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Zugeklebte Schaufenster ein Gräuel

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Von: Dirk Wilms

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Hartmut Sokolski und seine Mitarbeiterin Sandra Adebar zeigen das Banner mit den Schaufenstern im Ortszentrum.
Hartmut Sokolski und seine Mitarbeiterin Sandra Adebar zeigen das Banner mit den Schaufenstern im Ortszentrum. © Dirk Wilms

Hartmut Sokolski könnte es fast egal sein. Der 73-Jährige hat sich entschlossen, seinen Druck-Shop an der Straße Am Markt in Welver nach den Sommerferien zu schließen. Doch nicht deswegen ist er betrübt. Vielmehr treibt den Geschäftsinhaber die Situation der Ortsmitte um, die seiner Einschätzung nach, das Attribut als Einkaufsmeile zu verlieren droht. „Wenn die Schaufenster verschwinden, stirbt die Straße“, sind ihm diejenigen Läden ein Dorn im Auge, wo die Fensterfronten durch undurchsichtige Folien verklebt worden sind.

Welver - Sokolski hat sich die Situation im Ortszentrum angeschaut: „Leider nimmt das Verschanzen hinter den Schaufensterscheiben immer mehr zu. Nur noch wenige Ladengeschäfte werden für Handel oder Handwerk genutzt. Die restlichen Ladengeschäfte sind an Dienstleister vermietet, die die Schaufensterscheiben blickdicht verklebt haben.“

Dieser Zustand ist ihm ein Gräuel. Daher hat er die Lage auf einem drei Meter langen Banner dokumentiert. Mehr als die Hälfte der Ladenlokale bieten demnach kein Schaufenster an, in dem es was zu betrachten gibt. Dabei mache es doch gerade eine Einkaufsstraße aus, wenn die Waren in den Geschäften zu sehen seien. Doch neben seinem Druck-Shop bieten nur noch wenige Läden einen attraktiven Anblick.

Sokolski bedauert, dass sich in den vergangenen Jahren einige inhabergeführte Geschäfte verabschiedet haben und durch Dienstleister ersetzt worden sind: „Im Augenblick sehe ich, wie sich die Spirale in Welver nach unten dreht.“ Dabei hätten durchaus auch Dienstleister die Möglichkeit, Schaufenster zu gestalten.

Um dem Trend entgegenzuwirken, sei die Gemeinde gefordert, für ein positiveres Bild der Straße Am Markt zu sorgen. Sokolski bringt einen Schaufenster-Gestaltungswettbewerb ins Gespräch. Aber auch die Immobilienbesitzer sieht der Geschäftsmann in der Pflicht, bei der Auswahl der Mieter die Belebung der Straße im Auge zu haben.

Sokolski fürchtet, dass ansonsten die anstehenden Maßnahmen im Rahmen des ISEK – Umgestaltung von Marktplatz und Straße Am Markt – ins Leere laufen könnten: „Was wird daraus, wenn ich demnächst in den Ruhestand gehe?“ Einen Nachfolger für sein Geschäft zu finden, ist ihm bislang nicht gelungen. Die gesamte Entwicklung sei auch nicht förderlich bei der Suche.

Bei Kay Philipper von der Ratsfraktion von Welver 21 rennt Sokolski mit seinem Anliegen offene Türen ein. „Ich habe schon unlängst die Möglichkeit einer Gestaltungssatzung ins Gespräch gebracht“, würde das Ratsmitglied gern die Funktion der Schaufenster erhalten wissen. Dies sei gerade in Zeiten des Online-Handels von großer Bedeutung für lokale Anbieter. Eine offizielle Anfrage zur Überprüfung dieser Möglichkeit hat er an die Verwaltung gerichtet. Zunächst aber gelte es, mit den Vermietern und Mietern der Ladenlokale zu sprechen. Erst im zweiten Schritt könnte eine Gestaltungssatzung zum Zuge kommen.

Dass Philipper die Zukunft des Ortskerns als Geschäftszentrum am Herzen liegt, macht er ohnehin deutlich als Initiator und Organisator des Abendsmarktes. Der erfährt am Mittwoch nächster Woche seine nächste Auflage. „75 Aussteller habe ich schon“, blickt Philipper dem 4. Mai mit Vorfreude entgegen.

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