen doch eingeht, skizziert der Vorstand vage den angekündigten Ausbau von Forschung und Entwicklung.

„Die Geschäftsführung will in der Produktion in Werne zum 31. Dezember 2015 das Licht ausmachen.“ In dieser Einschätzung sieht sich der IG Metall-Bevollmächtigte Alfons Eilers durch den jüngsten Vorstoß des Managements bestätigt. In einem Schreiben an den Betriebsrat äußern sich die Chefs laut Unternehmenssprecher erstmals zum Ausbau der Entwicklung; in einem Aushang für die Mitarbeiter ist von der besagten Frist die Rede.

Der Vorstand des britischen Mutterkonzerns TT electronics verknüpft dies mit der Erwartung, dass die Arbeitnehmerseite die Aufnahme von Verhandlungen nicht länger ablehnt und kommende Woche in die „angebotenen“ Gespräche einsteigt. „Der Vorstand will Nägel mit Köpfen machen und hat zwei konkrete Gesprächstermine in der kommenden Woche angeboten“, berichtete Manfred Neuhöfer. Der Mann von der Ergo-Unternehmenskommunikation ist von der Geschäftsleitung mit der Pressearbeit beauftragt.

Es habe ein neues Schreiben an den Betriebsrat und den Aushang gegeben. Während am Schwarzen Brett nur davon die Rede ist, die Verlagerung – somit Entlassung von ca. 400 Mitarbeitern – binnen 21 Monaten einzuleiten, „hat die Geschäftsführung dem Betriebsrat ein paar Informationen mehr gegeben“, so der Sprecher.

Dabei gehe es darum, wie der Vorstand „New Werne“, wie man dort den in Aussicht gestellten Ausbau von Forschung und Entwicklung nennt, gestalten möchte. Der Bereich ist die Herzkammer des Automobil-Zulieferers. Der Brief solle die „Ernsthaftigkeit“ dieser Pläne untermauern, so Neuhöfer. Er zählte dafür auf, was ohnehin naheliegt. Wer eine Fabrik aufgibt, muss sich wohl mit der Verwendung der Immobilie beschäftigen. Für den künftigen Bedarf an Labor-, Lager- und Versuchsbetriebskapazität würden das alte Werk Klöcknerstraße und das neuere im Wahrbrink geprüft und erforderliche Umbauten gegen einen möglichen Neubau abgewogen. Wie das konkret aussieht, ließ er offen.

Aber zur Bewertung der IG Metall passt, was der Sprecher über die ins Gespräch gebrachte Frist von 21 Monaten sagt: „Das ist ein Erfahrungswert für die Zeit, die man braucht, um eine Produktionslinie am Zielstandort in Betrieb zu nehmen.“ Nur gehe der Vorstand nicht vom jetzigen Zeitpunkt aus; gerechnet werde „ab Abschluss der Verhandlungen.“ Es gebe interne Zeitvorstellungen, aber keine Vorgaben.

Gespräche lehnt die Arbeitnehmerseite nach wie vor kategorisch ab, um die Verträge zur Standortsicherung bis Ende 2015 nicht zu gefährden. Was hat der Konzern anzubieten, damit der Betriebsrat sich doch an den Tisch begibt? (Vorerst) jedenfalls keine Details zum unerlässlichen Sozialplan. Neuhöfer: „Das gehört in die offiziellen Verhandlungen.“

Betriebsrat und Gewerkschaft gehen davon aus, das schrittweise eine Produktionslinie nach der anderen abgebaut und das daran eingesetzte Personal entlassen werden soll, damit die Hallen Ende 2015 leer sind – anders gesagt: in 23 Monaten. - bkr

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